Düsseldorf - Fortuna Düsseldorf ist auf dem besten Weg, nach fünf Jahren Abstinenz in die Bundesliga zurückzukehren. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der erfolgreichste Torschütze der Fortunen, Rouwen Hennings, über die Entwicklung der Mannschaft im Laufe der vergangenen achte Monate, über die Rahmenbedingungen des Klubs und über seine Zeit beim FC Burnley in der englischen Championship.

bundesliga.de: Herr Hennings, neun Punkte Vorsprung auf Rang drei und gar 13 auf Rang vier. Kann sich Fortuna den Aufstieg höchstens noch selbst vermasseln?

Rouwen Hennings: Auf jeden Fall ist es sehr gut, dass wir dieses Punkte-Polster haben. Wir haben uns das hart erarbeitet. Aber wir wissen auch, dass es in dieser Liga schwer ist, einen solchen Vorsprung zu verteidigen. Die Liga ist sehr ausgeglichen, und oft geben Kleinigkeiten den Ausschlag über Sieg oder Niederlage. Da kann es passieren, dass man selbst einen solchen Vorsprung verspielt, wenn man nicht hochkonzentriert bleibt. Immer wenn uns das gelungen ist, waren wir aber kaum zu schlagen und haben die meisten dieser Spiele sogar gewonnen.

bundesliga.de: Nach der vergangenen Saison mit fast 30 Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze dürfte ein Aufstieg in dieser Saison zunächst gar kein Thema gewesen sein...

Hennings: Es stimmt, dass der Aufstieg zunächst nicht das Ziel war. Vorgabe in der vergangenen Saison war es, mit den Abstiegsrängen möglichst überhaupt nichts zu tun zu haben. Das war und ist auch in dieser Saison schwer genug, weil zwischen Platz fünf und Platz sechzehn gerade einmal fünf Punkte liegen und damit gefühlt fast die gesamte Liga im Abstiegskampf steckt. Vor dieser Saison wollten wir ins obere Tabellendrittel und dort stehen wir nun auch.

"Wir haben jetzt bei Ballbesitz eine hohe Qualität"

bundesliga.de: Seit wann befasst man sich nun aber doch mit dem Aufstieg?

Hennings: Wir haben schon im Laufe der Hinrunde ein Gefühl dafür entwickelt, dass wir eine gute Mannschaft beisammen haben, die guten, attraktiven Fußball spielen kann.

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bundesliga.de: Was ist es im Einzelnen, dass der Mannschaft besser gelingt als in der vergangenen Saison?

Hennings: Unser Kader war damals in der Breite nicht so stark besetzt. Wir konnten im Spiel oft nicht angemessen reagieren, wie es vielleicht nötig gewesen wäre, weil uns schlichtweg die kreativen Spielertypen gefehlt haben. Deshalb wurde es schließlich auch enger, als wir alle uns das eigentlich erhofft hatten. Jetzt aber haben wir diese Spieler, sind flexibler und damit für den Gegner schwieriger auszurechnen.

Rouwen Hennings trifft auch gerne vom Elfmeterpunkt
Rouwen Hennings trifft auch gerne vom Elfmeterpunkt © imago / Nordphoto

bundesliga.de: Die Mannschaft macht gerade auch bei eigenem Ballbesitz eine gute Figur...

Hennings: Das sehe ich auch so. Wir haben jetzt bei Ballbesitz eine hohe Qualität. Wir sind sehr ballsicher, können uns auch gegen tief stehende Gegner Chancen herausspielen und bleiben auch in Situationen ruhig, in denen wir selbst einmal unter Druck geraten. Das resultiert daraus, dass wir einerseits über Spieler verfügen, die stark im Eins-gegen-Eins sind und ein hohes Tempo gehen können, und andererseits in der Zentrale kreative Spieler haben, die es verstehen, ihre Mitspieler gut in Szene zu setzen.

bundesliga.de: ...allerdings hat Fortuna auch mehr Gegentreffer bekommen, als man es bei einem Tabellenführer vermuten würde.

Hennings: Ich sehe das nicht zuletzt als eine Folge der sehr ausgeglichenen Liga. Dennoch haben wir über einen Großteil der Saison sehr sicher gestanden und nur wenige Treffer kassiert. Gemeinsam mit Sandhausen hatten wir über einen längeren Zeitraum sogar die beste Abwehr der Liga. Dann aber kamen auch Spiele, in denen wir zu einfache und zu viele Tore bekommen haben. Das hat uns den zuvor guten Schnitt ein wenig verdorben. Trotzdem sehe ich uns als eine Mannschaft, die gut verteidigt und recht kompakt steht, so dass wir meist eine gute Balance finden zwischen Defensive und Offensive.

