Köln - Comic-Fans lieben den Club schon seit den 80er Jahren. Schließlich spielte "Holzbein" Kiel einst im Kult-Comic "Werner" das wohl lustigste Fußballspiel aller Zeiten - Mitten auf einem voll besuchten Marktplatz. Rund 30 Jahre später ist der Original-Club hierzulande in aller Munde - und schickt sich an, den ganz großen Sprung zu schaffen. Aufsteiger Holstein Kiel mischt seit Wochen die 2. Bundesliga auf, aktuell sogar als Tabellenführer.

Mit einem solchen Höhenflug hatte in der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins vor einem knappen halben Jahr sicherlich niemand gerechnet. Nach 36 Jahren Abstinenz hatte der Verein, der immerhin sogar eine Deutsche Meisterschaft (1912) in seinen Geschichtsbüchern stehen hat, endlich wieder den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. Als Vizemeister der 3. Liga ging es hoch in den Profifußball. Das Ziel dort: einzig irgendwie den Klassenerhalt schaffen.

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Die Realität heute sieht anders aus. Kiel marschiert. Und das unaufhaltsam. In 14 Meisterschaftsspielen musste die Mannschaft von Coach Markus Anfang den Platz nur zwei Mal als Verlierer verlassen. Stattdessen stehen bereits neun Siege, drei Remis und stolze 30 Punkte zu Buche. Mit 34 Toren stellen die Störche zudem die mit Abstand erfolgreichste Offensive der Liga. Von der befürchteten Abstiegszone trennen sie jetzt schon 16 Punkte zum Relegations- und gar 19 zum ersten, direkten Abstiegsplatz.

Video: Die Top-Tore des 14. Spieltags in der 2. Bundesliga

Zu verdanken haben die Kieler das sicherlich ihrem unbändigen Willen und ihrer schier unendlichen Kampfkraft. Denn das Team gibt nie auf, fightet bis zum Ende und hat schon so manche Partie auf diese Weise gedreht. Wie zuletzt gegen Nürnberg. 0:2 lagen die Störche da nach einer Stunde zurück. Am Ende sprang beim 2:2 noch ein Punkt heraus, dank eines Treffers in der 88. Minute. Es war das dritte Auswärtsspiel in Folge, in dem Holstein trotz Rückstands noch punktete. In Heidenheim wurde gar nach zweimaligem Rückstand noch 5:3 gewonnen. Insgesamt hat Kiel nun schon neun Punkte aus Spielen geholt, in denen sie zurück lagen. Dabei trafen sie schon fünf Mal ab der 88. Minute.

>>> Anfang verrät Motivationsgeheimnis

"Wir impfen den Spielern ein, dass wir wahnsinnig viel tun müssen." Markus Anfang, Trainer Holstein Kiel

"Wir impfen den Spielern ein, dass wir wahnsinnig viel tun müssen, um das, was wir gerade erleben, erhalten und weiterführen zu können“, erklärt Coach Anfang das Erfolgsrezept. Die Mannschaft glaubt an sich, weiß, dass sie immer noch einen Treffer erzielen kann. Egal wann. Kein Wunder, schließlich haben sie in 14 Spielen schon 34 Mal zugeschlagen, im Schnitt 2,4 Mal pro Spiel. Den Fans wird auf jeden Fall immer ein Spektakel geboten. Bereits 52 Tore fielen bei Partien der Kieler, durchschnittlich 3,7 - kein anderer Club kommt auf eine solche Quote. Ein 0:0 war noch nie dabei in dieser Saison. Und auch nur in zwei Spielen fielen weniger als drei Treffer.

Marvin Ducksch ist der beste Goalgetter der Liga

Das Erfolgsduo Drexler-Ducksch hat zusammen schon 17 Tore erzielt

Besonders stark sind die Störche immer schon in der ersten Halbzeit. Acht Mal in 14 Spielen gingen sie mit einer Führung in die Kabine - und jedes Mal behielten sie am Ende auch die drei Punkte. Und überhaupt verlor der Spitzenreiter nur ein einziges Spiel, in dem er zwischenzeitlich vorne lag. Beim 3:4 bei Union Berlin am zweiten Spieltag.

Einer der Garanten des Erfolges ist Torjäger Marvin Ducksch. Der 23-Jährige, einst in der Kaderschmiede von Borussia Dortmund ausgebildet, ist aktuell vom FC St. Pauli ausgeliehen. Ein gutes Geschäft für die Kieler. Immerhin hat Ducksch schon zehn Treffer erzielt, ist damit aktuell bester Torschütze der 2. Bundesliga. Sein Sturmpartner Dominik Drexler steht ihm in nichts nach, hat auch bereits sieben Mal zugeschlagen. Gemeinsam ist das Duo für die Hälfte aller Kieler Treffer verantwortlich.

Hammerprogramm vor Weihnachten

Erfolgstrainer Markus Anfang hat Kiel aus der 3. Liga an die Tabellenspitze der 2. Bundesliga geführt

Dank der vielen erzielten Treffer und des dadurch tollen Torverhältnisses rangiert Kiel knapp vor den punktgleichen Düsseldorfern auf Platz eins. Doch diese Tabellenführung gilt es für die Störche nun zu verteidigen. Keine leichte Aufgabe, wenn man sich das Restprogramm vor Weihnachten anschaut. Am Samstag kommt Bundesliga-Absteiger FC Ingolstadt ins Holstein-Stadion. Die Schanzer fuhren zuletzt fünf Siege in Folge ein und holten 19 Punkte aus den jüngsten sieben Spielen. Danach ist der Tabellenzweite Fortuna Düsseldorf zu Gast bevor es zu den Auswärtsspielen bei Eintracht Braunschweig, vor zwei Jahren noch Bundesligist, und dem SV Sandhausen, aktuell Sechster in der Tabelle, geht.

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Doch Bange machen lassen sich die Kieler auch von diesen Gegnern nicht. Lieber legen sie noch eine Schüppe drauf und fighten weiter mit großer Moral. Und vielleicht gelingt ja am Ende sogar der Durchmarsch bis in die Bundesliga.

Tobias Schild