Hamburg - Für Wolfgang Hesl war das Pokalspiel beim Hamburger SV eine Reise in die Vergangenheit. Immerhin zog es den gebürtigen Bayern bereits als Jugendlichen an die Elbe. Im Jahr 2004 heuerte der Keeper bei der U19 der Hanseaten an.

Bis 2011 stand der heute 27-Jährige bei den Norddeutschen unter Vertrag und kam über Dynamo Dresden zur SpVgg Greuther Fürth. Gegen seinen Ex-Club zeigte der Keeper, warum die HSV-Scouts damals auf ihn aufmerksam wurden. Mit einigen Glanzparaden verhinderte er eine Hamburger Führung.

Doch am entscheidenden Treffer war Hesl nicht schuldlos. Einen Freistoß von Hakan Calhanoglu ließ er nach vorn abprallen. Pierre-Michel Lasogga reagierte bei seinem ersten Einsatz von Beginn an für die Hamburger am schnellsten und schob den Ball zum 1:0-Endstand ins Tor.

Kein Grund, Ziele neu zu definieren



"Das passiert glaube ich jedes Wochenende, weil die Bälle doch sehr flattern", sah der Keeper die Schuld beim Ball. "Das macht es für die Zuschauer interessant, für den Torwart halt schwer."

Nach dem Aus im Pokal werde sich der Bundesliga-Absteiger nun ganz auf die Liga konzentrieren. Da liegt Fürth trotz des großen Umbruchs an der Tabellenspitze und ist in der jungen Saison schon weiter als erwartet. Aber das sei kein Grund, das Saisonziel höherzuschrauben.

bundesliga.de: Herr Hesl, wie war das Gefühl, mal wieder bei Ihrem Ex-Club zu spielen?

Wolfgang Hesl: Das war schon schön. Immerhin habe ich hier viele Jahre gespielt und habe natürlich noch viele Freunde und Bekannte in der Hansestadt. Außerdem haben mich die Fans sehr freundlich begrüßt. Das hat mich gefreut. Aber bei der Auslosung habe ich neben aller Freude auch gedacht, es hätte ruhig ein leichteres Los sein können - und ein Heimspiel.

bundesliga.de: Beim HSV lief es zuletzt ja nicht besonders, dazu noch die Trainerentlassung. Waren die Hamburger denn der erwartet schwere Gegner?

Hesl: Ich hab' mir schon gewünscht, dass wir das Spiel ein bisschen offener gestalten und wir uns mehr Torchancen erarbeiten. Das haben wir leider nicht geschafft. Zumindest in der ersten Halbzeit war der HSV die spielbestimmende Mannschaft. In der zweiten Halbzeit kamen wir dann besser ins Spiel. Im Endeffekt war es die individuelle Klasse der Hamburger, die den Ausschlag gegeben hat. Ich glaube, dass wir das Spiel verdient verloren haben. Für uns waren nicht so viele Möglichkeiten da, das Spiel für uns zu entscheiden.

bundesliga.de: Sie haben sehr gut gehalten, zum Tor aber beigetragen, als Sie den Freistoß von Calhanoglu nach vorn abprallen ließen. Machen Sie sich da Vorwürfe?

Hesl: (zögert kurz) Nein, Eigentlich nicht. Ich bin nicht der erste Torwart, dem das passiert. Das passiert glaube ich jedes Wochenende, weil die Bälle doch sehr flattern. Das macht es für die Zuschauer interessant, für den Torwart halt schwer.

bundesliga.de: Flattern die Bälle mehr, als in der Vorsaison?

Hesl: Nein, das nicht. Aber die hier in Hamburg machen ein bisschen weniger Luft rein. Weil die ein paar gute Schützen haben, damit der Ball noch ein bisschen mehr die Richtung ändert. Wenn der Ball dann einen Meter vor einem zwei-, dreimal die Richtung ändert, kann man noch so oft mit dem Ball trainieren, dann passieren solche Sachen.

bundesliga.de: Wie war die taktische Marschroute? Es gab ja zwei Möglichkeiten, da der HSV ja doch ziemlich verunsichert sein dürfte und Fürth mit dem Selbstbewusstsein eines 4:2 bei Union Berlin im Rücken und als Tabellenführer der 2. Bundesliga an die Elbe kam. Entweder macht man gegen einen verunsicherten Gegner von Beginn an Druck, oder man hält so lange ein 0:0, dass der HSV eventuell noch nervöser wird.

Hesl: Natürlich wünscht sich jeder ein frühes Tor. Das hätte uns in die Karten gespielt. Aber das war nicht möglich, da der HSV das von Anfang an sehr gut gemacht hat.

bundesliga.de: Haben Sie auf dem Feld gespürt, dass die Hamburger nervös sind?

Hesl: Den Spielern war die Unruhe im Umfeld nicht anzumerken. Der HSV hat es geschafft, sein Potenzial abzurufen. Und da war es für uns natürlich sehr schwer.

bundesliga.de: Vom Aus im Pokal abgesehen, wie zufrieden ist man in Fürth mit dem Saisonauftakt? Immerhin gab es nach dem Abstieg einen großen Umbruch im Kader. Und trotzdem ist die Spielvereinigung Tabellenführer. Ist die Mannschaft so früh in der Saison schon weiter als gedacht?

Hesl: Was die Punktausbeute angeht sicherlich.

bundesliga.de: Sie haben die Partien gegen Aufstiegsaspiranten wie Kaiserslautern (2:1) und Union Berlin (4:2) sowie Köln (0:0) bereits hinter sich. Werden in Fürth die Ziele neu definiert, sprich Aufstieg?

Hesl: Nein, es gibt im Moment keinen Grund, unsere Ziele neu zu definieren. Schauen Sie sich die Ergebnisse in der Liga doch an, wer da gegen wen gewinnt. Man muss in jedem Spiel alles geben. Das gilt schon nächsten Montag wieder gegen Dresden. Und auf das Spiel bereiten wir uns nun vor.

Aus Hamburg berichtet Jürgen Blöhs