Dresden - Nach dem überwältigenden Erfolg der "Geisterticket"-Aktion haben sich die Verantwortlichen der SG Dynamo Dresden entschlossen, einen Teil der Einnahmen für Projekte der Fanarbeit und Gewaltprävention zu verwenden. Die Sportgemeinschaft hatte dank 34.638 verkaufter "Geistertickets", die NICHT zum Besuch des "Geisterspiels" gegen Ingolstadt berechtigten, einen Reinerlös von knapp 200.000 Euro erzielt.

Viele Käufer werteten ihr Engagement nicht nur als finanzielle Unterstützung und Solidarisierung mit ihrem vom Urteil hart getroffenen Verein, sondern bekundeten ausdrücklich auch ihre Abgrenzung von jenen Gewalttätern, die für das DFB-Urteil verantwortlich waren und dem Verein immer wieder schwer schaden.

"Das Übel der Gewalt in deutschen Stadien an der Wurzel bekämpfen"



Dynamo Dresden wird auch deshalb 30.000 Euro aus dem Erlös an Initiativen abgeben, die entweder die friedliche und kreative Fankultur in Dresden stärken oder ihren gesellschaftlichen Beitrag zur Bekämpfung der Ursachen leisten, die den Gewalt-Problemen im Fußball zugrunde liegen.

Dynamo-Präsident Andreas Ritter freut sich sehr über diese weitere erfreuliche Folge der viel beachteten "Geisterticket"-Aktion: "Wir haben immer betont, wie sehr uns das Engagement und die Unterstützung durch unsere Fans und ihre ‚Geisterticket -Aktion berührt haben. Gleichzeitig werden wir nicht müde zu betonen, dass das Übel der Gewalt in deutschen Stadien an der Wurzel bekämpft werden muss. Es ist deshalb eine Herzensangelegenheit für uns alle im Verein, mit diesem ‚Geist" ein wichtiges Signal zu setzen und einen weiteren Beitrag dafür zu leisten. Zugleich werden wir immer darauf achten, dass die große Mehrheit unserer friedlichen Fans nicht unter einigen Unverbesserlichen leidet. Darum werden wir mit zwei wichtigen Investitionen die Bedeutung der Fanarbeit für unseren Verein unterstreichen und die Fankultur in Dresden weiter stärken."

Dynamo drittelt den Betrag in je 10.000 Euro für folgende Aktionen:

Unterstützung der Zaunfahnenkultur im Stadion



Die Verantwortlichen der SG Dynamo Dresden sind sich der Bedeutung der Zaunfahnenkultur für die Dresdner Fanszene bewusst. Da es hier in den letzten Wochen zu Irritationen gekommen ist, möchte der Verein einen entscheidenden Beitrag leisten, um eine schnelle und für alle Seiten einvernehmliche Lösung zu finden. Der Verein unterstützt die Gespräche und die Bemühungen, die in den letzten Wochen angeschoben wurden, finanziell und organisatorisch. Für etwaige technische Installationen für die zukünftige Präsentation der Zaunfahnen können alle Beteiligten einen Beitrag des Vereins in Höhe von ggf. bis zu 10.000 Euro einplanen.

Neuanschaffung eines "Fancontainers"



Schon seit längerer Zeit herrscht zwischen Fanvertretern und der SG Dynamo Dresden Konsens darüber, dass für die marode Fanhütte am K-Block ein Ersatz her muss. Neben dem baulichen Zustand der Holzhütte sind auch die räumlichen Gegebenheiten dem Bedarf nicht mehr angemessen. Spätestens nach der zu Saisonbeginn stattgefundenen Restrukturierung der Fanbetreuung für Heimspiele hat sich die Hütte zum wichtigen Anlaufpunkt für die Dynamo-Fans, aber auch zur unerlässlichen Arbeitsgrundlage der ehrenamtlichen Fanbetreuer im Stadion entwickelt. Wurden früher lediglich Tickets und Fanbusplätze von der Hütte aus an den Fan gebracht, hat sich der Anspruch an einen Fan-Anlaufpunkt inzwischen deutlich erhöht. Neben den erhältlichen Auswärtsdauerkarten, "Kreiseln" und Fanbustickets steht die Fanbetreuung nebst der Fanhütte seit der aktuellen Saison auch anderen Fanclubs und Organisationen offen, um Informationen zu verbreiten oder Präsentationsmittel anzubieten.

Neben der "Nachspielzeit", dem Magazin der Fangemeinschaft, sind beispielweise die "Love Dynamo – Hate Racism"-Shirts der Faninitiative 1953international immer wieder gefragt. Um die Fanarbeit innerhalb des Vereins und die Fanbetreuung am Spieltag weiter zu intensivieren, wird die SG Dynamo Dresden mit Hilfe der zweiten 10.000 Euro einen modernen Verkaufscontainer erwerben, der dem gestiegenen Bedarf gerecht werden soll. Weiterhin erhofft sich die SG Dynamo Dresden von der infrastrukturellen Verbesserung auch einen Anreiz für andere Fans, das Team der Fanbetreuer zu unterstützen und selbst aktiv zu werden.

Preis für Engagement gegen Gewalt und Ausgrenzung



Die SG Dynamo Dresden lobt einen jährlichen Preis für Engagement gegen Gewalt und Ausgrenzung sowie für Toleranz und Menschlichkeit aus. Dazu bittet der Verein eingetragene Projekte, Initiativen und Vereine aus dem Dresdner Umland (ehemaliger Regierungsbezirk Dresden), die sich diesen Themen widmen, ihre Konzepte und Referenzen ihrer Arbeit vorzustellen. Einzureichen sind die aussagekräftigen Bewerbungen bitte bis zum 12. April 2012, dem 59. Geburtstag der Sportgemeinschaft, per Post (SG Dynamo Dresden e.V., Lennestr. 12, 01069 Dresden) oder an fanbeauftragter@dynamo-dresden.de.

Der Preisträger wird von einer Jury aus Vertretern der SG Dynamo Dresden, des Dresdner Fanprojektes und der antirassistischen Faninitiative "1953international" gekürt. Das Sieger-Projekt erhält nicht nur eine finanzielle Unterstützung von einmalig 5.000 Euro – die SGD stellt sich dem Projekt auch für ein Jahr als Partner zur Verfügung, um die oft ehrenamtliche Arbeit inhaltlich zu unterstützen und die öffentliche Wahrnehmung zu erhöhen.

Anschubfinanzierung von 5000 Euro



Einmalig wird in diesem Jahr zudem ein zweites Projekt mit einer Anschubfinanzierung von 5000 Euro unterstützt. Damit soll es engagierten Menschen oder Gruppen ermöglicht werden, kreative und sinnvolle Ideen im Bereich der Jugend- und Präventionsarbeit in die Tat umzusetzen und/oder neue Initiativen ins Leben zu rufen. Auch hier ist der Bewerbungsschluss der 12. April 2012 und die Kontaktadresse fanbeauftragter@dynamo-dresden.de.

(Quelle und Foto: SG Dynamo Dresden)