Düsseldorf - Fortuna Düsseldorf hat einen klassischen Fehlstart in die neue Saison hingelegt. Dem Pokal-Aus beim Drittligisten Koblenz folgten zwei Pleiten in der Meisterschaft. Doch auch nach der unglücklichen 1:2-Heimniederlage gegen den Aufstiegsfavoriten Hertha BSC bricht in der Rheinmetropole keine Panik aus.

Irgendwie kam es, wie es kommen musste. Nach zwei Jahren kollektivem Freudentaumel hat Fortuna Düsseldorf die Realität wieder eingeholt. Der raketenhafte Aufstieg des Traditionsvereins mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga und der großartigen Vorjahressaison, die beinahe mit dem Durchmarsch in die Bundesliga geendet hätte, ist vorerst beendet.

Der guten Stimmung bei den Fans und der Mannschaft tut dies noch keinen Abbruch. Denn allen war klar, dass sich die Mannschaft nach den Abgängen ihrer herausragenden Leistungsträger (Innenverteidiger Anderson und Torjäger Martin Harnik) erst finden muss. Gegen Hertha BSC wurde deutlich: Dieser Prozess braucht noch etwas Zeit.

Dominanz half nicht

Gerade in der Defensive offenbarte die Fortuna einige Schwächen, speziell bei Standards wie jenem, der zum 0:1 des Hertha-Stürmers Rob Friend führte. Und in der Offensive fehlt es noch an Durchschlagskraft. Abgesehen vom wunderschönen Weitschusstor von Wellington erspielte sich Düsseldorf nur wenig klare Torchancen.

Die Mannschaft zeigte ein gefälliges Kombinationsspiel, sie wehrte sich vehement nach dem 0:2-Pausenrückstand gegen die drohende erste Heimniederlage seit 16 Monaten. Doch alle Dominanz half nichts, am Ende ging die Fortunen als Verlierer vom Platz. Die gute Leistung blieb unbelohnt.

"Ich sehe trotzdem gute Ansätze", meinte Fortuna-Kapitän Andreas Lambertz: "Wenn wir gnadenlos untergehen würden und keine Torchancen hätten, dann würde ich schwarz sehen, dann hätten wir ein Riesenproblem. Aber wir hatten wesentlich mehr Chancen als Hertha."

Meier warnt

Auch die Umstellungen in der Mannschaft wollte Lambertz nicht gelten lassen. "In der ersten Elf standen nur zwei Neuzugänge. Das sollte nicht das Problem sein", sagte der 25-Jährige: "Wir haben eine gute Partie gespielt, waren aber vor dem Tor nicht clever genug. Ich glaube nicht, dass die Euphorie jetzt weg ist." Die Euphorie des Aufstiegs, die die Fortuna durch die ganze Vorjahressaison getragen hatte und bis auf Platz 4 vorstoßen ließ.

Doch trotz der passablen Leistungen ist auch Trainer Norbert Meier der Ernst der Lage bewusst. "Wir sollten uns jetzt nicht in den Armen liegen, weil die Mannschaft in der zweiten Halbzeit eine gute Reaktion gezeigt hat und sich nach dem Rückstand nicht ergeben hat", warnt der Coach: "Es geht in die richtige Richtung. Aber wir müssen aufpassen. Wir müssen es jetzt erzwingen. Nicht die bessere Mannschaft hat gewonnen. Aber wir dürfen die Augen nicht verschließen, am Ende bleibt die Niederlage."

"Können auf den Leistungen aufbauen

Und es war bereits die dritte Niederlage im dritten Pflichtspiel. "Wir haben noch nicht unser Selbstvertrauen verloren", ist sich Meier sicher. Aber er weiß auch: "Erst spielst du gut und verlierst und irgendwann spielst du dann auch noch schlecht und verlierst weiter. Man darf nicht vergessen, dass wir nur ein Aufsteiger im zweiten Jahr sind. Da kann es Rückschläge geben. Und damit muss die Mannschaft nun fertig werden."

Die Spieler haben die Botschaft verstanden. "Es war ein schlechter Start in die Saison", redete Verteidiger Christian Weber nicht lange um den heißen Brei herum: "Aber wir können auf den Leistungen aufbauen. Wir waren zwei Mal nicht die schlechtere Mannschaft. Deshalb ist mir nicht angst und bange, dass wir unsere Punkte auch holen werden." Die nächste Gelegenheit dazu hat die Fortuna am übernächsten Wochenende beim FSV Frankfurt.

Aus Düsseldorf berichtet Tobias Gonscherowski