bundesliga.de: Herr Seeberger, vergangene Saison redete Aachen lange Zeit ein Wörtchen mit im Aufstiegskampf. Wo sehen Sie sich in der neuen Spielzeit?

Jürgen Seeberger: Wir haben uns die vergangenen zehn Spiele der vergangenen Saison - ausgenommen das Spiel in Osnabrück - gut geschlagen und 23 Punkte geholt. Daran müssen wir anknüpfen. Das obere Drittel ist unser Ziel.

bundesliga.de: Ist der Aufstieg überhaupt ein Thema in Aachen?

Seeberger: Es wird diese Saison sicherlich wieder sehr eng her gehen. Da ist dann Beharrlichkeit, Konstanz und Teamwork gefragt. Damit kann man in der Zweiten Liga, wo die Unterschiede nicht so groß sind, viel wett machen. Wir wollen einfach oben mitspielen.

bundesliga.de: Zum Auftakt ist die Alemannia zu Gast bei Absteiger KSC. Ist dies gleich eine echte Standortbestimmung?

Seeberger: Es geht um drei Punkte. Von Standortbestimmung zu sprechen, würde zu weit gehen. Immerhin folgen ja noch 33 Spiele. Wir freuen uns jetzt aber einfach darauf, dass es los geht

bundesliga.de: Die Alemannia spielt in dieser Saison in einem neuen Stadion. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass der Geist des alten Tivoli auch in der neuen Heimstätte einziehen wird?

Seeberger: Die Zuschauer. Denn die bleiben die gleichen und werden sogar noch mehr. Das sind diejenigen, die die Stimmung machen. Das Stadion bietet natürlich einiges und die Zuschauer werden sicherlich euphorisiert sein. Das Stadion ist einfach ein Traum. Allein der Wall hinter dem Tor, wo 10.000 Fans stehen, wird richtig Eindruck machen.

bundesliga.de: Bringt der Umzug in ein neues Stadion auch eine gewisse Form von Erfolgsdruck mit sich?

Seeberger: Unser Anspruch ist es, oben mitzuspielen. Aber weil wir ein neues Stadion haben, wird der Fußball nicht automatisch besser. Mit einem neuen Auto wird man auch nicht zum besseren Autofahrer. Klar, wir wollen auch aus dem neuen Tivoli eine Festung machen und diese Welle nutzen.

bundesliga.de: Worauf legen Sie im Trainingslager besonderen Wert?

Seeberger: Ich lege Wert darauf, dass das Team zusammen wächst und Neuzugänge integriert werden. Ich halte es außerdem für sinnvoll, das Trainingslager relativ spät zu machen, um zwar schon konditionelle Arbeit zu verzichten aber mit großem taktischem Anteil.

bundesliga.de: Haben Sie im Vergleich zum Vorjahr etwas am Ablauf des Trainingscamps verändert?

Seeberger: In diesem Jahr sind wir an einen anderen Ort gereist. Wir waren in Österreich am Walchsee, wo wir Bedingungen vorgefunden haben, wie man sie sich nur wünschen kann. Die Abläufe waren hervorragend und wir konnten alles umsetzen, wie wir es geplant hatten. Außerdem fühlten sich die Spieler sehr gut aufgehoben, was natürlich sehr wichtig ist.

bundesliga.de: Im Trainingslager sind auch immer Fans zu Gast, die dort sozusagen ihren Jahresurlaub verbringen. Finden Sie trotz intensiver Vorbereitung Zeit, für das eine oder andere Gespräch mit den Alemannia-Anhängern vor Ort?

Seeberger: Es ist bei uns ja schon Tradition, einen sogenannten Kaminabend mit Sponsoren und Fans zu machen. Man isst zusammen und plaudert anschließend weiter. Manchmal trifft man sich auch an der Hotelbar und erzählt ganz ungezwungen. Einige wohnen auch im gleichen oder Nachbar-Hotel, sodass eine gewisse Vertrautheit da ist aber zugleich auch Respekt, sodass wir in Ruhe unsere Arbeit machen können. Das ist immer prima gelaufen.

bundesliga.de: Eine der Neuentdeckungen der vergangenen Saison war Lewis Holtby. Der 18-Jährige hat den Verein nun in Richtung Schalke 04 verlassen. Haben Sie andere Spieler, die Holtby so einfach ersetzen können?

Seeberger: Wir haben für die Position nun zuletzt noch Daniel Adlung verpflichtet. Mit Patrick Milchraum, Florian Müller, Manuel Junglas haben wir auch noch Spieler, die dort ihre Entwicklung machen und sich durchsetzen können. Dann gibt es natürlich auch noch Markus Daun, der in der Rückrunde und auch der Vorbereitung länger verletzt war. Insgesamt haben wir also Alternativen und ich bin gespannt, wer sich durchsetzen wird.

bundesliga.de: Neben Holtby sind vor allem jede Menge erfahrene Spieler nicht mehr an Bord. War es Ihnen wichtig, die Mannschaft zu verjüngen?

Seeberger: Auf der Torwartposition haben wir uns auf der Position Nummer 2 verändert. Stephan Straub ist nicht mehr bei uns. Um diese Position streiten sich mit David Hohs und Thomas Unger nun zwei ambitionierte junge Keeper, die Zweite Liga spielen wollen. Ansonsten haben wir eigentlich keine Spieler abgegeben, die älter sind.


bundesliga.de: Zudem gab es verletzungsbedingte Rückschläge. Wie werden Sie die Ausfälle von Neuzugang Aimen Demai und Jerome Polenz kompensieren? Muss Aachen womöglich nochmal auf dem Transfermarkt aktiv werden?

Seeberger: Sicherlich waren die Meldungen von den Verletzungen von Demai und Polenz im Testspiel keine Meldungen, die einem Trainer gefallen. Es ist wirklich schade, dass sie ausfallen, aber sie werden in den nächsten Wochen zurück kommen und wir kompensieren ihre Ausfälle.

bundesliga.de: Mit Thorsten Burkhardt haben Sie einen sehr erfahrenen Spieler verpflichtet. Was erwarten Sie von ihm?

Seeberger: Dass er eine ganz zentrale Rolle spielt und eine wichtige Anspielstation wird. Er soll vorrücken und in der gegnerischen Hälfte möglichst oft zum Abschluss kommen.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz