Braunschweig - Keine Mannschaft im deutschen Profi-Fußball hat die vergangene Saison derart dominiert wie Eintracht Braunschweig. Der Traditionsverein stand bereits sechs Spieltage vor Ende der Drittliga-Spielzeit als direkter Aufsteiger in die 2. Bundesliga fest.

Im exklusiven Gespräch mit bundesliga.de erklärt Marc Arnold, der Sportliche Leiter der Eintracht, wo diese eindrucksvolle Leistung ihre Grundlage findet. Weiterhin schaut der gebürtige Südafrikaner und frühere Profi auf die kommende Saison voraus und verrät, wie die Braunschweiger den Klassenerhalt schaffen möchten.

bundesliga.de: Herr Arnold, noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg. Haben Sie sich am 38. Spieltag eigentlich noch freuen können? Schließlich stand der Aufstieg ja schon nach dem 32. Spieltag fest.

Marc Arnold: Der emotionale Höhepunkt war natürlich das Spiel in Unterhaching, als dann auch rechnerisch feststand, dass wir aufgestiegen sind. Doch auch das letzte Saisonspiel war toll. Es war ein Heimspiel, wir wurden als Meister geehrt. Das war ein Erlebnis.

bundesliga.de: Die Eintracht hat eine überragende Saison gespielt und die Liga dominiert. Wie kam es, dass Ihr Team die 3. Liga derart beherrscht hat?

Arnold: Das sind sicherlich verschieden Faktoren, die da zusammenspielen. In der Saison davor, die wir als Vierter abgeschlossen haben, hatten wir sicherlich auch schon ein gutes Team. Wir haben damals eine überragende Rückrunde gespielt und konnten aus dieser Serie die Euphorie und die Leichtigkeit mit in die neue Saison nehmen. So sind wir bereits mit einer eingespielten Mannschaft in die Saison gestartet, die sich in deren Verlauf, besonders was das Offensivspiel angeht, auch noch einmal deutlich steigern konnte. Und zum Schluss müssen wir auch sagen, dass wir von Verletzungen verschon geblieben sind.

bundesliga.de: Ihr Team hat 85 Punkte geholt, hatte am Ende 20 Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz, 81 eigene Treffer und nur 22 Gegentore. Welcher Wert ist Ihrer Meinung nach der erstaunlichste?

Arnold: Das ist schwer zu sagen. Das eine kommt mit dem anderen. Wenn man so viele Tore schießt und gleichzeitig so wenige kassiert, dann hat man wahrscheinlich immer so viele Punkte. Wichtig war aber vielmehr die sehr hohe Konstanz, die die Mannschaft gezeigt hat. Auch die Tatsache, dass die Mannschaft die letzten Spiele, als der Aufstieg schon feststand, trotzdem ungeschlagen geblieben ist. Das ist eine herausragende Charaktereigenschaft. Alle anderen Aufsteiger in die Bundesliga, 2. Bundesliga oder 3. Liga haben in dieser Situation mindestens noch ein Spiel verloren, das war bei uns nicht der Fall.

bundesliga.de: Woran machen Sie denn diese Kontinuität und den Charakter fest?

Arnold: Ich glaube, dass wir es in den vergangenen drei Jahren geschafft haben, eine Mannschaft zusammenzustellen, die genau diese Qualitäten mitbringt. Natürlich muss auch das Sportliche mitgebracht werden, aber wir haben einen selbst noch jungen Trainer, der gut mit jungen Spielern umgehen kann und sie in den vergangenen drei Jahren weiterentwickelt hat. Dennoch haben wir immer darauf geachtet, dass die Spieler auch charakterlich zum Rest der Mannschaft passen und dass sie verstehen, welche Bedeutung der Fußball in Braunschweig und der Region hat und welche Möglichkeiten sich auftun, wenn die Mannschaft erfolgreich ist. Wir hatten in der vergangenen Saison 17.000 Zuschauer im Schnitt, wovon 11.000 Dauerkartenbesitzer sind. Das sind Zahlen, auf die so mancher Zweitligist neidisch ist.

bundesliga.de: Sie haben Trainer Torsten Lieberknecht gerade schon kurz erwähnt. Wie groß ist sein Verdienst am Aufstieg?

Arnold: Das in Zahlen auszudrücken, ist immer schwierig. Natürlich ist der Trainer eine ganz wichtige Figur in eigentlich jedem Verein. Da Torsten hier schon als Spieler tätig war, dann A-Jugend-Trainer und Jugend-Koordinator, ist er jemand, der Eintracht Braunschweig lebt, der die Bedürfnisse der Fans sehr gut beurteilen kann und die guten Rahmenbedingungen schätzt. Auch die Schwierigkeiten, die es in einem Traditionsverein geben kann, kennt er. Von daher ist er schon wichtig, aber wie das bei Erfolgen immer so ist, gibt es da genügend andere Bausteine, die auch eine Rolle spielen.

bundesliga.de: Wo liegen denn seine Qualitäten? Ist das hauptsächlich die enge Verbundenheit oder gibt es da noch weitere Stärken?

