Während der SV Wehen Wiesbaden in seiner ersten Saison in der 2. Bundesliga für Furore sorgte, kam im zweiten Spieljahr die Ernüchterung. Zur Winterpause lagen die Hessen nur auf Rang 17. Trainer Christian Hock musste gehen.

Wolfgang Frank übernahm das Ruder beim SVWW. Und das mit Erfolg. Nach dem Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale gewannen die Hessen auch zum Rückrunden-Auftakt gegen den Aufstiegsaspiranten Alemannia Aachen.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Trainer Frank über den Saisonauftakt, die Neuverpflichtungen, das Spiel in Duisburg und die Chancen auf den Klassenerhalt.

bundesliga.de: Herr Frank, nach dem Pokal-Coup im Achtelfinale in Karlsruhe haben Sie mit Ihrer Mannschaft auch zum Rückrunden-Auftakt gegen Aachen mit 1:0 gewonnen. Haben Sie sich den Start ins neue Fußball-Jahr genauso vorgestellt?

Wolfgang Frank: Als Trainer hofft man immer, dass die Spieler alles so umsetzen, wie man es sich vorgestellt hat. Dafür haben wie vier Wochen lang wirklich sehr hart gearbeitet und es hat funktioniert.

bundesliga.de: Wo haben Sie nach Ihrem Amtsantritt kurz vor Weihnachten zuerst den Hebel angesetzt?

Frank: Da genügte ein Blick auf die Tabelle - auch jetzt noch. Wir haben zu wenig Tore geschossen und zu viele Gegentore kassiert. Und das haben wir versucht zu korrigieren.

bundesliga.de: Mit Fabian Schönheim für die Defensive und Marcel Ziemer für die Offensive haben Sie sich gezielt verstärkt. Waren das die fehlenden Puzzleteile?

Frank: Die beiden Spieler sind noch jung, bringen aber auch schon ein gewisses Maß an Erfahrung mit. Was sie können, und dass sie zu uns passen, haben sie in den Spielen gegen Karlsruhe und Aachen gezeigt.

bundesliga.de: Mit Levan Tskitishvili haben Sie kurz vor dem Ende der Transferperiode II einen erfahrenen Spieler verpflichtet. Wie wichtig war es Ihnen, neben den jungen Ziemer und Schönheim noch einen routinierten Spieler mit Bundesliga-Erfahrung zu holen?

Frank: Die Erfahrung ist sehr wichtig. Levan ist ein Teamspieler. Von seinem Charakter und seinen fußballerischen Möglichkeiten kann er uns sicherlich weiterhelfen.

bundesliga.de: Ihr Spieler Benjamin Siegert hat gesagt, dass Sie neue Emotionen geweckt haben. Wie haben Sie das gemacht?

Frank: Ich glaube nicht, dass ich neue Emotionen geweckt habe. Mein Vorgänger Christian Hock hat eine gute Basis hinterlassen. Ich habe viel mehr die Emotionen erneuert, in dem ich bestehende Abläufe anders angegangen bin. Nach der Hinrunde musste ja auch was geändert werden. Es mussten Blockaden gelöst werden, um neue Kräfte freizulegen. Und gerade wenn es um den Klassenerhalt geht, muss ein spezieller Teamgeist entwickelt werden. Dass sich jetzt so schnell der Erfolg eingestellt hat, ist natürlich sehr schön. Aber wir stehen erst am Anfang.

bundesliga.de: Im DFB-Pokal hat Wehen Wiesbaden in dieser Saison schon zwei Mal auswärts gewonnen. Was macht Sie zuversichtlich, dass Sie am Sonntag in Duisburg nun auch in der 2. Bundesliga endlich einmal auf fremden Platz jubeln dürfen?

Frank: Wir werden natürlich alles daran setzen, in Duisburg zu bestehen. Aber der MSV hat unter Trainer Peter Neururer noch nicht verloren. Von daher stellt das eine sehr große Herausforderung dar. Wir müssen mit viel Emotion in das Spiel gehen, aber dabei gleichzeitig auch kühlen Kopf bewahren. Dann können wir auswärts als Sieger vom Platz gehen.

bundesliga.de: Warum steigt der SV Wehen Wiesbaden in diesem verflixten zweiten Jahr nicht ab?

Frank: Weil wir konsequent das Ziel Klassenerhalt anstreben und alles daran setzen. Das sagen natürlich auch die anderen Mannschaften. Aber wir werden einfach noch mehr arbeiten, damit die Wahrscheinlichkeit, dieses Ziel zu erreichen, auf unserer Seite ist. Eine Garantie gibt es dafür jedoch nicht.

Das Gespräch führte Michael Reis