Karlsruhe - Um kurz vor Mitternacht drangen fröhliche Klänge aus der Gästekabine des Wildparkstadions. "Oh, wie ist das schön", sangen die Spieler des SSV Regensburg, die fast zwei Stunden zuvor die Sensation perfektgemacht hatten. Nach einem 1:1 im Hinspiel und dem 2:2 im Auswärtsspiel des Relegationsduells mit dem Karlsruher SC stand am Montagabend fest, dass die Oberpfälzer in der nächsten Saison zum erlauchten Kreis der 2. Bundesliga zählen werden.

Die Badener hingegen müssen den schweren Gang in die 3. Liga antreten - ein Umstand, den einige Unbelehrbare als Vorwand dafür nutzten, sich in und außerhalb des Stadiongeländes stundenlange Scharmützel mit Ordnern und Polizisten zu liefern. Die Spieler und Offiziellen von Jahn Regensburg taten das Beste, was sie tun konnten: Sie ignorierten das Treiben draußen und genossen den Erfolg in vollen Zügen. Um kurz nach 1 Uhr morgens durfte der Mannschaftsbus dann endlich abfahren.

Lobeshymnen auf "Leidenschaft und Moral"



Schon unmittelbar nach dem Spiel war Michael Hofmann vor die Journalisten getreten. Der Keeper war einmal mehr ein sicherer Rückhalt seiner Mannschaft gewesen. Der Ex-Profi von 1860 München, der bereits jetzt "dem Duell mit meinem Ex-Verein entgegenfiebert", hatte einige Karlsruher Chancen zunichte gemacht und dabei vor allem bei hohen Bällen einen sicheren Eindruck hinterlassen.

"Wir freuen uns natürlich riesig", so der 39-Jährige, "jeder hat heute gesehen, welche Leidenschaft und Moral in dieser Mannschaft steckt". Auch die gelb-roten bzw. roten Karten, die Tim Erfen und Jim-Patrick Müller in der Schlussphase sahen, sprächen für das bedingungslose Engagement seiner Mannschaft, sagte Trainer Markus Weinzierl, der sein Team taktisch hervorragend eingestellt hatte.

Standards als Schlüssel zum Erfolg



Tatsächlich hatte der Jahn, der beim Hinspiel noch Glück gehabt hatte, mit großem Geschick "genau das gemacht, was sie können - das aber mit bewundernswerter Konsequenz", wie KSC-Coach Markus Kauczinski am Morgen danach in einem Pressegespräch richtigerweise feststellte. Ohne jeden Schnörkel und mit einer ziemlich massiven Defensivtaktik hatten sich die Mannen um Kapitän Tobias Schweinsteiger den Hausherren entgegengestemmt und dabei immer wieder gefährliche Konter gesetzt.

Vor allem bei Standardsituationen wurde es vor dem Karlsruher Tor gefährlich. Und das nicht nur, weil das Verteidigen ruhender Bälle die ausgemachte Schwäche des KSC ist: "Standards", verriet Weinzierl, "sind bei uns ein Trainingsschwerpunkt in jeder Woche." Und das macht sich offenbar bezahlt: Beide Regensburger Treffer - sowohl das 0:1 durch Oliver Hein (28.) als auch der 2:2-Endstand durch Andre Laurito (66.) - fielen auf diese Weise.

"Traum ist wahr geworden"



"Wir hatten das so in der Pause besprochen, dass ich die Ecke genau da hintrete und Andre das Ding mit dem Kopf reinmacht", erklärte Selcuk Alibaz das Regensburger Erfolgsrezept. Man habe, so Weinzierl, schließlich gewusst, dass "wir nur den zweiten Treffer erzielen müssen und dann kann der KSC machen, was er will".

"Ein Traum ist wahr geworden", freute sich auch Sportdirektor Franz Gerber. "Das ist einfach nur geil. Jetzt sind wir in der 2. Bundesliga. Und das ist umso beachtlicher, wenn man bedenkt, wo wir vor zwei, drei Jahren standen." 2007 spielte der Jahn noch in der fünftklassigen Bayernliga, in der kommenden Spielzeit gegen den 1. FC Köln und 1. FC Kaiserslautern. Und das verdientermaßen.

Aus Karlsruhe berichtet Christoph Ruf