Düsseldorf - Dieses eine Trikot hätte er wirklich noch gerne in seiner großen Sammlung: das hellblaue Langarmtrikot aus Baumwolle mit dem rot-weißen Fortuna Logo, das eine Auswahl von Düsseldorfer und Gladbacher Profis um Günter Netzer im Dezember 1972 in einem Freundschaftsspiel gegen Ajax Amsterdam trug.

"Dieses Spiel fand anlässlich des Umbaus des Düsseldorfer Rheinstadions im Hinblick auf die WM 74 statt. Das Trikot wurde wohl nur zu diesem einen Anlass getragen. Ich habe bis heute alles versucht, noch eins davon aufzutreiben, aber es ist anscheinend keins mehr da", bedauert Oliver Vorderstemann.

"Eine Art Nachschlagewerk"

Der 47-Jährige ist zum einen Fan von Fortuna Düsseldorf und zum anderen leidenschaftlicher Sammler von Trikots des Traditionsclubs aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. Als sich etwa 60 F95-Trikots verschiedenster Spielzeiten in seinem Schrank stapelten, überlegte sich Vorderstemann, seine Sammlung online zu präsentieren.

"Im Februar 2011 habe ich meine Seite Kulttrikot.de freigeschaltet. Ich wollte die Trikots aber nicht nur wahllos aneinanderreihen, sondern auch die lange Geschichte der Fortuna-Trikots lückenlos von Spielzeit zu Spielzeit dokumentieren. Als eine Art Nachschlagewerk. Das geht natürlich nur mit Hilfe von Fotos alter Trikots, denn die meisten existieren ja nicht mehr."

Erstes F95-Wappen Mitte der 1920er Jahre auf den Trikots

Und so kann sich der traditionsbewusste Fortuna-Fan durch die Epochen der Düsseldorfer Fußballgeschichte klicken und viel Wissenswertes aufsaugen. Das erste F95-Wappen wurde Mitte der 1920er Jahre auf die Trikots der Spieler genäht, die Deutsche-Meister-Elf von 1933 lief in weißen Trikots und roten Hosen auf. Statt des Vereinswappens trugen die Meisterspieler dabei das Abzeichen des Westdeutschen Spielverbandes W.S.V. - sozusagen das erste Liga-Logo.

Absolut lesenswert sind auch die Rubriken "F95 und Die Toten Hosen" sowie "Legende und Mythos". Nicht jedem (jüngeren) Fortuna-Fan dürfte so genau bekannt sein, wie sich die aus Düsseldorf und Umgebung stammenden "Hosen" nicht nur finanziell für ihren Lieblingsclub eingesetzt haben. Die Trikots mit dem unverkennbaren Totenkopf der Band auf der Brust sind jedenfalls Kult.

FC Bayern geht 1:7 in Düsseldorf unter

Ende der 1970er Jahre gehörte die Fortuna zu den sportlich besten Adressen der Bundesliga. Bayerns Torwart-Legende Sepp Maier könnte das sicher bestätigen: Am 9. Dezember 1978 ging sein FC Bayern mit 1:7 im Rheinstadion unter. In welchem Trikot der Doppeltorschütze Emanuel Günther zur bis heute höchsten Auswärtsniederlage der Bayern beigetragen hat, zeigt das abgebildete Retro-Langarmtrikot in Rot mit weißem Kragen und weißen Armstreifen unter "Legende und Mythos".

Das älteste "Matchworn"-Spielertrikot seiner Sammlung stammt laut Vorbesitzer aus einem Trikottausch mit Fortuna-Profi Dieter Brei nach einem Freundschaftsspiel gegen Carl Zeiss Jena am 22. August 1978. Welcher Spieler des damaligen DDR-Oberligaclubs das Trikot getauscht hat, ist aber nicht bekannt. "Es ist grundsätzlich ziemlich schwer, die Geschichte zu Spielertrikots herauszubekommen, denn meist bekommt man die Trikots nicht aus 1. Hand", so Vorderstemann.

Alle Trikots mal im Fortuna-Düsseldorf-Museum?

Seine Sammelleidenschaft will der Düsseldorfer weiter fortsetzen - "aus Spaß an der Freude und ohne kommerziellen Hintergedanken." Heute besitzt er knapp 80 Trikots, die er sich auch gut mal in einer Vitrine vorstellen könnte. Am liebsten in einem Fortuna-Düsseldorf-Museum und ergänzt durch ein blaues Langarmtrikot von 1972.

Stefan Kusche