Köln - Der SC Paderborn 07 ist seit vier Spielen ungeschlagen, steckt trotzdem aber noch im unteren Tabellendrittel. Immerhin beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz aber schon drei Punkte. Im Interview mit bundesliga.de spricht SCP-Torjäger Nick Proschwitz über den sportlichen Aufschwung und den neuen Trainer Stefan Effenberg.

bundesliga.de: Nick Proschwitz, wie froh sind Sie darüber, nach zuvor drei Jahren in England wieder zurück in Paderborn zu sein, wo Sie 2011/12 vielleicht Ihre bisher beste Profi-Saison gespielt haben?

Nick Proschwitz: Mir gefällt es sehr gut, ich wurde super wieder aufgenommen. Seit der neue Chef-Trainer Stefan Effenberg da ist, haben wir vier Spiele nicht mehr verloren. Ich hoffe, dass es so weiter geht und wir die Spiele noch erfolgreicher gestalten können.

bundesliga.de: Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Paderborn und der Saison vor drei Jahren?

Proschwitz: Ich hatte eine tolle Zeit beim SCP und habe in einer tollen Mannschaft gespielt. Wir waren damals unerwartet erfolgreich und haben bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Ich wünsche mir, dass wir an diese Zeiten anknüpfen können.

"Glauben an unsere Stärken"

bundesliga.de: Die Mannschaft hatte in dieser Saison keinen guten Start, nach zehn Spieltagen kam ein neuer Trainer. Was läuft unter Stefan Effenberg besser?

Proschwitz: Aktuell arbeiten wir als Mannschaft besser zusammen. Wir haben den Spaß wiedergefunden und glauben wieder an unsere Stärken.

bundesliga.de: Für Stefan Effenberg ist der SC Paderborn 07 seine erste Trainerstation. Merkt man ihm an, dass er neu im Trainergeschäft ist? Oder wirkt er auf Sie wie ein abgezockter Coach mit viel Erfahrung?

Proschwitz: Man merkt, dass er eine große Ausstrahlung und viel Erfahrung hat. Er hat als Spieler sehr viel erreicht und vermitteln uns Freude an jedem Tag. Die Ergebnisse waren mit acht Punkten aus vier Spielen okay. Wir hätten sogar noch mehr Punkte holen können.

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bundesliga.de: Hat Stefan Effenberg ein bisschen Druck von der Mannschaft genommen, dadurch, dass sich das ganze Medieninteresse auf seine Person fokussierte?

Proschwitz: Das würde ich schon sagen, das hat es der Mannschaft leichter gemacht. Es gab im ganzen Umfeld ein großes Medienaufkommen, das hing mit seinem Namen und seiner Person zusammen. Es wurde mehr über den Trainer berichtet und geschrieben als über die Mannschaft. Für uns war das gut.

bundesliga.de: Wie haben Sie ihn persönlich kennengelernt, gab es schon Einzelgespräche?

Proschwitz: Wir haben über taktische Belange gesprochen. Ich will Verantwortung übernehmen und der Mannschaft mit Bereitschaft, Freude und Toren helfen.

"Müssen weiter Vollgas geben"

bundesliga.de: Sie haben die kleine Erfolgsserie von vier Spielen ohne Niederlage angesprochen. Doch trotz der Serie ist die tabellarische Situation nach wie vor angespannt. Wie kompliziert ist die Lage?

Proschwitz: Es ist keine Überraschung, dass die 2. Bundesliga eng ist und jeder jeden schlagen kann. Wir wissen, dass wir noch unten drin stehen. Wir müssen in den nächsten Wochen weiter erfolgreich spielen und Punkte holen. Wir denken nicht, dass wir jetzt um den Aufstieg mitspielen, nur weil wir mit dem neuen Trainer viermal nicht verloren haben. Wir müssen weiter Vollgas geben.

bundesliga.de: Die Tabelle sagt aber auch, dass es bis Platz 10 auch nur drei Punkte Rückstand sind.

Proschwitz: Entweder guckt man nach oben oder man schaut nach unten. Wir müssen uns bis zum Winter erst einmal in das Mittelfeld der Tabelle vorarbeiten. Wenn wir den Lauf fortführen, wird uns das schon bald gelingen.

bundesliga.de: Sie selbst haben im Fußball viel erlebt und in den letzten zwölf Jahren bei 13 Vereinen gespielt. Sind Sie ein Wandervogel, der gerne neue Herausforderungen sucht?

Proschwitz: Eigentlich nicht. In England passiert es schon mal, dass man für ein paar Monate ausgeliehen wird. Dann kamen Verletzungen dazu oder ich habe nicht mehr gespielt. Bei meiner Station in Paderborn wurde ich Torschützenkönig. Dadurch gab es viel Aufmerksamkeit, ich bekam viele Angebote. Es gab immer Gründe für meine Wechsel. Mir wäre es aber sehr recht, die nächsten Jahre beim SC Paderborn zu spielen.

"Freue mich auf ein schönes Duell"

bundesliga.de: In dieser Saison haben Sie bereits viermal getroffen und sind damit Paderborns gefährlichster Angreifer. Wie viele Tore haben Sie sich vorgenommen?

Proschwitz: Ich habe mir keine bestimmte Zahl vorgenommen. Das lasse ich auf mich zukommen. Ich will mit der Mannschaft erfolgreich Fußball spielen und meinen Teil dazu beitragen.

bundesliga.de: In zehn Tagen muss der SC Paderborn beim Tabellenführer SC Freiburg antreten. Die Breisgauer haben zuletzt auch einige Spiele nicht gewonnen. Wie schätzen Sie Freiburg ein?

Proschwitz: Der SC Freiburg hat einen sehr guten Kader. Dort wird richtig gut gearbeitet. Für uns ist es eine tolle Standortbestimmung. Uns kommt entgegen, dass Freiburg auch einen guten Fußball spielen will und wir nicht wie in den letzten beiden Heimspielen auf einen defensiv eingestellten Gegner treffen. Ich freue mich auf ein schönes Duell, aus dem wir etwas mitnehmen wollen.

Das Interview führte Tobias Gonscherowski