Bis Anfang April war Andre Schubert beim SC Paderborn für die Sport- und Nachwuchsförderung verantwortlich. Dann kam zusätzlich die Position des sportlichen Leiters hinzu. Und schließlich saß Schubert am vorletzten Spieltag der 3. Liga auch noch als Trainer auf der Paderborner Bank.

Sein steiler Aufstieg brachte schlussendlich auch dem SCP den Aufstieg - und zwar die direkte Wiederkehr in die 2. Bundesliga auf indirektem Wege. Mit zwei 1:0-Siegen über den VfL Osnabrück setzten sich die Ostwestfalen in der Relegation durch.

Wie er zum Traineramt in Paderborn kam, erzählt Schubert im Gespräch mit bundesliga.de. Außerdem spricht der 34-Jährige über die Auftritte seiner Mannschaft gegen den VfL und gibt einen Einblick in die Zukunftspläne des SCP.

bundesliga.de: Herr Schubert, herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg in die 2. Bundesliga. Haben Sie das Schlafdefizit nach der Aufstiegsfeier schon wieder aufholen können?

Andre Schubert: Wir haben tatsächlich schön gefeiert. Aber es war bei mir nicht so anstrengend, dass ich ein Schlafdefizit aufzuholen gehabt hätte.

bundesliga.de: Was hat Ihre Mannschaft in den beiden Relegationsspielen gegen Osnabrück besonders ausgezeichnet?

Schubert: Hervorzuheben sind die mannschaftliche Geschlossenheit und die notwendige Ruhe, um in solchen hektischen Spielen bestehen zu können.

bundesliga.de: Kurz nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit im Rückspiel beim VfL gab es einen Elfmeter, den SCP-Keeper Kasper Jensen parierte. War das der Knackpunkt der Partie?

Schubert: Nein, denn wenn der Elfmeter verwandelt worden wäre, hätte es aus unserer Sicht in diesem Spiel lediglich 0:1 gestanden - und wir hätten in der Addition beider Spiele wieder bei Null begonnen. Für Osnabrück war der gehaltene Strafstoß kurz nach der Pause psychologisch sicher ein Rückschlag.

bundesliga.de: Vergleicht man das Team mit dem Absteiger von 2008, sind kaum noch Spieler dabei, die damals bereits in Paderborn gespielt haben. War der Neuanfang nötig und wie schwer war es, aus all den Neuen eine Mannschaft zu formen?

Schubert: Diese Frage müsste eigentlich mein Vorgänger Pavel Dotchev beantworten. Ich möchte ihm an dieser Stelle ein Kompliment aussprechen, denn er hat eine gute Mannschaft zusammengestellt. Nach einer überragenden Hinrunde sind die erwarteten Erfolge im Jahr 2009 aber teilweise ausgeblieben.

bundesliga.de: Die Freude in Paderborn ist riesig. Dabei sah es vor wenigen Wochen noch ganz anders aus. Nach dem Fall auf Platz 4 trennte man sich von Pavel Dotchev und Sie übernahmen neben der sportlichen Leitung auch das Traineramt. Eine dramatische Entscheidung so kurz vor Ultimo. Wie kam es dazu?

Schubert: In der Rückrunde haben nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Art und Weise, wie sich die Mannschaft präsentiert hat, nicht mehr gepasst. Der Knackpunkt war schließlich das Abrutschen auf den 4. Platz nach der Niederlage gegen Werder Bremen II. Danach sahen sich die Verantwortlichen des Vereins zum Handeln gezwungen.

bundesliga.de: Bis Anfang April waren Sie für die Sport- und Nachwuchsförderung im Verein verantwortlich. Dann wurden Sie zusätzlich sportlicher Leiter und zwei Spieltage vor Schluss auch noch Trainer. Wie schwer war die Mehrfachbelastung für Sie?

Schubert: Nicht besonders schwer, da ich auf ein gutes Trainerteam zurückgreifen konnte. Wir haben die Aufgaben verteilt und entsprechend koordiniert. Ansonsten war ich es ohnehin gewohnt, rund um die Uhr für den Verein zu arbeiten.

bundesliga.de: Ganz aktuell wurden Sie auch als Trainer für die 2. Bundesliga bestätigt. Herzlichen Glückwunsch auch dazu.

Schubert: Ich bin sehr froh, dass wir das Trainerteam komplett zusammenhalten konnten. So sind wir für die Herausforderung 2. Bundesliga bestens gerüstet.

bundesliga.de: Schon im Alter von 18 Jahren haben Sie sich dazu entschieden, Trainer werden zu wollen. Wie kam es bereits in diesem jungen Alter dazu, und was macht für Sie die Faszination Fußballlehrer aus?

Schubert: Ich bin erst mit 16 Jahren, also sehr spät, zum aktiven Fußball gekommen. Daher war für mich klar, dass ich über die höheren Amateurklassen als Fußballer nicht hinauskommen kann. So reifte der Wunsch nach einer Trainertätigkeit, da der Fußball insgesamt ungeheure Faszination auf mich ausübt.

bundesliga.de: Der SC stellte die mit Abstand beste Offensive der 3. Liga. Sercan Güvenisik und Frank Löning haben zusammen 31 Saisontore erzielt. Zudem machte Löning beide Treffer gegen Osnabrück. Wie wichtig ist das erst vor einem Jahr nach Paderborn gekommene Duo für den Club?

Schubert: Beide haben im Angriff zum Aufstieg beigetragen. Aber auch die Spieler in den anderen Mannschaftsteilen haben ihren Anteil daran. Ohne Ballgewinn, Spielaufbau und Vorlage kommt es nicht zu einem Torabschluss. Wir haben als Mannschaft mit guter Ordnung auf dem Platz überzeugt.

bundesliga.de: Ist davon auszugehen, dass Verstärkung für die 2. Bundesliga aufgrund des starken Sturms auf anderen Positionen gesucht wird?

Schubert: Nachdem wir die Trainerfrage und die zukünftige Ausrichtung des Vereins geklärt haben, kommt nun der Kader an die Reihe. Hier wird es natürlich etwas Bewegung geben, die sich aber in Grenzen halten wird.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz