Belek - Mit einem Erfolgserlebnis beendete der FC St. Pauli sein Trainingslager im türkischen Belek. Die Kiezkicker besiegten den FC Winterthur mit 2:0. Damit konnten die Schweizer gegen die Hamburger nach einem 0:3 und einem 1:1 in den Jahren 2011 und 2013 auch das dritte Duell im Zwei-Jahre-Rhythmus nicht gewinnen.

"Es kann nicht sein, dass wir wie gegen Lautern so frühe Tore bekommen. Und es kann auch nicht sein, dass wir alle Gegentreffer vorlegen", hatte sich Ewald Lienen noch nach dem 2:3 im zweiten Test gegen den türkischen Erstligisten Gaziantepspor vor den in Belek anwesenden Medienvertretern geärgert.

Koch erzielt schnellstes Tor der Vereinsgeschichte

Gegen den Zweitligisten aus der Schweiz stand zur Freude des Trainers die Null. Dabei legten seine Spieler los wie die Feuerwehr. Bereits nach fünf Sekunden traf Julian Koch zur Führung. Die Leihgabe vom 1. FSV Mainz 05, bis dahin einzige Neuverpflichtung in der aktuellen Transferperiode, erzielte damit nach Vermutung des Clubs, das wohl schnellste Tor der 115-Jährigen Vereinsgeschichte.

"Es hat Spaß gemacht. Wir haben gegen die Schweizer fast nichts zugelassen. Das hat gut gepasst. Nach dem Sieg fahren wir mit einem guten Gefühl nach Hause. Das war ein positiver Abschluss", freute sich der 24-Jährige, der wegen einer Wadenverletzung zu Beginn des Rückrundentrainings einige Zeit nicht trainieren konnte.

"Viele Torchancen machen Mut"

"Nach vorn kann es noch besser werden", war Lienen zufrieden hauptsächlich mit der Defensiv-Leistung, denn wie schon beim 0:1 gegen Kaiserslautern, bei dem der die Hamburger 72 Minuten lang in Überzahl agierten und beim 2:3 gegen Gaziantepspor ließen die Kiezkicker beim 2:0 über Winterthur nach Geschmack des Trainers zu viele Chancen aus.

"Wir haben gegen Kaiserslautern sechs, sieben hochkarätige  Chancen produziert, aber kein Tor erzielt. Gegen Gaziantepspor haben wir ebenfalls viele Chancen herausgespielt", so der Trainer in einem Gespräch mit bundesliga.de, um dann doch etwas positives zu erkennen. "Dass wir so viele Torchancen herausgespielt haben, macht uns Mut und Hoffnung. Daran arbeiten wir intensiv."

"Muss meine eigenen Erfahrungen machen"

Nach 19 Saisonspielen findet sich der Hamburger Stadtteilclub, der vor der Saison als möglicher Aufstiegskandidat gehandelt wurde, am Tabellenende auf Abstiegsrang 17 wieder. Nur drei magere Pünktchen in der Auswärtstabelle, 39 Gegentore, neun Treffer nach Kontern kassiert, 19 Mal trafen gegnerische Mittelfeldspieler gegen St. Pauli - alles Negativ-Werte in der 2. Bundesliga, die zeigen warum sich der Traditionsverein in Abstiegsgefahr befindet.

 "Es macht keinen Sinn, sich damit zu beschäftigen. Das ist Vergangenheit. Jetzt muss ich meine eigenen Erfahrungen machen", interessieren Lienen die Negativ-Statistiken nicht. "Wir müssen uns eine neue Statistik erarbeiten. Die alte spielt keine Rolle mehr. Wir werden alles daran setzen, diese Aufgabe erfolgreich zu gestalten", gibt der Coach die Marschroute für die abschließenden 15 Spiele im Kampf um den Klassenerhalt vor.

Aus Belek berichtet Jürgen Blöhs

Lienens Traumspieler gefunden?

Ein Spieler, der dabei helfen könnte, ist Waldemar Sobota. "Es ist bekannt, dass wir uns auf dem Flügel mit einem schnellen, torgefährlichen Mann verstärken wollen", beschrieb Lienen seinen Wunschspieler gegenüber bundesliga.de.

Der 27-Jährige vom FC Brügge ist bis Saisonende ausgeliehen und absolvierte bereits den Medizincheck in Hamburg. Der 17-malige polnische Nationalspieler passt perfekt in das Anforderungsprofil des Trainers.