Zwischen den beiden Trainingseinheiten am Mittwoch nahm sich "Löwen"-Trainer Uwe Wolf Zeit für ein ausführliches Gespräch mit den Münchner Pressevertretern.

tsv1860.de hat die wichtigsten Aussagen von "El Lobo" (Der Wolf; Spitzname aus seiner aktiven Zeit in Mexiko) zusammengefasst.

Uwe Wolf über seine Zusammenarbeit mit Marco Kurz: Es ist kein Geheimnis, dass wir sehr gut zusammengearbeitet haben. Ich schätze ihn als Trainer und als Mensch sehr. Und ich bin auch sicher, dass Marco als Trainer seinen Weg gehen wird und eine gute Zukunft vor sich hat. Marco hat sich immer vor die Mannschaft gestellt, er war in vielen Situationen zu gut. Er hat immer angenommen, dass sich jeder Spieler so professionell verhalten wird, wie er das früher als Spieler und jetzt als Trainer vorgelebt hat. Mit Fleiß, der richtigen Einstellung und Akribie hat er alles aus sich rausgeholt. Das ist bei einigen Spielern leider nicht so, und daran werden wir arbeiten. Aus Respekt vor Marco werde ich diese Woche auch weiter mit meinen Trainingsklamotten auf dem Platz stehen, mit CO auf der Brust, was für Co-Trainer steht. Ich habe gestern Abend mit Marco sehr lange in der Trainerkabine zusammengesessen, da er ja am Montag noch das Spiel St. Pauli gegen Kaiserslautern vor Ort beobachtet hat. Marco macht die besten Gegneranalysen, und er wird mir noch eine Ausarbeitung des Spiels bis Donnerstag zukommen lassen. Das rechne ich ihm auch hoch an, weil es sicher nicht selbstverständlich ist in diesem Geschäft.

Uwe Wolf über seine Ziel mit der Mannschaft: Ich habe von Miki Stevic die Aufgabe erhalten, bin jetzt verantwortlich für die Mannschaft und stelle mich dieser Herausforderung. Ich sprühe vor Ehrgeiz und werde versuchen, neue Impulse in die Mannschaft reinzubringen. Ich bin ein Disziplinfanatiker, gebe klare Richtlinien vor, und daran müssen sich alle orientieren. Ich habe die Aufgabe übernommen, weil ich hier etwas bewegen will; ich werde alles geben, zu tausend Prozent.

Uwe Wolf über seinen Umgang mit der Mannschaft: Das heutige Training war sehr lebhaft, es war Leben auf dem Platz. Immer wenn der Mannschaft das Wasser bis Oberkante Unterlippe stand, hat sie Gas gegeben. Die Spieler müssen wieder mehr Gier, mehr Siegeswille entwickeln; sie muss an sich glauben. Jeder Löwenfan will Fußball mit Herz und Leidenschaft sehen. Aber nicht nur alle drei Wochen, sondern Spieltag für Spieltag. Ich will sehen, dass die Mannschaft bis zur letzten Minute marschiert. Dann darf sie auch mal schlecht Fußballspielen, aber sie muss in jedem Spiel alles geben. Ich habe die Mannschaft an der Ehre gepackt. Jeder muss den Weg gehen, den wir vorgeben. Wer diesen nicht mitgehen möchte, wird aussortiert. So einfach ist das.

Uwe Wolf über erste disziplinarische Maßnahmen: Ich nenne mal ein paar einfache Beispiele: Zum Training müssen die Fußballschuhe geputzt sein, dafür sind die Spieler aber selbst verantwortlich. Und ich werde entscheiden, ob die Schuhe sauber sind. Die Bälle müssen alle mit 0,9 Bar aufgepumpt sein, dafür sind die Torhüter zusammen mit dem Zeugwart zuständig. Und ich werde das immer mal wieder überprüfen. Wenn es nicht so ist, wird es Geldstrafen geben. Im Bus auf dem Weg ins Stadion wird künftig andere Musik gespielt, z.B. die besten Sechzigerlieder, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Und ab donnerstags ist jeder um 23 Uhr zu Hause. Und vor dem Spiel dürfen die Spieler abends im Hotel auch mal ein Bier trinken, aber nur eines, und das trinken wir dann alle gemeinsam.

Uwe Wolf über seine Zukunft als Cheftrainer bei 1860: Ich erwarte die Rückendeckung des Präsidiums, der Geschäftsführung und des Sportdirektors. Hinter einem starken Trainer muss auch eine starke Führung stehen. Nur dann werden wir gemeinsam erfolgreich sein.

Uwe Wolf über sein Trainervorbild, den ehemaligen mexikanischen Nationaltrainer Manuel Lapuente: Er ist eine große Respektsperson, aber sehr menschlich. In Mexiko ist der Trainer der Professor, in Italien der Mister, in England der Boss, aber in Deutschland manchmal der Trottel. Ich lege viel Wert auf gegenseitigen Respekt und gegenseitiges Vertrauen. Ich bin ein Typ mit dem man Pferde stehlen, auch mal flachsen kann. Aber wenn es auf den Platz geht, wird gearbeitet! Ich habe vier Jahre die U19 in Hoffenheim trainiert. Ich habe gedacht, dass man Profifußballern nicht alles vorgeben muss. Das ist leider nicht so. Auch sie brauchen klare Vorgaben, und die werden sie bekommen. Fußballprofi ist ein Beruf, der vielleicht schönste Beruf, den es gibt. Aber jeder Spieler muss dafür auch jeden Tag hart arbeiten.