Düsseldorf - Er hat großen Anteil am Aufstieg von Fortuna Düsseldorf. Zehn Treffer hat Benito Raman beigesteuert und ist damit nach Rouwen Hennings der zweitbeste Torschütze der Fortunen. Vor dem Saison-Finale in Nürnberg spricht der Belgier über die Gründe für den Aufstieg und seinen ganz persönlichen Traum von der Bundesliga, über die Stärke der Zweiten Bundesliga und über Belgiens WM-Chancen.

bundesliga.de: Herr Raman, wann wurde Ihnen bewusst, dass diese Saison eine ganz besondere werden könnte für Fortuna Düsseldorf?

Benito Raman: Dieses Gefühl hatte ich genau genommen schon vor dieser Saison, zumindest, was mich persönlich betrifft. Denn Fortuna ist für mich ein ganz wichtiger Schritt in meiner Karriere. Aber selbstverständlich konnte ich damals noch nicht ahnen, dass es für uns alle so gut laufen würde. Nach der Vorsaison war damit nicht unbedingt zu rechnen. Aber um auf Ihre eigentliche Frage zurückzukommen: Vor dem Spiel in Darmstadt (0:1; d. Red.) war ich sicher, dass wir mit ein, zwei weiteren Siegen den Aufstieg schaffen, wenn wir nur zunächst dort erfolgreich sein würden. Wie man weiß, hat es dann aber doch etwas länger gedauert. Wir haben in Darmstadt und auch die beiden folgenden Partien verloren. Aber wir sind ruhig geblieben. Und etwas später, mit dem Sieg in Dresden, haben wir es geschafft.

"Dieser Mann weiß, wie es geht, und wie man aus einerseits sehr talentierten, aber noch unerfahrenen, andererseits aber älteren, erfahrenen Spielern ein funktionierendes Team formt." Benito Raman über Friedhelm Funkel

bundesliga.de: Worin sehen Sie die Gründe für diesen großen Erfolg?

Raman: Ich war vom ersten Tag an überzeugt, dass wir eine gute Mannschaft haben, die Spiele gerade mit fußballerischen Mitteln für sich entscheiden kann. Eine ganz besondere Rolle kommt aber auch dem Trainer zu. Ich kannte Friedhelm Funkel vorher zwar nicht und hatte auch noch nichts über ihn gehört. Das erste, was man mir dann erzählt hat, war, dass er bereits fünfmal in die Bundesliga aufgestiegen ist. Da wusste ich: Dieser Mann weiß, wie es geht, und wie man aus einerseits sehr talentierten, aber noch unerfahrenen, andererseits aber älteren, erfahrenen Spielern ein funktionierendes Team formt. Und das ist der Schlüssel zu unserer Saison.

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bundesliga.de: Ein Erfolgsfaktor war auch Ihre Leistung. Mit bisher zehn Toren sind Sie Fortunas zweitbester Torschütze...

Raman: Ich habe tatsächlich mehr Tore geschossen, als ich anfangs selbst zu hoffen gewagt hätte. Wahrscheinlich hat mir das auch kein anderer zugetraut. (lacht)

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bundesliga.de: War diese Saison also die bisher beste Ihrer Karriere?

Raman: Ich denke schon. Ich hatte zwar auch früher, bei meinen Klubs in Belgien, bereits immer wieder gute Phasen. Aber ich habe viel zu oft zu viele Chancen benötigt, um ein Tor zu erzielen. In dieser Saison war das anders. Und je besser es für mich persönlich lief, desto besser lief es auch für das Team. So wächst das Selbstvertrauen von Woche zu Woche.

bundesliga.de: Ein kleiner Wermutstropfen ist die am vorletzten Spieltag an den 1. FC Nürnberg verlorene Tabellenführung. Hat sich zuletzt gerade bei Spielern, wie Ihnen, für die die Zweite Liga neu ist, der Kräfteverschleiß bemerkbar gemacht?

Raman: Vielleicht. Vor allem aber ist diese Liga ist sehr ausgeglichen. Hier kann jeder jeden schlagen. Fünf, sechs Punkte Vorsprung spielen da keine allzu große Rolle. Und noch vor zwei, drei Wochen waren sogar der Tabellenfünfte oder –Sechste noch in Abstiegsgefahr.

