Köln - Herzlich Willkommen zurück in der 2. Bundesliga, Arminia Bielefeld! Nach einem Jahr Abstinenz haben die Ostwestfalen durch ein 2:2 gegen Jahn Regensburg am den Traum vom direkten Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga wahr gemacht.

Schier grenzenlos war der Jubel in der Schüco-Arena, als Pascal Testroet mit seinem Treffer in der 87. Minute den Aufstieg in Deutschlands zweithöchste Spielklasse endgültig perfekt machte. Zum dritten Mal nach 1995 und 2013 sind die Arminen aus der Drittklassigkeit in die 2. Bundesliga zurückgekehrt. Der Aufstieg in die Bundesliga ist Bielefeld seit 1963 sogar schon sieben Mal geglückt, damit halten sie gemeinsam mit dem 1. FC Nürnberg den Titel als Rekordaufsteiger.

Blick ins vergangene Jahr

Viele Tränen wurden Ende vergangener Saison bei den Schwarz-Weiß-Blauen vergossen. Die Relegationsspiele gegen den SV Darmstadt 98 waren an Dramatik kaum zu überbieten - ohne Happy End für die Arminia. Mit einem komfortablen 3:1-Auswärtserfolg waren sie in der Schüco Arena angetreten, um den Klassenerhalt perfekt zu machen.

Doch nach 90 Minuten stand es im Rückspiel 3:1 für Darmstadt. Die Verlängerung musste die Entscheidung bringen. Hier erzielten die Arminen nach 107 Minuten den 2:3-Anschlusstreffer. Der Klassenerhalt wäre damit perfekt gewesen. Doch in der letzten, der 120. Minute, schoss der Darmstädter Elton da Costa seine Mannschaft zum 4:2-Sieg - und damit zum Aufstieg.

Die aktuelle Saison

Nur ein Sieg gelang Bielefeld in der 3. Liga zu Saisonbeginn in den ersten vier Spielen. Nach dem 1:5 gegen den Hallerschen FC am zweiten Spieltag sahen viele Fans den direkten Wiederaufstieg schon in weite Ferne gerückt. Die Wende gelang dann am fünften Spieltag mit einem 2:0 über Fortuna Köln.

Danach drehte das Team von der Alm auf, verlor bis zum Saisonende nur noch sechs Spiel, gewann auf der anderen Seite aber auf der anderen Seite 20 Duelle. Nachdem man schon am 15. Spieltag erstmals auf den ersten Platz vorgestoßen war, diesen aber nach einem 0:1 bei Holstein Kiel wieder abgeben musste, eroberten die Arminen den Platz an der Sonne am 19. Spieltag zurück - und gaben ihn seitdem nicht mehr her. Am Ende der Saison 2014/15 steht also ein überaus souveräner Aufstieg.

Auch im DFB-Pokal sorgten die Ostwestfalen für Furore. Beinahe wäre mit dem Finaleinzug ein echter Coup gelungen. Nachdem man auf dem Weg ins Halbfinale mit dem SV Sandhausen (4:1) einen Zweitligisten und mit Hertha BSC (4:2 i.E.), Werder Bremen (3:1) und Borussia Mönchengladbach (5:4 i.E.) gleich drei Bundesligisten aus dem Weg räumte, war erst im Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg (0:4) Schluss.

Der Trainer

Norbert Meier (56) aus Reinbeck ist ein alter Bekannter in der Bundesliga und 2. Bundesliga. Der ehemalige Profi (292 Bundesliga-Spiele für Werder Bremen und Borussia M'gladbach) coachte in seiner Bundesliga-Karriere schon Mönchengladbach (1997/98), den MSV Duisburg (2003-2005), Dynamo Dresden (2006-2007) und Fortuna Düsseldorf (2008-2013).

Meier ist sozusagen ein Aufstiegs-Experte. Schon 2005 schaffte er mit Duisburg den Sprung in die Bundesliga. Dieses Kunststück wiederholte er 2012 mit Düsseldorf, als er in der Relegation Hertha BSC ausschaltete. Das Traineramt in Bielefeld übernahm er im Februar 2014. Nachdem er den Club am Ende nicht vor dem Gang in die 3. Liga bewahren konnte, hat der 56-Jährige dafür nun also zum dritten Mal in seiner Trainerkarriere einen Aufstieg realisieren können.

Der Schlüsselspieler

Der absolute Leistungsträger im Team von Norbert Meier ist Mittelstürmer Fabian Klos. Der 27-Jährige ist Toptorjäger der 3. Liga, er ist Bielefelds Kapitän, der dienstälteste Profi bei der und die absolute Identifikationsfigur bei der Arminia. Nebenbei ist er auch noch für die Musik in der Kabine zuständig. Er gehört zum harten Kern der Mannschaft, die nach dem Zwangsabstieg der Arminia 2011 den Neuanfang mit einleitete.

"Er macht den Unterschied aus", hebt Trainer Norbert Meier hervor. "Er hat sich als Persönlichkeit weiterentwickelt", lobt ihn Geschäftsführer Marcus Uhlig. "Sensationell, wenn du vorne so einen Stürmer hast", preist Mittelfeldspieler Tom Schütz den Kollegen, der ob seiner britischen Spielweise und immensen Kopfballstärke zur Kategorie der klassischen Neuner gehört. "Fabi hat einen unbändigen Willen", sagt Samir Arabi, der Sportliche Leiter des DSC Arminia, der sich mit Klos bald über eine Vertragsverlängerung unterhalten will.

Klos wird von seinen Mannschaftskollegen auf dem Platz wie der deutsche Weltmeister und WM-Rekordtorschütze "Miro" oder "Klose" gerufen. Er ist der absolute Liebling der Fans, nicht nur, weil er dem Verein auch in schwierigsten Zeiten die Treue gehalten hat, sondern auch weil er ein beinharter Kämpfer ist. Nur knapp zwei Monate nach einer im Oktober 2013 erlittenen Gesichtsfraktur stand er wieder auf dem Platz, um seiner Mannschaft im Abstiegskampf zu helfen.

Dennis-Julian Gottschlich