Berlin - Neben Doppel-Torschütze Simon Terrodde war er beim 4:0-Erfolg gegen Dynamo Dresden der auffälligste Union-Spieler: Christopher Quiring. Der 21-Jährige übernahm in Abwesenheit der etatmäßigen Schützen Silvio und Torsten Mattuschka beim Elfmeter kurz vor der Pause die Verantwortung.

Quirings Treffer zum 1:0 war der "Dosenöffner" für den 1. FC Union Berlin, der mit dem 4:0-Erfolg die Pleite aus der Hinserie egalisierte. Doch auch beim zweiten und dritten Treffer war der quirlige Offensivmann, der zumeist auf der rechten Halbposition im Mittelfeld zum Einsatz kommt, beteiligt.

Quiring jetzt Top-Torschütze

Jetzt hat der gebürtige Berliner schon sechs Treffer auf dem Konto und führt, zusammen mit dem Stürmern Silvio und Mosquera, die vereinsinterne Torschützenliste an. Im Interview zeigte sich das Eigengewächs der "Eisernen" als bescheidener, aber dennoch selbstbewusster Jungprofi.

Frage: Die 0:4-Pleite aus der Hinrunde wieder wett gemacht, selber ein Tor erzielt - war es ein perfekter Nachmittag für Sie?

Christopher Quiring: Natürlich war es perfekt. Obwohl wir eigentlich noch das 5:0 machen wollten, um das Hinspiel noch mehr vergessen zu machen. Aber das ist letztlich egal, wir haben 4:0 gewonnen.

Frage: Waren Sie als Elfmeter-Schütze vorgesehen?

Quiring: Nein, vor dem Spiel hatte eigentlich Markus Karl angekündigt, dass er schießen würde. In der Situation wollte dann Tijani Belaid ausführen. Im Endeffekt habe ich dann geschossen und ihn reingemacht - das ist ja das wichtigste.

Frage: Waren Sie vorher nervös?

Quiring: Nein, denn ich war mir sicher, dass ich ihn reinmache.

Frage: Inwiefern hat Sie die Niederlage aus der Hinrunde besonders motiviert?

Quiring: Klar war das wichtig, es war ja ein Derby. Und wir wollten unbedingt die Pleite, die wir in Dresden kassiert hatten, wieder gutmachen, zumal es auch noch ein 0:4 gewesen war. Wir wollten kämpfen und den Zuschauern ein gutes Spiel zeigen. Nachdem wir kurz vor der Pause in Führung gegangen sind, wollten wir unbedingt das 2:0 machen, weil wir wussten, dass es dann einfacher wird. Das ist uns dann ja auch gelungen.

Frage: Wenn sie selber daran denken, dass Sie an drei der vier Tore beteiligt waren - hätten Sie selber vor einem Jahr damit gerechnet, dass Sie inzwischen so eine wichtige Rolle spielen?

Quiring: Ich kann das selber kaum glauben. Aber ich schaue von Woche zu Woche. Ich habe mich nach harten Zeiten herangekämpft. Das freut mich. Dennoch muss ich weiter hart arbeiten.

Frage: Wie wichtig war so ein überzeugender Sieg gerade nach der unglücklichen Niederlage in Paderborn am vergangenen Spieltag?

Quiring: Das war schon wichtig, denn wir haben auch in Paderborn gut gespielt. Wenn wir da ein, zwei Situationen besser gespielt hätten, hätten wir auch dort gewinnen können. Aber das 4:0 gegen Dresden gibt uns jetzt Auftrieb. Damit fahren wir dann nächsten Samstag nach Bochum.

Frage: Der VfL galt vor der Saison als Aufstiegskandidat, konnte dann aber die Erwartungen nicht erfüllen. Wie schätzen Sie den nächsten Gegner ein?

Quiring: Ob Bochum die Erwartungen erfüllt hat, ist mir egal. Das Spiel wird schwer genug. Trotzdem fahren wir da hin und wollen die drei Punkte mitnehmen.

Frage: Nach oben wird für Union wohl nicht mehr viel gehen, nach unten kann aber auch nichts mehr passieren. Jetzt auch noch die schlimmste Niederlage der Hinrunde wettgemacht - wie kann sich die Mannschaft trotzdem noch motivieren?

Quiring: Wir spielen um drei Punkte, das ist Motivation genug. Denn wir wollen uns immer verbessern - unser Punktekonto und in der Tabelle. Damit wollen wir in Bochum weitermachen.

Aufgezeichnet von Andre Anchuelo