Aue - Ein Punkt gewonnen oder zwei verloren? Die Spieler des FC Erzgebirge Aue wussten nach dem torlosen Remis auf eigenem Platz gegen Energie Cottbus selbst nicht so recht, was sie von der Partie halten sollten.

Vor dem Spiel hatte Aues Mittelfeldmann Marc Hensel noch die Devise ausgegeben, von 17 Heimpartien mindestens zehn gewinnen zu wollen. Nach der Partie gegen die Wollitz-Elf ist die Bilanz im Sparkassen-Erzgebirgsstadion für die Sachsen allerdings mehr als mager: Saisonübergreifend holte das Team von Rico Schmitt aus den letzten acht Heimspielen nur einen Sieg, bei vier Unentschieden und drei Niederlagen.

Schröder: "Brauchen Erfolgserlebnis"

Oliver Schröder, Hensels Partner auf Aues Doppel-Sechs, stellte nach dem 0:0 fest: "Wir brauchen endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis." Als solches betrachteten die "Veilchen" das Unentschieden offenbar nicht.

"Wir sind gut draufgegangen und haben unheimlich viel Laufarbeit investiert", beschrieb Schröder den Aufwand des FC Erzgebirge. Tatsächlich gewannen die Sachsen nicht nur mehr Zweikämpfe (54 Prozent zu 46 Prozent), sondern gaben auch mehr Torschüsse ab (13 zu neun).

Zu hohe Erwartungen?

Ein wenig wirkt es, als litte das Auer Team an der hohen Erwartungshaltung von Medien und Umfeld nach der tollen Vorsaison, als man erstmals in der Vereinsgeschichte Platz 5 in der 2. Bundesliga erreichte. Trotz des durchaus passablen Saisonstarts mit vier Punkten aus den ersten beiden Ligaspielen und dem Weiterkommen im Pokal habe man "eigentlich seit dem ersten Spieltag nur auf die Ohren bekommen," schildert der 31-Jährige Schröder seinen Eindruck.

"Ich denke, das hat uns verunsichert", so der Routinier. "Es war ja wohl jedem klar, dass wir diese Saison nicht um Platz 1 mitspielen", versucht der 115-malige Bundesligaspieler die Erwartungen zu dämpfen. "So einen Lauf wie in der Hinrunde der vergangenen Spielzeit kann man nicht mal eben so mit einem Fingerschnippen wiederholen."

Nur zwei Punkte vor den Abstiegsrängen

In der Tat dürfte nach einem knappen Fünftel der Saison im Erzgebirge langsam wieder Ernüchterung einkehren.

Mit sechs Zählern aus sechs Spielen haben die "Veilchen" nicht mal die Hälfte der Ausbeute wie zum gleichen Zeitpunkt 2010/11 auf dem Konto, der Vorsprung zu den Abstiegsplätzen beträgt lediglich zwei Punkte. In vier der sechs Partien blieb der FC Erzgebirge zudem ohne eigenen Torerfolg, traf insgesamt erst zweimal.

Schmitt: "Toreschießen immer das Schwerste"

Trainer Rico Schmitt konstatierte in Anspielung auf die eng mit dem Bergbau verbundene Geschichte der früheren BSG Wismut: "Wir kommen aus der Tiefe und da werden wir auch bleiben." Dennoch wollte der 42-Jährige vor allem das Positive sehen: Gegen "gute Cottbuser" habe man sich in die Partie "reingebissen und bravourös gekämpft". Seine Mannschaft habe "Charakter gezeigt", aber das "Toreschießen ist eben immer das Schwerste". Vor allem während der eigenen Druckphase nach der Pause habe man sich in der Vorwärtsbewegung zu "dumm angestellt". Deswegen verbuchte der gebürtige Chemnitzer das 0:0 als "klaren Punktgewinn". Immerhin: Es war schon der zweite in Folge.

Nach der Länderspielpause steht für die Erzgebirgler wieder ein Auswärtsspiel an. "Beim FSV Frankfurt müssen wir punkten", fordert Oliver Schröder, "da führt kein Weg dran vorbei". Ein gutes Resultat bei den Hessen wird auch nötig sein, denn in der zweiten Septemberhälfte warten mit Fortuna Düsseldorf und dem FC St. Pauli wieder zwei Aufstiegskandidaten auf die Schmitt-Elf. Innenverteidiger Thomas Paulus ist trotzdem zuversichtlich: "Wir müssen weiter an uns arbeiten, dann wird uns auch irgendwann wieder ein Sieg gelingen."

Aus Aue berichtet André Anchuelo