Zusammenfassung

- Der Pauli-Kapitän sieht seine Mannschaft auf einem guten Weg

- Besonders Neuzugang Sami Allagui habe schon gut eingeschlagen

- Der Sieg gegen Bochum zum Auftakt sei absolut verdient gewesen

Bochum - Nach dem 1:0-Sieg beim VfL Bochum grüßt der FC St. Pauli zum Auftakt der neuen Saison in der 2. Bundesliga von der Tabellenspitze. Kapitän Bernd Nehrig, der das Tor des Tages mit seiner Balleroberung eingeleitet hatte, zeigte sich nach der Partie stolz auf die starke Leistung der Mannschaft. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 30-Jährige über Teamgeist und Qualität, Angriffslust und Neuzugänge.

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bundesliga.de: Wollten Sie dem VfL Bochum mit einem dominanten Auftritt bewusst den Schneid abkaufen?

Bernd Nehrig: Wir hatten uns vorgenommen, dass wir absolut heiß, mit absolutem Willen in dieses Spiel gehen. Aber vom Kopf her wollten wir kühl bleiben und unseren Plan und unser Muster eiskalt durchspielen. Genau das haben wir auch gemacht. Wir haben uns gut bewegt und auch gepflegt nach vorne gespielt. Und wir haben die Nerven auch in der zweiten Halbzeit nicht verloren, als es für uns nicht so gut lief. Wir sind ruhig geblieben, haben gut verteidigt. Am Ende wurden wir für unsere Ruhe und die Gelassenheit, den einen oder anderen Fehler auch einfach zu akzeptieren, belohnt.

bundesliga.de: Wie kam es, dass Bochum trotz der starken ersten Hälfte von St. Pauli das Spiel nach der Pause zunächst bestimmen konnte und auch stärker aufkam?

Nehrig: Da war in der Pause in der Kabine kein Deut von Übermut bei uns. Wir feiern uns nicht für eine gute Halbzeit, dafür können wir uns nichts kaufen. Aber es kann am ersten Spieltag noch nicht alles passen, auch bei uns nicht. In der zweiten Halbzeit haben wir zu viele Chancen zugelassen. Das hätten wir besser verteidigen können. Das muss der Ansatz sein, weiter daran zu arbeiten, damit es nicht wieder vorkommt. Wir werden das nüchtern analysieren und versuchen, es direkt im zweiten Spiel besser zu machen.

"Wir dürfen dieses eine Spiel und diese Leistung nicht nehmen, um irgendwelche utopischen Ziele herauszuhauen." Bernd Nehrig nach dem 1:0-Sieg gegen Bochum

bundesliga.de: Neuzugang Sami Allagui hat die Vorarbeit zum entscheidenden Treffer geleistet. Gibt er der Mannschaft in der Offensive noch einmal einen Extrakick Esprit?

Nehrig: Absolut! Ich denke, das hat man sowohl in der Vorbereitung gesehen als auch jetzt zum Saisonauftakt in Bochum. Er bringt absolute Qualität mit, viel Erfahrung und jede Menge Cleverness. Er ist eine absolute Bereicherung für uns. Das gilt auch für die anderen neuen Jungs, auch wenn sie noch nicht direkt zum Einsatz gekommen sind. Aber alle haben sich top eingefügt. Und deswegen stehen wir nach dem ersten Spiel auch als Sieger da, weil in der Vorbereitung und zum Auftakt alle top zusammengearbeitet haben.

Der Kapitän geht voran - Nehrig zieht aus der zweiten Reihe ab

bundesliga.de: Wie viel von dem, was Olaf Janßen sich vorstellt und einfordert, kann die Mannschaft schon umsetzen?

Nehrig: Einiges, denke ich. Natürlich hat man viele Pläne und Optionen im Kopf. Wir haben uns in der Vorbereitung auch viele Systeme antrainiert. Wir haben verschiedene Grundsysteme, die wir spielen können. Wir wissen alle, wie wir uns in diesen Systemen offensiv wie defensiv bewegen müssen. Das hat uns das Trainerteam um Olaf Janßen mitgegeben und das tragen wir als Mannschaft absolut mit. Darum trägt das Ganze auch so schnell Früchte und funktioniert. Wichtig ist aber auch, Dinge auf dem Platz auch mal instinktiv entscheiden zu können, ohne für jede Situation eine Vorgabe zu haben.

bundesliga.de: Ihre Mitspieler haben schon von einer meisterlichen Leistung gesprochen. Wenn Sie das als Kapitän hören, wird der Betreffende dann gleich schnell wieder eingefangen?

Nehrig: Nein, überhaupt nicht! Man kann doch ruhig sagen, dass unsere Leistung in Bochum wirklich sehr, sehr gut war. Wir haben absolut verdient gewonnen und sind darüber sehr froh und glücklich. Fakt ist nur, dass wir auch dieses eine Spiel und diese Leistung nicht nehmen dürfen, um irgendwelche utopischen Ziele herauszuhauen. Damit würden wir uns selbst unnötig unter Druck setzen. Wir können uns freuen und dürfen auch angriffslustig sein. Aber das gilt eben nicht nur für eine Partie, sondern muss die gesamte Saison gelten. Es gibt jetzt noch keinen Grund, auf Wolke sieben zu schweben.

bundesliga.de: Wird auf der Heimfahrt trotzdem mit einem Bierchen auf die erste Tabellenführung angestoßen?

Nehrig: (lacht) Bier ist nicht gut für die Regeneration. Deswegen feiern wir doch besser mit einem Iso-Drink.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte