Berlin - Bei Energie Cottbus läuft es nicht: kein Glück im Abschluss, nur ein Dreier und bloß zwei Tore in den letzten sechs Partien. Jetzt sehnen die Lausitzer die Winterpause herbei.

Es sah so gut aus für den FC Energie: Aus den ersten fünf Spielen holte das Team von Claus-Dieter "Pele" Wollitz vier Siege, bei den Fans wuchs die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr ins Oberhaus. Doch in den folgenden zwölf Partien gewannen die Lausitzer nur noch zwei Mal.

Wollitz: Energie im "Niemandsland"

Folgerichtig hängt Cottbus zum Abschluss der Hinrunde mit nur 22 Punkten auf Platz 9 der Tabelle fest - "im Niemandsland" der Bundesliga, wie Wollitz nach dem einräumte.

Dort hätte der FCE-Coach ein Remis zwar als gerecht empfunden: "Ich glaube, dass meine Mannschaft ein sehr ordentliches Auswärtsspiel abgeliefert hat." Doch wie seine Spieler haderte auch Wollitz mit dem mangelnden Glück: "Was uns einfach fehlt, ist dieser Aha-Effekt, dieses Quäntchen."

Abgänge, Verletzungen, Fehleinkäufe

Natürlich gibt es auch rationale Gründe für die durchwachsene Halbserie des früheren Bundesligisten. Da ist zum einen der Abgang der drei Leistungsträger Emil Jula, Jiayi Shao und Nils Petersen, mit denen der Club viel Offensivqualität verlor. Da ist zum anderen das stetige Verletzungspech - besonders der Langzeitausfall von Innenverteidiger Markus Brzenska schmerzt den FCE.

Doch "unabhängig von den vielen Verletzungen und den Abgängen im Sommer", so Wollitz, "das ist einfach zu wenig." Schon vor der Niederlage in der Hauptstadt hatte der 46-Jährige einen Teil der Schuld an der Misere auf sich genommen: "Ich übernehme für die diversen Fehleinkäufe die Verantwortung und habe mich zum Teil auch für falsche Optionen entschieden."

Lepsch will am Kader schrauben

Von den zehn Neuzugängen schlug lediglich Dimitar Rangelov, mit sieben Treffern und zwei Vorlagen Energies Alleinunterhalter im Angriff, voll ein. Die Stürmer Mustafa Kucukovic und Charles Nwaogu fanden bis jetzt noch nicht wirklich in die Saison, Martin Fenin fiel krankheitsbedingt langfristig aus.

Energie-Präsident Ulrich Lepsch empfindet die Cottbuser Hinrundenbilanz als "grausam". Der Club-Boss stellte jetzt zwei Neuverpflichtungen in der kommenden Wintertransferperiode in Aussicht. Allerdings müssten, so Lepsch, dafür auch Spieler abgegeben werden, um den Kader nicht aufzublähen.

Verlust eines Toptalents

Ein Sommer-Abgang steht schon jetzt fest: Super-Talent Leonardo Bittencourt wird zur neuen Saison zu Borussia Dortmund wechseln. Der Transfer des Mittelfeldspielers wurde einen Tag vor dem Union-Spiel offiziell bestätigt. Nach der Niederlage erklärte der deutsche U19-Nationalspieler: "Schade, dass wir verloren haben. Der Verein steht mir sehr nahe, denn ich bin in Cottbus aufgewachsen."

Der Sohn des ehemaligen Cottbuser Bundesligaspielers Franklin Bittencourt ist "froh, dass die Diskussionen um meinen Wechsel jetzt beendet sind." Er verspricht: "Ich will mich nun für den Rest der Saison auf Energie Cottbus konzentrieren." Mit seinem Weggang wird der Deutsch-Brasilianer eine Menge Geld in die Energie-Kassen spülen, aber ein neues Loch in das Cottbuser Offensivspiel reißen.

Wiedergutmachung in Dresden?

Dennoch betont Wollitz, nicht zu resignieren: "Die Lage ist kompliziert, aber reizvoll." Der Fußballlehrer sagt über seine Mannschaft: "Auch wenn ihr im Moment das Glück fehlt, kämpft sie um den Erfolg." Sonst, so der FCE-Coach, "wäre ich der Erste, der seine Konsequenzen zieht."

Am kommenden Sonntag steht mit dem nächsten Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden das nächste Derby an - für Energie Cottbus die nächste Gelegenheit, den Fans zu beweisen, dass die Mannschaft besser ist, als es die aktuelle Tabelle ausdrückt. Die Sachsen haben als Aufsteiger nur vier Zähler weniger auf dem Konto als die Lausitzer.

Aus Berlin berichtet André Anchuelo