Köln - Nach einem Jahr in der 3. Liga hat der FC Hansa Rostock den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. Als Tabellenzweiter beendete die "Kogge" hinter Eintracht Braunschweig eine eindrucksvolle Saison, in der besonders junge Spieler herausstachen.

Mit Frank Pagelsdorf, dem ehemaligen Trainer des Traditionsvereins von der Ostsee, hat bundesliga.de die Stärken des FCH analysiert. Außerdem verrät Pagelsdorf, warum das Team von Trainer Peter Vollmann den Klassenerhalt schaffen wird.

bundesliga.de: Herr Pagelsdorf, wie beurteilen Sie die vergangene Saison des FC Hansa Rostock?

Frank Pagelsdorf: Die große Überraschung für mich ist die Konstanz, welche die Hansa mit einer so jungen Mannschaft gezeigt hat.

bundesliga.de: Die Jugend war ja gerade das herausstechende Merkmal. Der Etat in der 3. Liga war sehr klein und in der 2. Bundesliga wird er auch gering sein. Sehen Sie das Rezept Jugend auch dort als erfolgversprechend?

Pagelsdorf: Es gibt ja Mannschaften, auch eine Etage höher, die mit einem jungen Team erfolgreich waren. Letztendlich setzt sich die Klasse durch. Auf der anderen Seite ist das aufgrund der wirtschaftlichen Situation die einzige vernünftige Alternative für Hansa.

bundesliga.de: Sehen Sie denn Verbesserungspotenzial oder eine Notwendigkeit, sich zu verbessern im Hinblick auf die neue Saison?

Pagelsdorf: Ich denke schon, dass das angestrebte Ziel von Paule Beinlich eine stetige Verbesserung der Mannschaft sein wird. Das wird aber nach der gelungen Saison einen Tick einfacher sein als noch in der 3. Liga. Da heraus zu kommen, ist eine schwere Aufgabe. Deswegen liegt wohl das Bestreben erst einmal darauf, die Klasse zu halten.

bundesliga.de: Wie stehen Ihrer Meinung nach denn die Chancen auf einen erfolgreichen Klassenerhalt?

Pagelsdorf: Sehr gut, weil die Hansa aufgrund der vergangenen zehn, zwölf Jahre ja eine gewisse Stabilität in der 2. Bundesliga, aber auch in der Bundesliga hatte. Auch die Infrastruktur dafür hat der Verein. Das Stadion, das Umfeld, die Trainingsmöglichkeiten - das sind ideale Voraussetzungen, auch in der 2. Bundesliga bestehen zu können.

bundesliga.de: Einige Stimmen im Umfeld träumen sogar schon wieder laut von der Rückkehr in die Bundesliga. Was denken Sie darüber?

Pagelsdorf: Das wird sicherlich langfristig das Ziel sein, doch die Zeit ist da der entscheidende Punkt. Mittelfristig, also nach zwei, drei stabilen Jahren in der 2. Bundesliga, kann man sicherlich den Aufstieg in Angriff nehmen. Man muss erst ein stabiles Fundament legen, ehe man den Sprung in die Bundesliga schaffen kann.

bundesliga.de: Wo sehen Sie denn die Stärken der Mannschaft, die den Verbleib in der 2. Bundesliga sicherstellen können?

Pagelsdorf: Sicherlich in dem großen Zusammenhalt und der Disziplin als Mannschaft. Dazu noch eine starke Defensive.

bundesliga.de: Wie sehen Sie den Angriff? Mit Marcel Schied lag der torgefährlichste Angreifer bei nur elf Treffern, wohingegen mit Schied und Mohammed Lartey zwei Mittelfeldspieler zweistellig getroffen haben. Sehen Sie da Handlungsbedarf?

Pagelsdorf: Das kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Letztendlich spielt Barcelona auch ohne Stürmer (lacht kurz). Wenn die Mittelfeldspieler torgefährlich sind, ist das immer ein ganz gutes Zeichen. Deswegen will ich da auch keinerlei Empfehlung abgeben.

bundesliga.de: Wie denken Sie denn darüber, dass durch Hansas Aufstieg und den von Dynamo Dresden in der kommenden Saison fünf Ost-Vereine in der 2. Bundesliga spielen? Eine Chance für die Region?

Pagelsdorf: Ja, definitiv. Das wird sicherlich für eine Euphorie sorgen. Ich bin froh, dass das nun so gekommen ist, weil das sicherlich den Ost-Fußball stärken wird. Da wird es viele spannende Derbys geben, die viele Zuschauer anziehen.

bundesliga.de: Worauf freuen Sie sich in der nächsten Saison am meisten?

Pagelsdorf: Am meisten würde ich mich freuen, wenn Hansa Rostock die Klasse halten würde.

bundesliga.de: Fiebern Sie denn auch irgendeiner bestimmten Partie besonders entgegen?

Pagelsdorf: Aus der Vergangenheit weiß man ja, dass die Partien gegen St. Pauli immer etwas Besonderes waren. Das wird auch in der kommenden Saison sicherlich wieder ein Highlight werden.

Das Gespräch führte Gregor Nentwig