Arnold: Nein, das alleine wäre ein bisschen zu wenig. Torsten hat im vergangenen Jahr den Fußballlehrer-Lehrgang absolviert, so dass er fachlich ein sehr hohes Niveau hat. Weiterhin ist er ein junger Trainer, der sehr nah an seinen Spielern dran ist, ihre Bedürfnisse kennt und auch sehr frühzeitig gewisse Strömungen in der Mannschaft erkennt, eingreift und dann auch fähig ist, sie zu korrigieren.

bundesliga.de: Trotz der mannschaftlichen Geschlossenheit stachen drei Spieler heraus. Dominick Kumbela teilt sich mit Heidenheims Mayer die Torjägerkanone, Dennis Kruppke und Keeper Marjan Petkovic wurden vom DFB zur Wahl als "Spieler des Jahres" der 3. Liga nominiert. Sind diese drei dann doch die Säulen, die herausgeragt haben?

Arnold: Diese Fakten sprechen natürlich für die drei Spieler. Andererseits haben wir zum Beispiel auch einen Ken Reichel, der nur ein Spiel verpasst hat - das letzte, aufgrund seiner fünften Gelben Karte. Oder Karim Bellarabi, der den Sprung von uns zu einer deutschen Spitzenmannschaft geschafft hat und nach Leverkusen wechselt. Klar gibt es immer einige Leistungsträger, da gehören die gerade genannten Spieler mit zu. Doch es ist auch wichtig, dass man Spieler hinten dran hat, die in jedem Training Druck auf diese Jungs ausüben. Mathias Fesch zum Beispiel, den wir aus der Regionalliga geholt haben, den hier vorher niemand kannte und der 30 Spiele für uns gemacht hat. Viele davon zwar von der Bank, aber so ist doch immer ein bisschen Druck auf Kumbela gewesen, der dadurch kontinuierlich seine Leistung bringen musste. Das sind jetzt nur einige von vielen, aber so ist es dann doch meistens gewesen und eine solche Situation im Kader ist wichtig.

bundesliga.de: Wie sehen denn dann die Planungen für die neue Saison aus? Bislang steht Oliver Petersch von Rot-Weiß Oberhausen als Neuzugang fest. Sollen weitere Spieler kommen?

Arnold: Jan Zimmermann vom 1. FC Saarbrücken wird zu uns kommen. Dann haben wir noch die Zwillingsbrüder Gianluca und Raffael Korte vom Oberligisten TuS Mechtersheim verpflichtet. Das sind die Neuzugänge. Andererseits konnten wir, mit Ausnahme von Karim Bellarabi, alle Verträge verlängern. Das ermöglicht uns, die neue Saison mit einer sehr eingespielten Mannschaft anzugehen.

bundesliga.de: Davon abgesehen sind also keine weiteren großen Verstärkungen geplant?

Arnold: Nein. Diese vier sind durchaus als Verstärkung zu sehen, vor allem Petersch und Zimmermann. Die Korte-Zwillinge sind 20 Jahre alt. Da muss man sehen, wie schnell sie sich an die höheren Belastungen gewöhnen können. Aber wir sind zuversichtlich und haben großes Vertrauen in unseren aktuellen Kader.

bundesliga.de: Wie stehen Ihrer Meinung nach denn die Chancen auf den Klassenerhalt?

Arnold: Solche hypothetischen Fragen sind immer schwierig zu beantworten. In den letzten Jahren haben die Aufsteiger in der 2. Bundesliga immer eine sehr gute Rolle gespielt. Die Relegation wurde immer vom Drittligisten gewonnen, so dass ich den sportlichen Sprung von der 3. Liga in die 2. Bundesliga als nicht so groß erachte. Aber das sind alles Faktoren, die erst einmal unter Beweis gestellt werden müssen, wenn die Runde läuft. Die Auswärtsstadien werden größer, das Zuschauerinteresse wird steigen. Da werden wir sehen, wie unsere junge Truppe damit umgehen kann. Aber da all unsere Leistungsträger bei der Stange gehalten werden konnten, sind wir guter Dinge.

bundesliga.de: Mittelfristig werden Sie sicherlich bemüht sein, die Eintracht wieder in der 2. Bundesliga zu etablieren?

Arnold: Ja, der Aufstieg ist das eine, aber man will natürlich auch nach vorne schauen und versuchen, sich in der 2. Bundesliga zu etablieren.

bundesliga.de: Wie lautet Ihr Konzept, dies zu schaffen?

Arnold: Wir müssen den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. Wirtschaftlich muss der Verein weiterhin auf guten Beinen stehen. Das Fundament dafür ist gelegt. Was die sportliche Ausrichtung betrifft, werden wir auch zukünftig auf junge entwicklungsfähige Spieler setzen, die noch viel vor sich haben, sich einbringen wollen, verstehen, wo sie sich noch entwickeln können und das auch mit sich machen lassen. Und sie müssen auch Lust auf einen Traditionsverein und auf so eine fußballverrückte Stadt wie Braunschweig haben.

Das Gespräch führte Gregor Nentwig