Osnabrück - Am 34. Spieltag hat es der VfL Osnabrück mal wieder geschafft: Nach zehn sieglosen Partien in Serie fuhren die "Veilchen" beim FC Ingolstadt endlich wieder einen "Dreier" ein. Da zeitgleich auch der Karlsruher SC gegen Union Berlin gewonnen hatte, reichte der Erfolg zwar nicht zum erhofften Klassenerhalt, sicherte aber die Relegation.

Nun muss die Mannschaft von Trainer Heiko Flottmann also noch einmal ran und sich erfolgreich gegen den Drittligisten Dynamo Dresden durchsetzen, um auch in der kommenden Spielzeit in der 2. Bundesliga antreten zu dürfen (Freitag, ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) .

Im exklusiven Gespräch mit bundesliga.de blickt Sebastian Tyrala, Siegtorschütze gegen den FCI, auf die beiden Relegationsspiele voraus und versucht zu erklären, was diese Situation für einen Profi bedeutet.

bundesliga.de: Herzlichen Glückwunsch zum 1:0-Sieg und Ihrem Tor gegen den FC Ingolstadt. Als Sie Ihre Mannschaft in der 35. Minute in Führung gebracht haben, wussten Sie da schon: Das reicht?

Sebastian Tyrala: Ich wusste, dass das erst einmal für den Relegationsplatz reicht. Das war auch das Wichtigste. Ich hatte mehr Angst, dass wir es nicht schaffen und direkt absteigen müssten. Von daher war es wichtig, den 16. Platz zu verteidigen. Natürlich haben wir auch auf den direkten Klassenerhalt gehofft. Dazu hat es nicht gereicht.

bundesliga.de: So wie Sie darüber sprechen, kann man schon davon ausgehen, dass die Relegation ein Erfolg ist und Sie eher weniger enttäuscht sind, dass es nicht zum direkten Klassenerhalt gereicht hat?

Tyrala: Früher wäre man mit Rang 16 abgestiegen. Heute haben wir mit den nächsten beiden Spielen die Möglichkeit, doch noch in der Liga zu bleiben. Das war unser Ziel. Natürlich ist es ärgerlich, dass wir da unten stehen, denn es gab einige Spiele, die wir unglücklich verloren haben. Aber im Endeffekt sind wir alle zufrieden, dass wir die Relegation erreicht haben und nicht abgestiegen sind.

bundesliga.de: Wie groß war denn der Druck, der auf Ihnen und der Mannschaft vor dem Spiel in Ingolstadt gelastet hat?

Tyrala: Der war schon deutlich spürbar. Es hätte alles passieren können, was für einen letzten Spieltag eher selten ist. Wir wussten, was auf dem Spiel stand. Aber die Mannschaft hat die Vorgaben des Trainers sehr gut umgesetzt. Sie hat Charakter gezeigt und nimmt ein Positiv-Erlebnis mit in die Relegationsspiele.

bundesliga.de: Wie bereiten Sie sich auf diese beiden Partien vor?

Tyrala: Nicht großartig anders als auf die anderen 34 Spiele zuvor. Wichtig ist aber, dass wir wissen, dass wir auch auswärts Tore schießen und erfolgreich Fußball spielen können. Dafür war es enorm wichtig, dass wir beim FCI, nach zuvor zehn sieglosen Spielen in Folge, mal wieder drei Punkte geholt haben.

bundesliga.de: Was für Spiele erwarten Sie?

Tyrala: Für solche Spiele ist man Fußballer geworden! Hin- und Rückspiel. Es geht um alles. Die Fans werden voll dabei sein - etwas Geileres gibt es gar nicht.

bundesliga.de: Also keine Angst vor dem Tollhaus in Dresden?

Tyrala: Nein. Auf so etwas freut sich jeder Fußballer. Es gibt nichts Schöneres, als ins Stadion zu kommen und ausgepfiffen zu werden. Da denkt man: 'Denen werden wir's zeigen'. Aber wir haben zuhause ja dieselbe Kulisse. Wenn die 16.000 Fans richtig jubeln und Stimmung machen ist das unbeschreiblich. Das wird ein tolles Erlebnis!

bundesliga.de: Werten Sie es denn als Vorteil oder eher als Nachteil, zuerst in Dresden antreten zu müssen?

Tyrala: Ich denke, es ist besser, zuerst auswärts antreten zu müssen. Das ist eine bessere Basis für das Rückspiel. Wenn man auswärts ein gutes Ergebnis erzielt, vielleicht sogar ein Tor schießt, ist das überragend. Dann kann man schauen, wie man zuhause spielen wird. Von daher ist es so ein leichter Vorteil für uns. Wir müssen versuchen, ein gutes Ergebnis mitzunehmen und dann zuhause gemeinsam mit unseren Fans den letzten Schritt zu tun.

bundesliga.de: Dresden hat die drittbeste Abwehr der 3. Liga. Wie wollen Sie diesen Riegel knacken?

Tyrala: Das wir ein ganz neues Spiel werden. Das kann man meiner Meinung nach nicht mit den Partien davor vergleichen. Jeder weiß, dass es um alles geht. Wir werden unser System aber nicht umstellen. Das Trainerteam wird uns zeigen, wie wir Dynamo knacken können und darauf kommt es dann an, das umzusetzen. Es steht null zu null. Was vorher war zählt nicht.

bundesliga.de: Was wird denn das Rezept sein, damit Sie und der VfL Osnabrück in der 2. Liga bleiben?

Tyrala: Wir müssen gut stehen, wie wir es gegen Ingolstadt getan haben. Eigentlich haben wir ja über die Saison gezeigt, dass wir gut mitspielen können. In der ein oder anderen Situation haben wir dann aber nicht aufgepasst und nach einem Standard oder einem Konter das Tor gekriegt. Darauf müssen wir aufpassen. Dynamo hat schnelle Stürmer, das wird nicht einfach. Auch bei Standards sind sie nicht schlecht. Deshalb wird es umso mehr darauf ankommen, hinten gut zu stehen.

Das Gespräch führte Gregor Nentwig