Der Aufstiegskampf spitzt sich zu - © IMAGO / Eibner
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2. Bundesliga

Aufstiegskampf-Wahnsinn in der 2. Bundesliga

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Die Spannung in der 2. Bundesliga reißt auch nach dem 32. Spieltag nicht ab. Bereits am Freitagabend ging es auf den Plätzen heiß her, denn Werder Bremen gab gegen Holstein Kiel eine 2:0-Führung aus der Hand und der FC St. Pauli kassierte gegen den 1. FC Nürnberg den späten Ausgleich. Einzig der FC Schalke 04 durfte in der Nachspielzeit feiern und schob sich wieder an die Tabellenspitze. Am Samstag legten der Hamburger SV und Darmstadt 98 nach. Die Lilien sind Zweiter, der HSV lauert auf Platz vier.

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Simon Terodde bekam nach dem Spiel kaum noch einen richtigen Ton heraus. Der Stürmer des FC Schalke 04 schoss die Königsblauen in Sandhausen erst in der 91. Spielminute zum Sieg – und damit an die Tabellenspitze der 2. Bundesliga. "Das muss man erst mal realisieren, was heute hier komplett abgegangen ist - auch schon vor dem Spiel", krächzte Terodde mit letzter Stimme ins Sky-Mikrofon.

Zahlreiche Schalke-Fans begleiteten die Mannschaft nach Sandhausen und machten im BWT-Stadion am Hardtwald richtig Stimmung. "Die Unterstützung unserer Fans war überragend, das habe ich seit unserem Spiel in Mailand 1997 nicht mehr gesehen. Der SVS hat uns alles abverlangt in einer auf beiden Seiten sehr emotional geführten Partie", erklärte Mike Büskens nach der Partie.

Stürmer Terodde bewies auch gegen kämpfende Sandhäuser, dass er den Titel des besten Zweitliga-Torjägers trägt. In der 71. Minute erzielte er die Führung, die Dennis Diekmeier zwischenzeitlich ausglich (83.). Alles sah nach Remis und einem Patzer im Aufstiegsrennen aus, doch der 34-Jährige war kurz vor Abpfiff zur Stelle und erzielte das erlösende 2:1 (90. +1). Schalke feierte gegen gewohnt unbequeme Sandhäuser einen Sieg des Willens und konnte sich mal wieder auf Simon Terodde verlassen, der die Tabellenführung bescherte. Vielleicht können die Knappen schon nächsten Samstagabend vor vollem Haus gegen St. Pauli den Aufstieg klarmachen.

Werder patzt gegen Kiel

Schalkes direkter Konkurrent Werder Bremen wollte gegen Holstein Kiel den knappen Abstand aufrechterhalten und am 32. Spieltag vor heimischer Kulisse punkten. Die Grün-Weißen wurden ihrer Favoritenrolle zumindest im ersten Durchgang gerecht und führten 2:0 durch die Treffer von Niclas Füllkrug (2.) und Marvin Ducksch (23.). Gleich zwei Eigentore brachten die Gäste dann aber zurück ins Spiel (Füllkrug, 85. und Anthony Jung, 71.), Julian Korb schockte den Tabellenführer in der Schlussphase (85.).

Trotz 19:10 Torschüssen gingen die Bremer leer aus, verloren erstmals seit September (0:2 gegen den HSV) und damit erstmals unter Ole Werner ein Heimspiel. Zudem verlor Werder erstmals seit 16 Jahren in einem Punktspiel trotz 2:0-Führung (September 2006, 2:3 gegen den VfB Stuttgart). Die "Störche" sicherten mit diesem Dreier den Klassenerhalt und können für ihre sechste Zweitliga-Saison in Folge planen. Werder hingegen muss weiter bis zum letzten Spieltag kämpfen, um den direkten Wiederaufstieg klarzumachen.

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Nürnberg schockt St. Pauli kurz vor Schluss

Lange sah es so aus, als würde der FC St. Pauli nach fünf sieglosen Spielen endlich wieder gewinnen und vorzeitig auf Rang drei springen, wäre da nicht Robert Klauß, der durch seine mutigen Wechsel einen Punkt mit dem 1. FC Nürnberg am Millerntor holte. Daniel-Kofi Kyereh schoss die Kiezkicker in der 74. Minute per Foulelfmeter in Führung, die an diesem Abend die spielerisch bessere Mannschaft war. Cheftrainer Klauß reagierte nach dem Rückstand mit vielen Offensiv-Wechseln, die sich am Ende auszahlen sollten. Joker Taylan Duman stand in der 92. Minute goldrichtig und glich kurz vor Schluss für den Club aus.

"Wir haben heute 1:1 verloren. Wir hatten in den letzten Wochen einige Nackenschläge. Auch diesen werden wir verarbeiten", erklärte Timo Schultz und fügte hinzu: "Nächste Woche geht es volle Pulle Richtung Schalke. Da haben wir die Möglichkeit, noch mal in Schlagdistanz zu kommen. Uns erwartet ein außergewöhnliches Spiel, auf das ich mich freue. Ich bin mir sicher, dass wir auf Schalke richtig Gas geben werden", so St. Paulis Chefcoach. Der Punkt brachte damit kein Team so richtig weiter. St. Pauli verpasste den Sprung auf Platz drei, ist jetzt sogar Fünfter, und Nürnberg den Anschluss an die oberen Teams.

Dennoch bleibt es ganz oben weiterhin spannend bis zum Schluss und der Wahnsinn im Aufstiegskampf ist noch nicht vorbei.

Darmstadt und Hamburg legen eindrucksvoll nach

Für wenige Stunden war der Hamburger SV Dritter und damit der heiß ersehnten Bundesliga-Rückkehr ein ganzes Stück näher. Durch das 4:0 gegen den Ingolstadt zogen die Hanseaten mit dem Stadtrivalen St. Pauli (54 Punkte) gleich, rangierten dicht hinter dem Erzrivalen SV Werder. "Die drei Siege in Folge sind unheimlich wichtig. Weil sie zeigen, dass die Entwicklung, von der wir reden, tatsächlich stattfindet", sagte HSV-Kapitän Sebastian Schonlau nach Erfolg gegen die Schanzer.

Doch das Bild der Tabelle änderte sich am späteren Abend. Da demonstrierte der SV Darmstadt 98 seine Formstärke, schlug den FC Erzgebirge Aue deutlich mit 6:0. Nach fünf Jahren in der 2. Bundesliga stehen die Lilien damit vor der Rückkehr in die Bundesliga. Einer, der damals dabei war, Tobias Kempe, der bereits jetzt schon an Partien gegen Borussia Dortmund und den FC Bayern München denkt: "Wir haben alle Bock. Ich bekomme schon wieder richtig Gänsehaut. Wir haben noch zwei wichtige Spiele, alles ist möglich". Doch Kempe ist routiniert, gab sich gleich danach wieder zurückhaltend: "Wir müssen cool bleiben."