Köln - Im Eishockey hat Ingolstadt schon vorgelegt. Der Deutsche Meister 2014 heißt schließlich ERC Ingolstadt und zum Feld der Geschlagenen gehörten die Nürnberger Ice Tigers. Der Fußballclub Ingolstadt ist zwar noch weit entfernt vom Meistertitel, doch auch auf dem Rasen läuft der 1. FC Nürnberg dem bayerischen Konkurrenten derzeit weit hinterher.

Neben 80 Kilometern Luftlinie trennen Tabellenführer Ingolstadt und Nürnberg 13 Punkte und 13 Tabellenplätze nach 13 Spieltagen - eindeutige Zahlen vor dem Duell am Sonntag im Grundig Stadion. Dazu scheinen die Ingolstädter Serientäter unschlagbar: Der FCI ist seit 17 Spielen unbesiegt, auswärts hat die Elf von Trainer Ralph Hasenhüttl seit mehr als einem Jahr nicht mehr verloren. Die Kräfteverhältnisse zwischen Fußballclub und "Club" scheinen sich also zu verschieben.

"Uns wurden die Punkte nicht geschenkt, wir haben sie vielmehr schwer erarbeitet. Dass wir seit 17 Spielen ungeschlagen sind, hätte keiner für möglich gehalten, außer vielleicht wir selbst. Denn wir haben schon in der letzten Saison die Entwicklung der Mannschaft gesehen", ist Hasenhüttl nicht vollkommen überrascht vom fast unglaublichen Lauf des FCI, der in den letzten vier Jahren in der 2. Bundesliga nie unter den zehn Besten abgeschlossen hatte.

Ingolstädter Volltreffer auf dem Transfermarkt

Für Außenstehende kommt diese Erfolgs-Explosion sicher überraschender. Zumal Ingolstadt auf dem Transfermarkt zwar aktiv, aber nicht mit dem großen Geldbeutel unterwegs war. Lukas Hinterseer vom FC Wacker Innsbruck oder Mathew Leckie (FSV Frankfurt) sind Schnäppchen und Volltreffer, während der Ex-Nürnberger Thomas Pekhart als namhafter Zugang noch nicht restlos überzeugt hat.

So bleibt der Konkurrenz derzeit nur wenig Angriffsfläche; etwa die Tradition - oder genauer gesagt - die kurze Tradition der Schanzer, die sich erst am 5. Februar 2004 als FC Ingolstadt 04 gegründet haben. „Wir haben noch nicht so viel Tradition, aber es ist möglich, sich Tradition zu erarbeiten. Ich glaube nicht, dass Tradition allein legitimiert, über andere zu richten“, so Hasenhüttl.

Aufschwung mit Rene Weiler?

Tradition hat der 1. FC Nürnberg wie nur wenige andere Clubs zu bieten. Doch davon allein kann der neunmalige Deutsche Meister im Moment nicht zehren. Der Trainerwechsel vor Wochenfrist von Valérien Ismaël zu Rene Weiler ist der untrügerische Beleg, dass der "Club“ ganz andere sportliche Erwartungen hatte als die unmittelbare Nähe zu den Abstiegsplätzen.

Von daher erübrigt sich für Weiler der Blick in die glorreiche Vergangenheit - ebenso wie traumtänzerische Zukunftsvorstellungen. "Ich schaue auf das Hier und Jetzt und versuche den Verein wieder in die Erfolgsspur zu bringen“, sagt der Schweizer, der möglichst schon gegen Ingolstadt seine Erfolgsserie beginnen möchte.

Und so spielt das Thema, ob sich im Bundesland Bayern die Kräfteverhältnisse zwischen Nürnberg und Ingolstadt allmählich verschieben, auch für Ralph Hasenhüttl aktuell keine große Rolle: „Bis dato gab es keine Mannschaft, die uns vor unlösbare Probleme gestellt hat. Wir wollen unsere Auswärtsserie ausbauen - auch gegen den "Club".