Düsseldorf - Der FC St. Pauli hat in der 2. Bundesliga seine Chancen auf den Relegationsplatz gewahrt. Dank eines bei Fortuna Düsseldorf liegen die Hamburger weiterhin aussichtsreich im Aufstiegsrennen nur zwei Punkte hinter dem Konkurrenten aus dem Rheinland.

Es hätte sogar noch mehr als der eine Punkt für die "Kiezkicker" herausspringen können. Doch nach einer über weite Strecken starken Vorstellung schwächten sich die Norddeutschen durch den Platzverweis von Carlos Zambrano eine Viertelstunde vor Schluss selbst. So mussten sich die Hanseaten mit der Punkteteilung zufrieden geben.

Defensiv stark - offensiv zu harmlos



Wie so oft in der Rückrunde präsentierte der FC St. Pauli zwei Gesichter. Defensiv stark, offensiv eher harmlos. Standen die "Kiezkicker" in der Hinrunde noch für Offensivspektakel, so haben sie sich in der Rückrunde zu Defensivspezialisten entwickelt. Nach 36:20-Toren in der Vorrunde, als St. Pauli noch den drittbesten Angriff der Liga stellte, gelangen den Hamburgern in der Rückserie in elf Spielen nur noch 9:7-Tore.

Die wenigen Gegentore sind Liga-Bestwert der Rückrunde, die Offensive jedoch schwächelt bedenklich. "Wir sind in der Defensive gegenüber der Hinrunde deutlich stabiler geworden. Aber wir haben das auf Kosten der Schwächung der Offensive erreicht. Wir arbeiten daran, die Balance hinzukriegen", sagt St. Pauli-Sportchef Helmut Schulte.

Nicht nur die Offensivleistung hinkt momentan, der Verein hat insgesamt einiges von der Unbekümmertheit der Hinrunde eingebüßt. Nur eines der letzten sechs Spiele konnte St. Pauli gewinnen, zuletzt blieb der Bundesliga-Absteiger drei Mal in Folge ohne "Dreier". Dass der Aufstieg über die Relegation trotzdem immer noch möglich ist, liegt an der ebenfalls nachlassenden Konkurrenz aus Düsseldorf und Paderborn.

Harter Kampf um Platz 3



Der direkte Aufstieg hingegen dürfte bei inzwischen acht Punkten Rückstand außer Reichweite liegen. "Man muss sich eingestehen, dass Greuther Fürth und Eintracht Frankfurt konstant gut sind und ihre Spiele souverän gewinnen. Deshalb brauchen wir uns über die ersten beiden Plätze im Moment keine Gedanken zu machen", meint Torjäger Max Kruse.

Aber Platz 3 ist noch drin und würde alle Optionen offen lassen. Auch wenn Helmut Schulte etwas tiefstapelt. "Wir haben in Düsseldorf die Möglichkeit verpasst, uns gegen den direkten Konkurrenten in eine bessere Position zu bringen. Wir haben es nun nicht mehr selbst in der Hand. Wir müssen Punkte gut machen", weiß der Sportchef: "Es ist ein kleines bisschen unwahrscheinlicher geworden. Aber in sechs Spielen ist alles möglich. Beide Mannschaften haben das Zeug, Dritter zu werden."

"Dann ist alles möglich"



Die Spieler schätzen die Lage etwas optimistischer ein. "Die Konstellation ist gleich geblieben, es ist alles eng, aber machbar. Wir haben eine gute Ausgangsposition", glaubt Torhüter Benedikt Pliquett, der in fünf der letzten sieben Spiele ohne Gegentor blieb und sich auf den Endspurt freut: "Jetzt wird es lustig, jetzt geht es los, jetzt gucken wir, was passiert. Wir müssen einfach mal wieder die Bude treffen. Dann ist alles möglich."

In der kommenden englischen Woche könnte eine Vorentscheidung fallen. St. Pauli muss zunächst zum FSV Frankfurt, empfängt anschließend Union Berlin und reist dann zur SpVgg Greuther Fürth. "Nach den Spielen sehen wir, wohin der Weg führt", sagt Kruse.

Aus Düsseldorf berichtet Tobias Gonscherowski