"Ganz ehrlich, rein rational ist mir zwar bewusst, dass ich bald in der Bundesliga spielen werde, wirklich realisiert habe ich aber noch nicht, was da mit mir geschehen ist" Benito Raman

bundesliga.de: Nur mit einem Sieg in Nürnberg kann Fortuna noch Meister werden....

Raman: Ich denke, dass es – nachdem der Aufstieg für beide Teams feststeht – einerseits keine ganz so große Rolle mehr spielt, ob wir nun Zweiter bleiben oder doch noch Erster werden. Andererseits möchten wir uns selbstverständlich bei unseren Fans bedanken, die uns auch auswärts die ganze Saison über hervorragend unterstützt haben und dies auch in Nürnberg gewiss tun werden. Diese Meisterschaft wäre dafür ein verdientes Dankeschön. Und schon deshalb werden wir die Aufgabe seriös angehen und alles daransetzen, dort zu gewinnen. Als Zweiter aufzusteigen ist nun wirklich alles andere als ein Worst Case-Szenario.

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bundesliga.de: Werfen Sie einmal einen Blick voraus: Was fühlen Sie bei dem Gedanken, in ein paar Monaten in der Bundesliga zu spielen?

Raman: Ganz ehrlich, rein rational ist mir zwar bewusst, dass ich bald in der Bundesliga spielen werde, wirklich realisiert habe ich aber noch nicht, was da mit mir geschehen ist. Wahrscheinlich werde ich erst richtig begreifen, dass mein größter Traum wahr geworden ist, wenn ich im Spätsommer oder im Herbst in der Allianz Arena, in der Veltins-Arena oder im Signal Iduna Park auf dem Rasen stehen werde. Das war mein Traum, als ich als Kind mit dem Fußball begonnen habe – einmal in einer der besten Ligen der Welt zu spielen, um mich dort mit den Top-Spielern messen zu dürfen. Und jetzt habe ich das geschafft. Irgendwie ist das noch immer unbegreiflich.

Vor dem Tor brandgefährlich: Benito Raman trifft gegen Holstein Kiel
Vor dem Tor brandgefährlich: Benito Raman trifft gegen Holstein Kiel © imago / Nordphoto

bundesliga.de: Wenn Sie einmal die 2. Bundesliga mit der ersten belgischen Liga, der Jupiler League, vergleichen, wie fällt dieser Vergleich aus?

Raman: Ich denke, dass die Top-Teams der Jupiler League in der 2. Bundesliga auf jeden Fall um den Aufstieg mitspielen würden. Aber es würde eine große Umstellung bedeuten. In der 2. Bundesliga wird um jeden Ball hart gefightet, jeder rennt sich die Seele aus dem Leib und es bleibt kaum Zeit, um einmal durchzuatmen. Das sind selbst die belgischen Top-Mannschaften nicht gewöhnt. Dafür aber spielen sie immer einen technisch sehr guten Fußball.

bundesliga.de: Obwohl Belgien ein vergleichsweise kleines Land ist, bringt es selbst immer wieder hervorragende Spieler hervor, die sich auch in den Top-Ligen durchsetzen, wie zum Beispiel Eden Hazard in der Premier League oder sein Bruder Thorgan in der Bundesliga...

Raman: Mit Thorgan und auch mit Divock Origi habe ich in den belgischen Jugend-Nationalmannschaften gespielt, und schon damals war zu sehen, über welche Klasse diese Spieler verfügen.

"In der 2. Bundesliga wird um jeden Ball hart gefightet, jeder rennt sich die Seele aus dem Leib und es bleibt kaum Zeit, um einmal durchzuatmen." Benito Raman

bundesliga.de: Einige Experten trauen Belgien zu, bei der WM sehr weit kommen und vielleicht sogar das Finale erreichen zu können. Was denken Sie?

Raman: Ich glaube, dass Belgien, wie schon 2014 und auch bei der Euro 2016, erneut eine sehr gute Mannschaft stellt. Aber es gibt eben auch die klassischen Favoriten, Deutschland, Brasilien oder Spanien, die allesamt schon Erfahrung darin haben, Weltmeister zu werden. Belgien hat diese Erfahrungswerte noch nicht. Deshalb dürfte es sehr schwer werden, den Traum vom Weltmeister-Titel wahr zu machen. Aber aussichtslos ist es nicht.

Das Gespräch führte Andreas Kötter