Berlin - Mit dem verdienten 0:4 beim 1. FC Union Berlin riss für Dynamo Dresden eine Serie von vier Spielen ohne Niederlage. Jetzt müssen die Sachsen zum Überraschungsteam nach Paderborn.

Die Pleite im prestigeträchtigen Ost-Derby bei den Hauptstädtern hatte für Dynamo eine Erkenntnis parat: Die Bäume wachsen auch beim Aufsteiger nicht in den Himmel. Nach dem 3:1-Sieg gegen Spitzenklub SpVgg Greuther Fürth am ersten Spieltag nach der Winterpause hatte man an der Elbe noch davon geträumt, die Nummer eins im Osten zu werden.

Verdiente Niederlage

Ein Sieg bei den "Eisernen" hätte die SGD bis auf drei Punkte an Union herangebracht. Doch die Sachsen ließen im Stadion an der Alten Försterei alles vermissen, was sie noch gegen Fürth ausgezeichnet hatte. 22 zu neun Torschüsse, elf zu eins Ecken, 60 Prozent Ballbesitz, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Berliner - die Statistik untermauerte, was auch Dynamo-Coach Ralf Loose einräumen musste: "Wir haben heute einen Sieg von Union gesehen, der verdient war."

"Leider haben wir mit dem Pausenpfiff das Gegentor bekommen", verwies der Fußballlehrer auf die vielleicht wichtigste Szene der Partie. Kapitän Cristian Fiél, der von 2001 bis 2003 selbst bei Union gespielt hatte, meinte sogar: "Das Tor vor der Halbzeit hat uns umgebracht."

Misslungenes Walch-Debüt

Unglücksrabe Clemens Walch, auf dessen Kappe der zu dem Gegentor führende Handelfmeter ging, hatte sich sein Startelfdebüt bei Dynamo sicher anders vorgestellt. Zwar hielt der im Winter von Bundesligist Kaiserslautern ausgeliehene Österreicher den Elfmeterpfiff nicht unbedingt für zwingend: "Der Ball springt mir aus einem halben Meter Entfernung an die Hand", so der für den verletzten Robert Koch in die Mannschaft gerückte Mittelfeldmann, "meiner Meinung nach muss man das nicht pfeiffen." Doch auch der 24-Jährige räumte ein, seine Leistung sei "ausbaufähig" gewesen, er habe "wenig Ballkontakte" gehabt und "wenig nach vorn gemacht".

Walchs Trainer dagegen fand: "Ich denke, die Situation war durchaus so, dass man sie ahnden kann." Über seinen Neuzugang meinte Loose, "er war sicherlich nicht in der Form, die er sich selbst wünschen würde", relativierte aber: "Das waren andere auch nicht."

Loose bleibt gelassen

Dennoch war der Dresdner Trainer nach der Partie erstaunlich gelassen. "In der Zweiten Liga gehören auch Niederlagen dazu", so der 49-Jährige und kündigte an: "Wir werden das Spiel sachlich und vernünftig analysieren." Wichtig sei, jetzt die "richtigen Lehren" zu ziehen und "enger zusammenzurücken". Gegen Union habe man gesehen, "wieviel Arbeit noch vor uns liegt".

Nun ruhen die Dresdner Hoffnungen vor allem auf einer baldigen Rückkehr von Robert Koch. Der spiel- und kampfstarke Offensiv-Allrounder, mit sieben Treffern nach Stoßstürmer Mickael Poté torgefährlichster Dresdner, plagte sich zuletzt mit Rückenproblemen herum, könnte aber bis zur Partie in Paderborn wieder fit werden.

Zweites Auswärtsspiel in Folge

Der Trip nach Ostwestfalen dürfte den Sachsen einiges abverlangen. Zum einen ist es für die eher auswärtsschwache SGD schon das zweite Spiel auf fremdem Platz in Folge. Nur sieben ihrer 25 Zähler holte die Loose-Elf in der Fremde.

Zum anderen ist Gastgeber Paderborn alles andere als Laufkundschaft: Trotz der 1:5-Klatsche bei Greuther Fürth am vergangenen Spieltag ist der SCP die Überraschungsmannschaft der Saison: Mit 42 Punkten mischt die Manschaft von Roger Schmidt, vor der Saison noch als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt, weiter in der Spitzengruppe mit. Und Paderborn hat in dieser Spielzeit erst ein Heimspiel verloren - Mitte August, ebenfalls gegen Fürth (0:1). Ralf Loose jedenfalls sieht in der Partie die nächste Chance, den "Abstand auf Mannschaften, die oben stehen", zu verkürzen.

Aus Berlin berichtet Andre Anchuelo