München - Zwei Spieltage vor Saisonende hält Fortuna Düsseldorf im Kampf um Platz 3 der 2. Bundesliga die besten Karten in der Hand. Die Rheinländer können sich immer noch aus eigener Kraft den Relegationsplatz sichern und über die Duelle mit dem Drittletzten der Bundesliga den Aufstieg in die deutsche Eliteklasse schaffen. Vor dem Topspiel beim bereits feststehenden Aufsteiger SpVgg Greuther Fürth sprach bundesliga.de exklusiv mit Fortuna-Torjäger Sascha Rösler.

bundesliga.de: Die Entscheidung im Kampf um den 3. Platz in der 2. Bundesliga naht. Wie groß ist die Anspannung vor dem Spiel in Fürth, wie groß ist das Kribbeln?

Sascha Rösler: Ich freue mich auf die entscheidende Phase. Die Anspannung ist jetzt größer, das ist doch ganz klar. Wenn man sich jetzt einen Ausrutscher erlaubt, kann man den kaum noch ausbügeln. Aber die Freude ist da, weil wir auch etwas erreichen können.

bundesliga.de: Sie sind ein erfahrener Spieler und schon mehrmals aufgestiegen. Worauf kommt es in den nächsten beiden Spielen vor allem an?

Rösler: Wichtig wird sein, dass man sich keinen zu großen Kopf macht und überlegt, was alles passieren könnte. Wir müssen uns nur auf Fürth konzentrieren. Der Druck wird jetzt größer, umso wichtiger ist ein klarer Kopf. Solche Spiele werden auch oft im Kopf entschieden. Als erfahrener Spieler kann ich vielleicht etwas besser damit umgehen. Aber unsere jungen Spieler haben in dieser Saison sehr gute Leistungen gebracht. Die ganze Mannschaft hat in dieser Saison Höhen und Tiefen erlebt. Ich hoffe, dass wir in den letzten beiden Spielen unser Leistungsvermögen abrufen können.

bundesliga.de: Welche Rolle spielt der Gegner? Ist es fast zweitrangig, gegen wen man in der Schlussphase antritt?

Rösler: Nein. Greuther Fürth ist schon ein schwerer Gegner. Sie sind verdient aufgestiegen und stellen zusammen mit Frankfurt die beste Mannschaft. Das wird ein ganz harter Brocken für uns. Aber wir haben auch eine gute Mannschaft, das haben wir auch im Hinspiel gezeigt, das wir 2:1 gewonnen haben. Wir müssen uns wie gesagt nur auf uns konzentrieren.

bundesliga.de: Ist es vielleicht ein Vorteil, dass bei Greuther Fürth nach dem geschafften Aufstieg ein wenig die Luft raus ist?

Rösler: Nein, so wie ich den Fürther Trainer Mike Büskens kenne, wollen er und seine Mannschaft sich nichts nachsagen lassen. Sie wollen sich nicht blamieren, sondern zusammen mit ihren Fans eine Aufstiegsparty feiern. Ich kenne das noch aus eigener Erfahrung bei meinen Aufstiegen mit Aachen und Gladbach.

bundesliga.de: In der Hinrunde spielte die Fortuna, in der Rückrunde arbeitet sie mehr Fußball. Haben Sie eine Erklärung dafür, dass bei Fortuna die spielerische Leichtigkeit der Vorrunde verloren gegangen ist?

Rösler: Wir haben oftmals in der Saison mehr Fußball gearbeitet als gespielt, auch in der Hinrunde. Damals hatten wir einen Riesenlauf, da hat alles gepasst. Aber auch da steckte viel Arbeit hinter dem Erfolg. Man muss bei unserer Truppe auch hinschauen, wo unsere Spieler herkommen. Viele Spieler haben in der Hinrunde permanent an ihrer oberen Leistungsgrenze gespielt. Dazu kam, dass wir auch oft das nötige Glück hatten. Wir hatten ein kleineres Tief. Aber wir können den Aufstieg immer noch aus eigener Kraft schaffen.

bundesliga.de: Sie waren in dieser Saison auch ein umstrittener Spieler und wurden u.a. von Frankfurts Trainer Armin Veh massiv kritisiert. Ist etwas davon hängen geblieben? Haben Sie Lehren daraus gezogen?

Rösler: In meinem Alter verändert man sich nicht mehr großartig. Meine Reaktion gegen Veh nach unserem Tor gegen Frankfurt habe ich schon zwei Minuten später bedauert und nicht mehr toll gefunden. Da kamen leider viele Emotionen hoch. Aber das ist längst abgehakt.

bundesliga.de: Gab es noch einmal Kontakt nach Frankfurt? Haben Sie der Eintracht zum Aufstieg gratuliert?

Rösler: Nein, es gab keinen Kontakt mehr. Die Eintracht hat den Aufstieg verdient, sie hat den besten Kader und hat eine gute Saison gespielt.

bundesliga.de: Wie sehen Sie Ihre persönliche Zukunft? Wollen Sie nach dieser Saison als Profi weitermachen? Bei Fortuna?

Rösler: Es gibt keine Neuigkeiten. Ich bin in einem Alter, in dem man genau überlegt, wie es weitergeht. Wichtig sind jetzt die letzten Spiele in dieser Saison. Danach werde ich mich entscheiden. Ich spiele sehr gerne Fußball, aber ich will auch das Gefühl haben, dass ich der Mannschaft helfen kann und nicht hinterher laufen muss. Ich werde genau überlegen, ob es Sinn macht.

bundesliga.de: Abschlussfrage: Wenn Ihnen jemand in einem Spielcasino beim Roulette 1.000 Euro schenken würde. Wieviel würden Sie auf "Rot" und damit den Aufstieg der Fortuna setzen?

Rösler: Das ist eine fiese Frage. Schwer zu sagen. Alles ist möglich, man braucht auch das nötige Glück. Das wünsche ich mir. Es wird eine ganz enge Kiste.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski