Zusammenfassung

  • Bundesliga-Atmosphäre beim Zweitliga-Auftakt in Hamburg
  • Holstein Kiel schließt nahtlos an die starke Vorsaison an
  • Der HSV ist noch nicht in der 2. Bundesliga angekommen

Hamburg - Der überragende 3:0-Sieg von Holstein Kiel beim Hamburger SV sorgt für Euphorie und lässt von einer erfolgreichen Saison träumen. Die Hamburger wiederum möchten ihre Auftaktniederlage kommenden Sonntag in Sandhausen vergessen machen.

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74 Tage waren vergangen, seitdem Holstein Kiel den Aufstieg in die Bundesliga in der Relegation knapp verpasste hatte. Spätestens mit dem 3:0 beim HSV zum Saisonauftakt ist jegliche Trauer darüber verflogen. Die Kieler führen die Euphorie fort, mit der sie vergangene Saison bis auf den dritten Tabellenplatz durchmarschiert sind. "Ein Sieg zum Auftakt vor dieser Kulisse ist ein echter Brustlöser", sagte Sportchef Fabian Wohlgemuth. Im ausverkauften Volksparkstadion herrschte eine Atmosphäre wie in der Bundesliga. Für viele junge Spieler war das eine komplett neue Erfahrung. "Es war ein Wahnsinnsgefühl, vor 57.000 Zuschauern zu spielen. Vor so vielen Zuschauern habe ich noch nie gespielt", sagte zum Beispiel der 20-jährige Janni Serra.

Möglicherweise war die Kulisse ein Grund dafür, dass Holstein einige Zeit brauchte, um in das Spiel zu finden. So unzufrieden Trainer Tim Walter in den ersten 25 Minuten mit seiner Mannschaft war, so begeistert war er von dem Auftritt in der zweiten Halbzeit. "Das war grandios", sagte der 42-Jährige. "Wir haben den HSV nicht mehr atmen lassen und sie so unter Druck gesetzt, dass sie Fehler begangen haben. Der Sieg für uns geht folgerichtig in Ordnung."

Wahl: "Noch Luft nach oben"

Der Auftaktsieg lässt das Selbstvertrauen bei den "Störchen" weiter steigen. "Wir sind als Mannschaft noch relativ frisch zusammen und werden uns weiterentwickeln. Wir haben noch Luft nach oben", stellte Hauke Wahl klar. Neuzugang Jae Sung Lee setzte im Interview mit bundesliga.de sogar noch einen drauf. Er träumt vom Aufstieg: "Die Bundesliga ist mein Traum. Dort möchte ich spielen – und zwar mit Holstein Kiel." Wolfgang Schwenke, der Kaufmännische Geschäftsführer von Holstein Kiel, trat jedoch auf die Euphoriebremse: "Wir werden jetzt nicht durchdrehen, sondern auf dem Boden bleiben. Wir haben das erste Spiel gewonnen und freuen uns nun auf das erste Heimspiel."

Rick van Drongelen im Duell mit Kingsley Schindler
Rick van Drongelen im Duell mit Kingsley Schindler © gettyimages / Martin Rose

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Des einen Freud ist des anderen Leid: Der HSV hatte sich den Auftakt im eigenen Stadion verständlicherweise anders vorgestellt. Lewis Holtby, der den verletzten Aaron Hunt als Kapitän vertrat, fand kritische Worte: "Wir haben als Kollektiv versagt. Das war über 60 bis 70 Minuten viel, viel zu wenig und nicht unser echtes Gesicht." Dabei konnte der HSV in der ersten Hälfte durchaus überzeugen und hatte viele Chancen zu verbuchen. An diesen Offensivdrang konnte die Mannschaft nach der Pause allerdings nicht mehr anknüpfen, wie Neuzugang Khaled Narey erklärte: "Wir haben im zweiten Durchgang einfach den Faden verloren. Wir wollten weiterhin von hinten herausspielen, aber haben zu viele Fehler gemacht."

"Wir haben von Anfang an gesagt, dass es auch mal schwierig werden kann. Jetzt ist es gleich im ersten Spiel in die Hose gegangen. Das bringt uns aber nicht auseinander." Ralf Becker

Trotz der Niederlage richtet sich der Blick der Hamburger, die in der Saisonvorbereitung mit vielen guten Testspielen überzeugten, nach vorne. "Wir müssen uns jetzt nicht verstecken. Wir müssen das Spiel analysieren und das in der nächsten Woche besser machen", sagte Sportvorstand Ralf Becker und fügte hinzu: "Wir haben von Anfang an gesagt, dass es auch mal schwierig werden kann. Jetzt ist es gleich im ersten Spiel in die Hose gegangen. Das bringt uns aber nicht auseinander." Kommenden Sonntag hat der HSV die Gelegenheit, mit einem Auswärtssieg die ersten Punkte zu holen. Der Gegner wird dann der SV Sandhausen sein. Narey bleibt optimistisch: "Ich denke, dass wir nächste Woche ein anderes Gesicht zeigen werden."

Aus Hamburg berichtet Oliver Jensen