In New York war es noch zu früh für eine Zigarre. Ansonsten hätte sich Henry Kissinger, ehemaliger US-Außenminister, Friedensnobelpreisträger und berühmtester Fan der SpVgg Greuther Fürth, am vergangenen Sonntag um 9:45 Uhr Ortszeit auf der anderen Seite des Atlantiks wohl genüsslich eine Cohiba oder eine Montecristo No. 4 genehmigt.

Schließlich hatte der Verein aus seinem Geburtsort Fürth am 19. Spieltag gerade mit 3:0 beim heimstarken FC St. Pauli triumphiert und damit den vierten "Dreier" in Folge gefeiert.

Ein Punkt hinter dem Tabellenführer

Mit 35 Punkten rangiert das "Kleeblatt" aus Franken vor dem Heimspiel gegen den FSV Frankfurt (Freitag, ab 17:45 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio) weiterhin auf Platz 2, mit nur einem Zähler Rückstand auf den Spitzenreiter aus Freiburg und guten Aussichten auf den Sprung ins Oberhaus. Mit ihrer offensiven Spielweise stürmte die Spielvereinigung unter dem alten, neuen Trainer Benno Möhlmann in die Aufstiegsränge.

Wo liegen die Gründe für die abermalige Erfolgsstory des dienstältesten Zweitligisten, der auch vor dieser Saison in gewohnter Manier Leistungsträger wie Martin Lanig (VfB Stuttgart), Timo Achenbach (Alemannia Aachen), Daniel Adlung (VfL Wolfsburg) oder Juri Judt (1. FC Nürnberg) ziehen lassen musste? "Bei mir gibt es keine Stammplätze" - das Credo von Trainer Möhlmann, der bereits zum dritten Mal das Zepter in Fürth übernahm, kann nicht die alleinige Erklärung sein.

Torfabrik aus dem Frankenland

Die Franken stellen den gefährlichsten Angriff der Liga: Sami Allagui führt mit 13 Treffern die Torjägerliste an, Sturmpartner Stefan Reisinger steht ihm mit zehn Buden nur wenig nach und befindet sich mit zwei "Doppelpacks" und zwei Torvorlagen aus den beiden vergangenen Partien in absoluter Topform.

Doch nicht nur das Sturmduo ist für Tore gut. Die Mittelfeldraute der "Weiß-Grünen" gehört zu den besten und erfolgreichsten der 2. Bundesliga. Die Flügelzange mit Charles Takyi auf rechts und Ivo Ilicevic auf links sowie dem defensiv zentral spielenden Thorsten Burkhardt und dem offensiv in der Mitte wirbelnden Leo Haas produzierte bereits 16 Assists und zwölf Treffer. 45 Tore sind Liga-Bestwert, außerdem trafen die "Weiß-Grünen" zusätzlich noch zwölf Mal Pfosten oder Latte.

"Greuther Fürth legt eine erfrischende, sehr offensive Spielweise an den Tag und schießt viele Tore. Es gibt für mich keinen klaren Favoriten in der 2. Bundesliga, also der Aufstieg für die Spielvereinigung ist drin, absolut", sagt Armin Veh, Stuttgarts Meistercoach von 2007, der von Juli 1996 bis Oktober 1997 selbst den Verein trainierte.

Geschichte soll sich nicht wiederholen

Den Aufstieg vor Augen und dann knapp vor der Ziellinie scheitern - ein bekanntes Szenario im Playmobil-Stadion am Fürther Laubenweg. Sechs Mal belegte die Spielvereinigung in ihrer elfjährigen Zweitligazugehörigkeit nach dem 34. Spieltag den 5. Platz - dabei fehlten nie mehr als sechs Punkte zur großen Überraschung.

Zu jung, zu unerfahren, nicht kaltschnäuzig genug präsentierte sich das "Kleeblatt" in der Vergangenheit im Saisonendspurt. Damit sich Geschichte nicht erneut wiederholt, zogen die Verantwortlichen mit Christian Rahn (Hansa Rostock) und Alexander Voigt (Borussia Mönchengladbach) pure Erfahrung an Land.

Rahn und Voigt bringen Aufstiegserfahrung mit

"Wir wollten erfahrene Spieler, die die 2. Bundesliga kennen. Alexander Voigt und Christian Rahn werden uns weiterbringen und mit ihrer Nervenstärke, Zweikampfhärte und ihren Führungsqualitäten unserer jungen Mannschaft helfen können, sich weiterzuentwickeln", begründet SpVgg-Präsident Helmut Hack die Verpflichtung der beiden Routiniers, die bereits je drei Mal von der 2. Bundesliga in die Bundesliga aufstiegen.

Während Voigt bislang noch nicht zum Einsatz kam, führte sich besonders Rahn mit drei Torvorlagen gegen Ingolstadt und zwei Spielen über die kompletten 90 Minuten gleich blendend ein.

Gegen Aufsteiger Frankfurt soll nun - auch ohne die verletzten Ilicevic (Innenbanddehnung im Knie) und Takyi (Oberschenkelzerrung), aber dafür voraussichtlich mit Voigt - der fünfte Sieg in Serie eingefahren werden. Und für Henry Kissinger wäre 13:45 Uhr in New York dieses Mal auch eine angemessene Zeit für eine gepflegte Zigarre.

Denis Huber