"Ich habe mich auf Anhieb in Düsseldorf und bei Fortuna wohl gefühlt"

bundesliga.de: Zwischen dem 22. und 24. Spieltag gab es eine kleine Schwächephase mit nur einem Punkt. Wie ist es in dieser Situation gelungen, nicht nervös zu werden und die Ruhe zu bewahren?

Hennings: Wir haben die Spiele knallhart analysiert und haben erkannt, dass wir es dem Gegner zu leicht machen zu Chancen und damit auch zu Toren zu kommen. Das hat uns noch einmal vor Augen geführt, dass man in dieser Liga nicht punkten wird, wenn man das eigene Leistungsvermögen nicht zu hundert Prozent abruft. In den vergangenen Wochen ist uns das aber wieder sehr gut gelungen.

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bundesliga.de: Sie haben in den vergangenen zwei Jahren nicht nur die Entwicklung der Mannschaft, sondern auch die des Vereins per se beobachten können. Ist die Fortuna auch über das Fußballerische hinaus bundesligareif?

Hennings: Ich denke schon. Die Grundvoraussetzungen sind in einer Stadt wie Düsseldorf mit unserem Stadion und der vorhandenen Infrastruktur hervorragend und auf jeden Fall bundesligatauglich.

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bundesliga.de: Einen Bundesliga-Aufstieg haben Sie bereits 2010 mit dem FC St. Pauli erlebt. Könnte Fortuna mithalten in Sachen Aufstiegseuphorie?

Hennings: Das wird sich zeigen. St. Pauli bleibt eine unvergessliche Geschichte. 100.000 Menschen waren damals auf der Reeperbahn, und ich würde mich sehr freuen, wenn ich Ähnliches noch einmal erleben dürfte.

bundesliga.de: Sie selbst haben Ihre Erstliga-Tauglichkeit längst nachgewiesen, sind Fortunas erfolgreichster Torschütze und haben bereits jetzt einmal mehr getroffen als in der gesamten Vorsaison...

Hennings: Ich habe mich auf Anhieb in Düsseldorf und bei Fortuna wohl gefühlt. Man hat sich sehr um mich bemüht, und ich wollte unbedingt hierher. Für mich war auch immer klar, dass ich mich vom FC Burnley nur an einen Verein ausleihen lassen würde, von dem ich mir vorstellen konnte, auch langfristig zu bleiben. Und so ist es ja zum Glück auch gekommen.

"Rückblickend war meine Entscheidung für Fortuna ganz sicher die richtige"

bundesliga.de: Mit Burnley sind Sie 2016 in die Premier League aufgestiegen. Dann aber wurde Ihnen mitgeteilt, dass man nicht mehr mit Ihnen plant. Wie groß war die Enttäuschung?

Hennings: Ich habe mir damals natürlich erhofft, die Erfahrung in der Premier League zu spielen, machen zu können. In der Vorbereitung auf die Saison 2016/17 hat sich allerdings bereits angedeutet, dass es wohl schwer werden würde für mich. Ich bin aber mit meinen 30 Jahren in einem guten Alter, fühle mich fit und möchte Fußball spielen, statt nur zuzuschauen. Und statt vielleicht irgendwann einmal einen, vielleicht zwei kurze Einsätze in der Premier League zu bekommen, bin ich lieber dorthin gegangen, wo ich recht sicher sein konnte, dass ich spiele. Und rückblickend war meine Entscheidung für Fortuna ganz sicher die richtige.

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bundesliga.de: Wie bewerten Sie die Championship, die zweite englische Liga, in der 46 Spiele zu absolvieren sind, im Vergleich zur 2. Bundesliga?

Hennings: Der Fußball, der in der Championship gespielt wird, ist sicherlich ein anderer als der in der 2. Bundesliga. In England wird noch physischer gespielt, es geht schneller hin und her und rauf und runter, und es werden viele lange Bälle geschlagen. Daran musste ich mich erst gewöhnen.

Rouwen Hennings zeigt auf dem Feld immer großen Einsatz
Rouwen Hennings zeigt auf dem Feld immer großen Einsatz © imago / Zink

bundesliga.de: Welche Liga ist fußballerisch stärker?

Hennings: Vom Leistungsvermögen ist die Championship wohl noch etwas stärker als die 2. Bundesliga. Das ist aber nur logisch. Schließlich spielen in der Championship eine ganze Reihe von Vereinen, die über Jahre hinweg Premier League-Erfahrung sammeln konnten, deshalb ganz andere Gehälter zahlen und so auch den einen oder anderen Spieler holen können, der für die Zweitligisten in Deutschland nicht finanzierbar wäre. Nichtsdestotrotz halte ich auch unsere 2. Bundesliga für sehr attraktiv, nicht zuletzt wegen ihrer großen Ausgeglichenheit und der daraus resultierenden hohen Spannung.

Das Gespräch führte Andreas Kötter