Köln - Noch vier Spieltage bis zum Saisonende, die Situation in der 2. Bundesliga spitzt sich zu (zur Tabelle). Die besten Karten im Aufstiegsrennen haben  - neben Tabellenführer Ingolstadt (59 Punkte) - Kaiserslautern (2./54 Punkte), Karlsruhe (3./52 Punkte) und Darmstadt (4./50 Punkte). Am Samstag (ab 12:45 Uhr im Liveticker) kommt es zum direkten Duell zwischen dem SV Darmstadt 98 und dem 1. FC Kaiserslautern. Es ist das heißeste Duell des 31. Spieltags.

Die Gesamtbilanz der beiden Clubs gegeneinander spricht dabei für Kaiserslautern, auch wenn erst ein einziges Duell in der 2. Bundesliga stattfand. Es war das Hinspiel, was am Betzenberg 0:0 endete. Insgesamt gesehen ist es aber schon das siebte Aufeinandertreffen: Von vier Duellen in der Bundesliga in den 70er und 80er Jahren gewann Lautern zwei, die anderen beiden endeten remis. In der zweiten Runde des DFB-Pokals 1979/80 hatten dafür die Lilien die Nase vorn.

"Drei Punkte mitnehmen"

Um noch eine Chance auf den direkten Aufstieg in die Bundesliga zu wahren, müsste Darmstadt zumindest ein Unentschieden gelingen. Bei einem FCK-Sieg wären es bei drei ausstehenden Partien schon sieben Zähler Rückstand auf Rang zwei. Die Roten Teufel hingegen würden mit einem Sieg gegen den direkten Konkurrenten einen gewaltigen Schritt in Richtung Bundesliga gehen.

"Das Böllenfalltor wird ein absoluter Hexenkessel sein, es ist ein Spitzenspiel und ein ganz wichtiges Spiel für beide Teams. Wir sind gut gerüstet und hoch motiviert. Psychologisch war der Auswärtsdreier in Bochum eine gute Grundlage, um selbstbewusst nach Darmstadt zu fahren und dort auch drei Punkte mitzunehmen", sagte FCK-Coach Kosta Runjaic auf der Pressekonferenz vor dem Spiel, dass für ihn ein ganz besonderes ist, schließlich war er von 2010 bis 2012 über 90 Spiele der Trainer der Lilien und kehrt am Samstag an seine alte Wirkungsstätte zurück.

"Geht nicht um meine Emotionen"

Trotzdem versucht er seine Gefühle im Griff zu behalten: "Natürlich verbinde ich mit Darmstadt viele schöne Erinnerungen. Aber das ist nun alles schon länger her. Ich bin hier mit dem FCK, und es geht nicht um meine Emotionen, sondern um die richtige Strategie und nur darum, drei Punkte zu holen", so Runjaic.

Die Chancen dazu stehen gar nicht schlecht. Seit mittlerweile acht Spielen ist der FCK ungeschlagen, ist mit 26 Punkten aus 13 Partien die beste Rückrundenmannschaft und stellt mit nur sieben Gegentoren auch die beste Rückrunden-Defensive. Nach vier Gastspielen in Serie ohne Sieg platzte beim VfL Bochum zudem zuletzt der Knoten, als man 2:0 im Ruhrstadion gewann.

"Kaiserslautern ist absoluter Favorit"

Die Gastgeber sind hingegen die absolute Überraschung der 2. Bundesliga. Keiner konnte zu Beginn der Saison damit rechnen, dass der Aufsteiger so kurz vor Ende noch um den direkten Durchmarsch in die Bundesliga mitspielen würde - auch Coach Dirk Schuster nicht. Darauf angesprochen, dass das Duell seines Teams mit den Pfälzern das absolute Topspiel des 31. Spieltags sei, antwortete er nur: "Wenn mir das vor der Saison jemand gesagt hätte, hätte ich entgegnet, dass ich nicht glaube, dass Kaiserslautern so eine schlechte Saison spielen wird."

Die Rollenverteilung vor dem Kräftemessen mit dem deutschen Meister von 1998 ist für Schuster trotz der tabellarischen Nähe aber eindeutig - zu groß sind die Unterschiede in den Möglichkeiten: "Kaiserslautern ist absoluter Favorit. Für mich sind sie die spielstärkste Mannschaft der kompletten Liga, zudem haben sie mit Simon Zoller im Winter einen absoluten Top-Spieler dazubekommen".

"Brauchen Leidenschaft und Kampfgeist"

Um die Begegnung gegen die seit acht Spielen ungeschlagenen Pfälzer dennoch positiv zu gestalten, erwartet der 47-Jährige die Tugenden, die seine Mannschaft schon über die gesamte Saison an den Tag legt: "Wir brauchen Leidenschaft und Kampfgeist von der ersten Minute an. Wir werden alles in die Waagschale werfen und wollen zudem spielerische Akzente setzen, um dem FCK Paroli bieten zu können."

Während Kaiserslautern zwar zuletzt bewiesen hat, dass sie es doch noch in der Fremde können, so werden es ihnen die Lilien sicherlich nicht einfach machen. Seit 10 Heimspielen ist Darmstadt inzwischen ohne Niederlage, überhaupt musste man am Böllenfalltor erst eine einzige Niederlage hinnehmen (9. Spieltag, 1:4 gegen Düsseldorf). Beileibe keine einfache Aufgabe für die Roten Teufel.

Zoller noch fraglich

Personell können beide Trainer fast aus dem Vollen schöpfen. Lediglich der gelbgesperrte Fabian Holland wird bei Darmstadt ausfallen. Bei den Lauterern fehelen lediglich die Langzeitverletzten Ruben Jenssen und Marcel Gaus, hinter dem Einsatz von Simon Zoller, den Oberschenkelprobleme plagen, steht ein Fragezeichen.

Das Böllenfalltor ist mit 16.500 Zuschauern restlos ausverkauft und diese könnten Zeugen eines historischen Sieges werden: Es wäre der insgesamt 150. für die Lilien in der 2. Bundesliga. Beinahe optimale Voraussetzungen für ein richtig heißes Duell also.

Dennis-Julian Gottschlich