Berlin - Aufstiegsaspirant VfL Bochum hat einen klassischen Fehlstart hingelegt: Nach dem 1:2 bei Union Berlin hat das Team von Friedhelm Funkel nur vier Punkte aus fünf Spielen auf dem Konto.

Dabei hatte es beim unglücklichen 1:2 gegen den FC St. Pauli eigentlich nach einem Aufwärtstrend ausgesehen. Doch am fünften Spieltag verlor der Ruhrclub erneut mit 1:2 - bei kämpferisch erstklassigen, aber spielerisch durchaus limitierten Hauptstädtern.

Todt ist verärgert

"Union hat in jeder Phase des Spiels alles gegeben und uns niedergerungen", analysierte Bochums Manager Jens Todt. "Das war ein Rückschritt - Union war galliger, giftiger, griffiger." So etwas dürfe sich nicht wiederholen. Was den VfL-Sportchef, als aktiver Spieler selber eine Kämpfernatur, besonders ärgerte: "Beide Gegentore waren Geschenke von uns an die Berliner." Nachdem gegen St. Pauli vor allem die Außenverteidiger Probleme hatten, waren es diesmal ausgerechnet die beiden erfahrenen Recken in der Bochumer Innenverteidigung.

Marcel Maltritz und Lukas Sinkiewicz - zusammen kommen sie auf über 300 Bundesligaeinsätze - erreichten im Stadion an der Alten Försterei kaum ihr gewohntes Niveau. Ex-Nationalspieler Sinkiewicz verursachte den Elfmeter, mit dem die "Eisernen" ausglichen. Maltritz verursachte mit einem unfassbaren Stellungsfehler den Siegtreffer der Gastgeber. "Jede Woche haben wir jemanden dabei, der durch individuelle Fehler Gegentore mitverursacht", verwies Todt auf die Tatsache, dass die Funkel-Elf nicht zum ersten Mal Geschenke verteilte.

"Wir kriegen es einfach nicht hin, mal über 90 Minuten stabil in der Defensive zu sein und gleichzeitg gefährliche Offensivaktionen zu starten", konstatierte Todt. Doch die Feststellung des einstigen Defensivallrounders, dass man über "einen großen, breiten Kader" verfüge und auch "auf der Bank Qualität" besitze, spricht nicht gerade für Trainer Friedhelm Funkel.

Hinten fehlerhaft, vorne harmlos

Der machte wie sein Chef vor allem auf die individuellen Abwehrfehler aufmerksam. Aber auch im Aufbau wirkten die Ruhrstädter alles andere als bundesligareif. Zwar sorgte der japanische Neuzugang Takashi Inui erneut für viel Wirbel und krönte seine Leistung mit dem zwischenzeitlichen Führungstreffer. Doch war der 23-Jährige bei seinen Bemühungen ziemlich auf sich allein gestellt. Von Ex-Nationalspieler Paul Freier war wenig zu sehen, während es Giovanni Federico nicht mal in den Kader geschafft hatte.

Hoffnung auf die Wende

Aus zwei Gründen können die Bochumer Anhänger dennoch hoffen. Zum einen meldete sich in Berlin Chong Tese, mit zehn Treffern der Shootingstar der Vorsaison, wieder zurück. Zudem werden bald weitere Leistungsträger nach Verletzungspause an der Castroper Straße zurückerwartet. Kapitän Christoph Dabrowski könnte dem defensiven Mittelfeld wieder mehr Stabilität verleihen, während Mimoun Azaouagh für größere Kreativität im Spielaufbau steht.

Zum anderen hatte auch die vergangene Saison alles andere als perfekt begonnen. Zum selben Zeitpunkt hatte der VfL 20010/11 lediglich zwei Zähler mehr auf dem Konto und rollte nach und nach das Feld von hinten auf. Erst in der Relegation scheiterte die Mission Wiederaufsteig des langjährigen Bundesligisten. Allerdings empfängt Bochum am kommenden Freitag ausgerechnet die SpVgg Greuther Fürth. Die Franken sind mit einer Serie von zuletzt vier Siegen ohne Gegentor die Mannschaft der Stunde und stehen da, wo der VfL erst noch hin will: auf einem direkten Aufstiegsplatz.

Aus Berlin berichtet Andre Anchuelo