Sinsheim - Und dann genossen sie den Gang vor den Fanblock. Über 5000 Fans erwarteten die Spieler der SpVgg Greuther Fürth Mittwochabend in der Kurve der Sinsheimer Arena. Minutenlang feierten die Helden und ihre Anhänger diesen historischen Sieg.

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte zieht der Zweitligist Greuther Fürth in das Halbfinale des DFB-Pokals ein - der verdiente 1:0-Erfolg bei 1899 Hoffenheim macht's möglich. "Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, Hut ab vor den Jungs", verneigte sich Fürths Trainer Mike Büskens vor der Leistung.

Fürther Bollwerk steht bis zum Schluss

Den entscheidenden Treffer erzielte Stürmer Oliver Occean eine Minute vor der Halbzeit, als er nach einem Pass von Kapitän Thomas Kleine den Ball wunderbar an- und mitnahm und Hoffenheims Torwart Tom Starke aus zehn Metern keine Abwehrchance ließ und die Kugel ins linke Tor-Eck schoss. Zupass kam dem Außenseiter, dass der Erstligist nach Marvin Comppers Roter Karte (36.) früh in Unterzahl geriet.

Zuvor hatte er Christopher Nöthe gefoult, der kurz darauf mit einem großen "Pferdekuss" am Oberschenkel ausgewechselt werden musste. Die kompakt verteidigenden Fürther ließen in der zweiten Halbzeit keine Torchance der dezimierten Hoffenheimer mehr zu und hätten bei konsequentem Ausspielen ihrer Konterchancen, die Partie auch höher gewinnen können.

"Wir haben das Potenzial, hinten immer zu Null zu spielen und vorne immer ein Tor zu machen", freute sich auch Manager Rachid Azzouzi. Für Stephan Schröck, seit 2001 für die Fürther am Ball, waren diese Stunden in Sinsheim schlicht "der geilste Abend" im Trikot der "Kleeblätter".

"Größter Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte"

Wie Kapitän Kleine hofft auch Schröck, dass dieses Erfolgserlebnis der Mannschaft "einen Schub" für die Liga gibt. Schließlich wollen die Fürther nach vielen knapp gescheiterten Anläufen nun endlich auch in die Bundesliga aufsteigen. Zuletzt hat es zum Rückrundenauftakt am vergangenen Wochenende mit der Niederlage in Dresden einen Rückschlag gegeben.

Nun aber sagt Schröck: "Wir haben das Kicken ja nicht in der Kabine liegen lassen, es ist immer eine Einstellungssache. Das hat man heute gesehen." Am kommenden Sonntag kommt es zum Spitzenspiel in der 2. Bundesliga, der Tabellenvierte Fürth empfängt den Dritten aus Paderborn.

Doch zunächst wollten alle erst einmal den Moment genießen. Denn: "Das ist der größte Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte", sagte Präsident und Geschäftsführer Helmut Hack stolz. Und Trainer Büskens schwärmte: "Für Fürth ist das was Historisches."

Büskens warnt vor Selbszufriedenheit

Auch Büskens wünscht sich, dass seine Spieler die Euphorie mit in die Ligaspiele nehmen. Er warnt aber auch: "Wir dürfen uns nicht blenden lassen." Jetzt wollen alle Fürther im Halbfinale vor allem ein Heimspiel, der Kreis der Gegner ist illuster: Bayern München, Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund warten bei der Auslosung am kommenden Samstagabend.

Doch Bange machen gilt nicht angesichts der großen Namen aus Liga eins: "Wir sind so weit gekommen, da will man natürlich auch ins Endspiel nach Berlin", sagt Stephan Schröck.

Und Trainer Büskens predigt ohnehin den Glauben an die eigene Stärke: "Wer so weit gekommen ist und nicht an sich glaubt, der soll im Bus bleiben."

Tobias Schächter