Leipzig - RB Leipzig und der SC Freiburg zeigen im Topspiel des 6. Spieltags der 2. Bundesliga eine erstligareife Partie. Während Ralf Rangnick Geduld mit seinen jungen Spielern anmahnt, wandelt Nils Petersen auf den Spuren von Lewandowski und Aubameyang. Am Sonntag wollen beide Teams den nächsten Schritt machen.

Noch am Donnerstag Nacht flog der Freiburger Tross zurück nach Baden. Im Gepäck: ein Zähler nach einem starken 1:1 bei RB Leipzig. Schon am Sonntag erwartet den Tabellen-Zweiten die nächste schwere Aufgabe, wenn der FSV Frankfurt seine Visitenkarte abgibt (zur Vorschau). Die Hessen sind mit 13 Zählern überraschend gut in die Saison gestartet und dürften deutlich defensiver agieren als RB Leipzig, das am Donnerstag mutigen Angriffsfußball zelebrierte.

Petersen kaum zu stoppen

"Die Mannschaften haben jetzt Respekt vor uns", weiß SC-Stürmer Nils Petersen. "Nach Freiburg kommt keiner und spielt Hauruck-Fußball. Auch der FSV wird das nicht tun." Das glaubt auch Marc-Oliver Kempf. Der gebürtige Hesse erwartet, "dass Frankfurt uns alles abverlangen wird. Die haben Selbstvertrauen getankt." Am Donnerstag wurde der Freiburger Auftritt jedenfalls sehr aufmerksam beobachtet. Thomas Oral, Vor-Vorgänger von Rangnick als Leipziger Coach, war an alter Wirkungsstätte und machte sich eifrig Notizen. Derzeit trainiert Oral bekanntlich den Verein aus Frankfurt-Bornheim.

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Besonders Petersen dürfte dem FSV-Coach einige Sorgen bei der Vorbereitung machen. Der erinnerte am Donnerstag mal wieder alle Beobachter daran, dass es auch in der Zweiten Liga richtig gute Angreifer gibt. Sein Treffer zur zwischenzeitlichen Freiburger Führung (29.) beim 1:1 in Leipzig war der achte Saisontreffer im siebten Saisonspiel des ehemaligen Bremers, der eine sensationelle Torquote aufweist: In 20 Pflichtspielen für Freiburg traf er saisonübergreifend 21 Mal, eine Quote in Aubameyang/Lewandowski-Dimensionen. Er selbst wiegelte ab und erinnerte an seine Zeit bei den Bayern. "Zur Zeit läuft es. Aber ich kenne auch die Zeiten, wenn die Minuten gezählt werden und die Medien Druck machen."

Ein erstligareifes Spiel

Am Donnerstag gelang ihm sein Treffer in einem Spiel, das auf extrem hohen fußballerischen Niveau war. So sah es auch RB-Trainer Ralf Rangnick. "Das war richtig guter Fußball. Von der Intensität und vom Tempo her hatte das Erstliganiveau." Umso ärgerlicher für RB, dass es trotz der Leistungssteigerung im zweiten Durchgang beim Ausgleich durch Davie Selke blieb (47.).

Schließlich weiß Rangnick um die hohen Erwartungen im Umfeld. "Bei uns schreibt jeder, dass wir absoluter Topfavorit sind", sagte Rangnick. "Das schreibt in Freiburg keiner. Die haben aber keine schlechtere Mannschaft als wir." Dass seinen Angreifern zuweilen noch die Kaltschnäuzigkeit fehlt, sei allerdings das Normalste auf der Welt, so Rangnick. "Es wird immer nur davon geredet, dass Davie Selke acht Millionen gekostet hat. Aber er ist auch erst 20 Jahre alt."

Offensive bleibt Trumpf

Von der offensiven Grundausrichtung will man bei RB jedenfalls nicht abrücken, warum auch? Schließlich sieht man schon jetzt, dass das Team drauf und dran ist, eine Dominanz zu entwickeln, die für die meisten Zweitligisten zu deutlich sein könnte. Schon am Sonntag, beim TSV 1860 München, ist die nächste Gelegenheit, Druck auf die drei Mannschaften auszuüben, die derzeit in der Tabelle vor RB stehen. Auch Willi Orban wird dann wohl wieder zum Stamm zählen.

Der Neuzugang vom 1. FC Kaiserslautern erhielt von seinem Trainer ein Sonderlob. Im Vergleich zum Heidenheim-Spiel in der Vorwoche habe er sich ganz deutlich verbessert gezeigt, so Ralf Rangnick, der mit einem "schweren Spiel" bei einem angeschlagenen Gegner rechnet. "Wir müssen zusehen, dass wir uns für unsere Leistungen noch konsequenter belohnen", forderte Orban. Wenn es geht, wollen sie gleich am Sonntag damit anfangen. "Dann müssen wir den Dreier eben auswärts holen", sekundierte Dominik Kaiser.

Christoph Ruf