Hamburg - Florian Kringe beendet im Sommer seine Fußballkarriere. "Diese Entscheidung habe ich mir wirklich nicht leicht gemacht, der Entschluss ist aber in den letzten Wochen gereift", verkündete der Mittelfeldspieler.

"Ich hatte in den letzten Jahren schon Probleme mit der Hüfte und bin seit längerem mit Schmerzmitteln unterwegs. Das will ich meinem Körper nur noch bis zum Sommer zumuten", gibt der 32-jährige zu. "Die Arthrose in der Hüfte wurde 2010 während meiner Zeit bei Hertha bekannt. Seither habe ich unglaublich viel versucht, um den Abbauprozess zu verzögern. Jetzt hat es einfach keinen Sinn mehr und es wäre auch nicht mehr fair gegenüber dem Verein."

Kringe blickt zurück auf eine beachtliche Fußballerkarriere. 192 Erstligaspiele (18 Tore) für Borussia Dortmund, den 1. FC Köln und Hertha BSC stehen genauso zu Buche wie 89 Partien (13 Treffer) in der 2. Bundesliga für die Domstädter und den FC St. Pauli. Mit dem BVB gewann er drei Mal die Deutsche Meisterschaft und ein Mal den DFB-Pokal. "Ich bin jetzt seit 14 Jahren im Profibereich dabei, habe bei tollen Vereinen gespielt. Mit diesen Traditionsklubs hatte ich wunderschöne Momente und ich bin froh und dankbar für alle Erlebnisse während meiner Karriere. Auch wenn es ärgerlich ist, dass dieser Schritt nun zu früh kommt, will ich die Zeit nicht missen."

Trainerschein ist Zukunftsoption

An den schönsten Moment beim FC St. Pauli kann er sich noch ganz genau erinnern: "Das Spiel gegen Braunschweig 2013, das wir 5:1 gewinnen und somit den Klassenerhalt sichern konnten. Das war eine unglaubliche Erleichterung in einer schwierigen Saison. Der Moment hatte bleibenden Eindruck und das soll sich im Ergebnis dieses Jahr wiederholen. Ich hoffe natürlich, dass wir als Mannschaft die Klasse halten. Wenn ich dann auch noch auf dem Platz helfen kann, wäre das natürlich perfekt."

Auch zu seinen Plänen für die Zeit nach seiner Karriere äußert sich Kringe: "Ich bin in Gesprächen, ob ich in eine Beratungsagentur gehe. Vielleicht werde ich noch den Trainerschein machen, kann mich aber in Ruhe und ohne Druck entscheiden. Letztlich steht der Klassenerhalt über allem, das ist das absolut übergeordnete Ziel. Im Sommer will ich erst einmal Abstand vom Fußball gewinnen. Aber eins ist auch klar: Den Profi-Fußball werde ich vermissen. Es ist der schönste Beruf, den man sich vorstellen kann. Ich werde auch gerade die unterschiedlichen Typen und das Zusammensein in der Kabine sehr vermissen."

Kontakt zu St. Pauli soll bestehen

Weiterhin hat er viel vor für das Leben nach dem Profi-Fußball: "Ich freue mich auf den neuen Lebensabschnitt. Es sind manche Dinge auf der Strecke geblieben, um die ich mich dann kümmern kann. Deswegen plane ich, zunächst etwas Abstand vom Fußball zu gewinnen." In der Zeit wird er auch viel für seine Gesundheit tun, jedoch mit einigen Einschränkungen: "Um eine künstliche Hüfte komme ich wahrscheinlich nicht herum. Mit 32 über so etwas nachdenken zu müssen, ist nicht schön. Also muss ich mir überlegen, welche Sportarten ich machen kann, denn Sport will ich auf jeden Fall noch weiter machen."

Ob der Kiezkicker seine Zeit nach dem Profisport in Hamburg verbringen wird, ist noch nicht sicher, dem FC St. Pauli wird er aber immer verbunden bleiben: "Der FC St. Pauli ist ein großartiger Verein und ich bin dankbar, hier meine Karriere abschließen zu dürfen. Die Stimmung und Begeisterung im Verein und vor allem im Stadion sind großartig. In den drei Jahren hab ich hier eine Menge miterlebt und bin sehr froh um diese Erfahrung. Ob ich aber hier bleibe, ist noch nicht entschieden. Wo ich hingehe, muss ich letztlich auch mit meiner Freundin klären. Der Kontakt zur Stadt und zum Verein wird aber immer bleiben."