Es war nicht gerade eine ruhige Saison, die hinter dem SC Paderborn 07 liegt. Nach einer sportlich hervorragenden Hinrunde, die mit der Herbstmeisterschaft in der 3. Liga endete, erlebten Fans und Verein einen unruhigen Frühling 2009.

Zuerst musste der sportliche Leiter Christian Schreier Anfang April gehen, es folgte der Rücktritt von Präsident Wilfried Finke und die Entlassung von Trainer Pavel Dotchev zwei Spieltage vor Ende der Meisterschaft.

"Das waren schon wechselhafte Tage und Wochen für unsere Fans. Nach der bombastischen Hinrunde hatten alle schon die 2. Bundesliga in den Köpfen. Deshalb wurden einige Fans natürlich unzufrieden und missmutig, als wir plötzlich kurz vor Schluss auf Platz vier standen", sagt Paderborns Fanbetreuer Benjamin Dißen.

Gemeinsame Aussprache fruchtet

Gemeinsam legten Fans und Verein den Grundstein zur Wende. Ein Treffen von etwa 80 Fanclub-Vertretern, Vereins-Vorstand und dem neuen Trainer Andre Schubert führte zur großen Aussprache und endete mit einem Schulterschluss. Und der Erklärung, dass alle alles für den Aufstieg geben werden.

Zwei Siege sicherten dem SCP schließlich den dritten Platz und die Eintrittskarte für zwei Relegationsspiele gegen den VfL Osnabrück. "Das ist wirklich etwas ganz Besonderes, die Spannung steigt fast ins Unerträgliche. So was wünscht man sich eigentlich nicht", meint Dißen.

"So noch nie bei uns erlebt"

In den 180 Relegationsminuten seien die Paderborner Fans laut Dißen aber zur Bestform aufgelaufen: "So habe ich das bei uns noch nie erlebt. Unsere Fans standen von der ersten bis zur letzten Minute wie ein Mann hinter der Mannschaft, alle haben an einem Strang gezogen. Wir haben mit der gestandenen Fanszene des VfL Osnabrück teilweise mehr als mitgehalten."

Den Aufstieg in die 2. Bundesliga – den zweiten nach 2005 – feierten tausende blau-schwarze Fans auf dem Paderborner Rathausplatz bis zum frühen Morgen. Und es werden immer mehr, die den SC Paderborn unterstützen. So stieg der Zuschauerschnitt in dieser Saison in der neuen paragon arena auf knapp unter 8000, in der vorherigen Saison in der 2. Bundesliga waren es im Hermann-Löns-Stadion gut 6000.

Fanszene wächst - Vorfreude auf Bielefeld

"Wir haben seit 2005 einen kontinuierlichen Zuwachs in der Fanszene. Aus ehemals zehn Fanclubs sind inzwischen über vierzig geworden, das Einzugsgebiet wird größer", freut sich der Fanbeauftragte.

Dass die paragon arena in der kommenden Saison mehrmals mit 15.000 Zuschauern auskauft sein wird, daran dürften angesichts der attraktiven Gegner keine Zweifel bestehen. Durch den Bundesliga-Abstieg von Arminia Bielefeld kommt der SC Paderborn sogar unverhofft zu zwei richtigen Ostwestfalen-Derbys.

Benjamin Dißen: "Wer hätte das gedacht, dass wir im nächsten Jahr zusammen mit Bielefeld in einer Liga spielen. Die Rivalität ist zwar nicht mehr so groß, weil wir lange nicht gemeinsam in einer Liga gespielt haben. Aber die Städte liegen nur rund 50 Kilometer auseinander, da wird die Bude zwei Mal rappelvoll."

Stefan Kusche