Nürnberg - In einem stimmungsvollen Derby setzt sich der 1. FC Nürnberg verdient gegen den TSV 1860 München durch. Während der Club wieder vorsichtig optimistisch in die Zukunft blickt, stellt man sich bei den Löwen auf Abstiegskampf ein.

Es war das Duell zweier Traditionsvereine, ein stimmungsvolles Derby, das an einem eisigkalten Montag Abend über 32.000 Zuschauer in die Nürnberger Arena zog. Grund zu feiern hatten jedoch nur die 28.000 Fans des 1. FC Nürnberg, die nach dem zweiten Heimsieg in Folge wieder optimistischer in die Zukunft blicken können. Auf Platz 12 rangiert der Club derzeit – fünf Zähler vor den Löwen, die nach der 1:2-Niederlage im Fränkischen auf dem Relegationsplatz stehen, mit 15 Punkten aus 16 Spielen

Immerhin: Spieler und Funktionäre der "Blauen" zeigten sich selbstkritisch. "Wir müssen anders auftreten, energischer auf dem Platz sein", forderte Routinier Daniel Adlung. "Es ist jetzt wirklich kurz vor knapp." Und Keeper Stefan Ortega ergänzte: "Die Leute lachen ja schon über uns, weil wir mit dieser Mannschaft da unten drin stehen. Jetzt ist es kurz vor knapp. Weiter runter geht es nicht mehr."

Ganz anders die Stimmung im Lager der Nürnberger, wo man noch vor wenigen Wochen ebenfalls mit dem Schlimmsten rechnen musste: Damit, nach dem unglücklichen Abstieg aus der ersten Liga in dieser Spielzeit durchgereicht zu werden. Nach den beiden Siegen gegen Ingolstadt und 1860 sowie einer zumindest defensiv ansprechenden Leistung beim 0:1 in Braunschweig sieht man bei den Franken wieder fröhlichere Gesichter.

Fröhliche Mienen beim FCN

Zum Beispiel das von Kapitän Jan Polak, der – ohne Namen zu nennen – dem neuen Coach René Weiler ein Kompliment machte: "Wir haben uns in den letzten drei Wochen vieles erarbeitet. Das hat man auch heute gesehen." So sah es auch Alessandro Schöpf, der mit einer feinen Einzelleistung das 1:0 erzielt (14.) und mit einem intelligenten Pass den zweiten Treffer von Jakub Sylvestr (17.) vorbereitet hatte.

"Eigentlich hätten wir in der ersten Halbzeit den Sack schon zumachen müssen", analysierte er unter Verweis auf ein paar ausgelassene Großchancen im ersten Durchgang. "Ich glaube, die Mannschaft hat eine hohe Qualität, sonst hätten wir auch nicht gegen Spitzenteams wie Leipzig oder Kaiserslautern gewonnen." Man dürfe allerdings nicht den Fehler machen und sich zufrieden zurücklehnen. "Wir tun jetzt gut daran, die Tabelle mal zur Seite zu legen." So sah es auch Trainer René Weiler, der sich ebenfalls kein euphorisches Statement entlocken ließ und nur betonte, sein Team trete "stabiler" auf als zuletzt. "Auch das Spiel nach vorne läuft besser."

Okotie schmerzlich vermisst

Weilers Kollege Markus von Ahlen blickte derweil traurig drein. Die Bilanz von neun Punkten aus zehn Spielen unter seiner Regie ist ausbaufähig, wenngleich der junge Trainer zurecht einige Entschuldigungsgründe anführte: Die gelb-rote Karte für Rechtsverteidiger Martin Angha war eine harte (aber vertretbare) Entscheidung, das Fehlen von Torjäger Ruben Okotie (10 Treffer in 14 Spielen) war zudem kaum zu kompensieren. Zudem setzte von Ahlen auf eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft, der Formschwankungen natürlich zugestanden werden müssen.

Bei den Löwen-Fans scheinen die junge Mannschaft und ihr Trainer jedenfalls noch Kredit zu haben: Nach dem Schlusspfiff gab es nur vereinzelte Pfiffe, viele Fans in der Gästekurve hoben sogar die Hände zum Applaus.

Aus Nürnberg berichtet Christoph Ruf