Frankfurt/Main - Mehr als siebeneinhalb Stunden ohne Gegentor, im Angriff absolut kaltschnäuzig: Hertha BSC zieht an der Spitze der 2. Bundesliga einsam ihre Kreise.

Auch beim 2:0 (0:0) im Spitzenspiel des 9. Spieltags gegen den direkten Konkurrenten SpVgg Greuther Fürth verfolgte das Team von Trainer Markus Babbel die Mission Wiederaufstieg extrem zielstrebig. Die Hertha ist die einzige Mannschaft im deutschen Profifußball, die noch ungeschlagen ist.

Lell kennt das Erfolgsrezept

Abwehrspieler Christian Lell kennt das Erfolgsrezept für die Bilanz von sieben Siegen in neun Spielen (zwei Unentschieden). "Wir geben nie auf. Deshalb wird mir unsere Serie auch nicht unheimlich", sagte der ehemalige Bayern-Profi. Als Außenverteidiger ist Lell ein wichtiger Bestandteil der überragenden Abwehrreihe, die bislang nur fünf Gegentreffer zugelassen und seit fünf Spielen eine weiße Weste hat.

Und im Training lässt Babbel die Zügel trotz des Traumstarts nicht schleifen. Die Belohnung dafür bekamen seine Profis im Gipfeltreffen mit Fürth. "Ich freue mich, dass wir die Physis haben, späte Tore zu erzielen. Da sehen die Jungs, dass wir nicht umsonst so hart trainieren", sagte Babbel.

Mijatovic fällt aus

Der Bulgare Valeri Domovchiyski hatte die Berliner in der 76. Minute in Führung geschossen. Raffael sorgte in der Schlussminute für die Entscheidung und eine gelungene Generalprobe für das Pokalspiel der 2. Runde am Dienstag beim Drittligisten TuS Koblenz.

Ein Wermutstropfen blieb aber dennoch: Kapitän Andre Mijatovic wird wegen einer Fraktur des Schienbeinköpfchens und eines Außenbandanrisses im rechten Knie in diesem Jahr wohl nicht mehr auflaufen können. "Jetzt schaffen die Jungs das auch ohne mich", sagte Abwehrchef Mijatovic. Auch Nikita Rukavytsya fällt wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel zwei Wochen aus.

"Zebras" erster Verfolger

Erster Verfolger des Hauptstadtklubs ist mit zwei Punkten weniger der MSV Duisburg (21), der sich am Sonntag durch ein 3:0 (1: 0)-Erfolg gegen den Karlsruher SC auf den 2. Tabellenplatz vorschob.

Absteiger VfL Bochum tritt dagegen nach dem 1:1 (1:0) gegen Alemannia Aachen weiter auf der Stelle im Tabellenmittelfeld. Einen Sieg feierte der SC Paderborn beim 3:0 (0:0) gegen die Fortuna aus Düsseldorf, die nach zwei Erfolgen erstmals wieder eine Niederlage hinnehmen musste und weiter im Tabellenkeller bleibt.

1860 München ließ vier Tage nach dem Punktabzug wegen Verstößen gegen die Lizenzierungsordnung zwei Zähler liegen. Die angeschlagenen "Löwen" kamen gegen Schlusslicht Arminia Bielefeld nicht über ein 0:0 hinaus und ließen die Gelegenheit ungenutzt, ihren Rückstand auf die Spitzengruppe zu verkürzen.

Arminen-Coach Christian Ziege konnte zumindest einen Teilerfolg feiern. "Es hat jeder gesehen, dass wir für den Trainer gespielt haben. Es steckt Moral in dieser Truppe", sagte Bielefelds Mittelfeldspieler Manuel Bölstler.

"Für uns war das ein bitterer Nachmittag"

Immer prekärer wird die Situation beim FC Ingolstadt nach dem 0:1 (0:0) gegen den FSV Frankfurt. "Für uns war das ein bitterer Nachmittag. Meine Mannschaft hat alles gegeben. Nicht für mich, sondern für den FC Ingolstadt. Deshalb bin ich stolz auf sie", sagte Trainer Michael Wiesinger. Frankfurts Momar N'Diaye erzielte eine Viertelstunde nach seiner Einwechslung den Siegtreffer (78.).

Den FC Augsburg brachte gegen Union Berlin (2:1) ein Tor aus dem Kuriositäten-Kabinett auf die Siegerstraße: In der 69. Minute schlug der Ausgburger Uwe Möhrle aus nachgemessenen 52,6 Metern einen weiten Pass nach vorne.

An Freund und Feind vorbei sprang der Ball zum 1:1 ins Tor. "Wenn man glaubt, es gibt keine Steigerung von Pech mehr, hat man Unrecht", sagte Union-Trainer Uwe Neuhaus, dessen Team in der 93. Minute noch den entscheidenden Gegentreffer durch Stephan Hain hinnehmen musste.