Köln - Neun Siege, sechs Unentschieden und nur eine Pleite - nach dem 1:0-Auswärtserfolg im Topspiel gegen RB Leipzig darf sich der FC Ingolstadt über den ersten inoffiziellen Saisontitel freuen: Die Schanzer sind einen Spieltag vorm Ende der Hinrunde bereits Herbstmeister! "Wir spielen eine unglaubliche Hinrunde", sagte Coach Ralph Hasenhüttl kurz nach dem Spiel. Den Anspruch an die Spitzenposition lief man lange hinterher, nun ist der FCI endgültig angekommen. Es war ein harter Weg.

Nachdem man mit  Erfolgscoach Thorsten Fink 2008 den ersten Aufstieg in die 2. Bundesliga schaffte, ging es bereits kurz darauf wieder abwärts. Im ersten Zweitligajahr musste der FCI unter Nachfolger Horst Köppel den direkten Gang in die 3. Liga antreten. Ingolstadt entwickelte sich zur kurzzeitig zum Fahrstuhlclub.

Denn in der Spielzeit 2009/10 schaffte der Fusionsclub, 2004 aus den Fußballabteilungen von MTV Ingolstadt und ESV Ingolstadt gegründet, den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga und gehört seitdem zum festen Inventar - das jedoch nicht ohne Komplikationen.

Hasenhüttl entwickelt ein erfolgshungriges Team

Die Schanzer spielten in den folgenden drei Jahren stets gegen den Abstieg. Die Personalfluktuation war hoch, sowohl auf und neben dem Platz. Mit den oberen Tabellenregionen hatte der FCI rein gar nichts zu tun. Kontinuität suchte man bei dem noch jungen Club vergeblich, so richtig in Fahrt kamen die Ingolstädter nie. In der vergangenen Saison erwischten die Bayern erneut keinen guten Saisonstart. Alles deutete wieder auf eine durchwachsene Spielzeit ein. Erst am 10. Spieltag fuhren die Ingolstädter den zweiten Dreier (1:0 gegen Bochum) ein. Zuvor wurde Trainer Marco Kurz gefeuert, Co-Trainer Michael Henke übernahm und übergab nach dem Bochum-Sieg an Ralph Hasenhüttl – der Anfang einer Erfolgsgeschichte.

Hasenhüttl schaffte es, eine erfolgshungrige Mannschaft aus Erfahrenen und aufstrebenden Nachwuchstalenten aufzubauen. Doch der Österreicher brauchte Zeit und Geduld und die bekam er. Der FCI schloss die Saison auf einem soliden 11. Tabellenplatz ab, zeigte erste gute Ansätze, um den eigenen Ansprüchen endgültig gerecht zu werden. Aber: Noch nicht mal als Geheimfavorit hatte man Ingolstadt zur neuen Saison auf dem Zettel. Die Mannschaft ging ohne großen Druck und vor allem ohne Aufstiegsambitionen in die neue Spielzeit, was sich im Nachhinein als großer Vorteil erwies. Manager Thomas Linke verstärkte das Team nur punktuell, ohne dabei tief in den Geldbeutel greifen zu müssen. Der Abgang von Topstürmer Caiuby wurde durch den ablösefreien Lukas Hinterseer (FC Wacker) und den Australier Mathew Leckie (FSV Frankfurt) kompensiert.

In der Verteidigung besserte man ebenfalls nach. Benjamin Hübner wurde vom VfR Aalen nach Ingolstadt gelotst, Leverkusens Abwehrtalent Danny Da Costa entschied sich nach einem Leihgeschäft endgültig für den FCI. Sie alle gehören zu den Säulen des FCI-Booms. Doch was macht das Überraschungsteam der Hinrunde so stark?

Die Zahlen sprechen für sich. Beim FCI ist vom ersten Spieltag an der Knoten förmlich explodiert, gelöst hat er sich schon in der letzten Saison. Die Hasenhüttl-Elf kassierte nach 16 Spielen gerade mal eine einzige Niederlage, zum vergleichbaren Zeitpunkt der letzten Saison war es da schon neun (!). "Unsere Leistung ist nicht überraschend, sie hat sich letzte Saison schon angedeutet", weiß Hasenhüttl. Saisonübergreifend verlor der FCI gerade mal eins der letzten 20 Spiele (am 23.11.2014 in Nürnberg).

Nun der Marsch in die Bundesliga?

Das Team hat sich gefunden und funktioniert einwandfrei – vorne wie hinten. Ingolstadt blieb nur in einem der letzten 19 Spiele saisonübergreifend ohne Torerfolg, stellt mit elf Gegentoren zudem noch die beste Defensive der Liga. Torwart Ramazan Özcan hielt neun Mal seinen Kasten sauber – auch das schaffte kein anderer von der Ligakonkurrenz.

Wo die Reise nun hinführen soll, ist glasklar: Bundesliga! Der Historie nach dürfte man bei den Schanzern den Sekt schon mal kalt stellen. In den letzten zehn Jahren ist der Herbstmeister der 2. Liga neun Mal aufgestiegen, nur Aue schaffte das 2010/11 nicht. "Wir wollen eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, davon rücken wir nicht ab", sagte Manager Thomas Linke noch vor ein paar Wochen. Wenn die angesprochene Verbesserung mit dem Aufstieg gleichbedeutend ist, werden sie jedoch auch beim FCI "nicht Nein sagen", verriet Hasenhüttl.

Yannik Schmidt