Nach fünf Jahren Abstinenz hat mit dem 1. FC Union Berlin ein Kultverein die Rückkehr unter die besten 36 Proficlubs Deutschlands geschafft.

Die "Eisernen" setzten sich in der abgelaufenen Saison der 3. Liga souverän mit neun Punkten Vorsprung auf Mitaufsteiger Fortuna Düsseldorf durch.

bundesliga.de stellt den künftigen Zweitligisten aus der Hauptstadt vor, der bereits zahlreiche Höhen und Tiefen in sportlicher und wirtschaftlicher Hinsicht durchlebte.

Bankrott drohte - Lizenz verweigert

Der 1. FC Union Berlin ist im Berliner Ortsteil Köpenick beheimatet. Der Club wurde 1966 gegründet, basiert jedoch auf dem bereits 1906 entstanden FC Olympia Oberschöneweide. Union ist neben Hertha BSC einer der bekanntesten Vereine der Hauptstadt.

Den größten Erfolg zu DDR-Zeiten feierte der Verein 1968 mit dem Gewinn des FDGB-Pokals. Nach der Wende qualifizierte sich Union zwar 1993 und 1994 sportlich für die 2. Bundesliga, erhielt jedoch beide Male keine Lizenz für das Unterhaus.

Der Verein war nicht zuletzt durch zahlreiche Trainerwechsel in Unruhe und wirtschaftliche Schieflage geraten. Es drohte der Bankrott. Erst nach dem Einstieg eines neuen Großsponsors im Jahr 1998 ging es wieder bergauf.

Von der Regionalliga in den Europapokal

2001 qualifizierte sich der 1. FC Union Berlin als Meister der Regionalliga Nord erneut auf sportlichem Weg für die 2. Bundesliga und erfüllte diesmal alle Lizenzbedingungen. Auch im DFB-Pokal sorgten die Berliner in der gleichen Saison für Furore und unterlagen erst im Finale dem FC Schalke 04 (0:2).

Da die "Knappen" die Bundesliga-Saison als Tabellenzweiter abschlossen, durfte der Überraschungs-Pokalfinalist in der folgenden Spielzeit im UEFA-Cup antreten und erreichte gegen den finnischen Vertreter Haka Valkeakoski (1:1/3:0) sogar die 2. Runde. Dort unterlag man gegen Litex Lowetsch aus Bulgarien.

Union überraschte die etablierte Konkurrenz in der 2. Bundesliga und hielt als Sechster (01/02) und Neunter (02/03) zwei Mal sicher die Klasse. Doch auf die erfolgreichsten Jahre in der Vereinsgeschichte folgte der wohl größte Absturz der Clubhistorie.

Ein Mal Oberliga und zurück

Selbst sechs verschiedene Trainer konnten nicht verhindern, dass sich "Eisern Union" nach zwei verkorksten Spielzeiten und zwei Abstiegen in Serie plötzlich in der Oberliga wiederfand. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht geriet der Verein erneut in arge Bedrängnis und nur eine Spenden-Aktion der Fans ("Bluten für Union") bewahrte den Traditionsverein vor dem finanziellen Kollaps.

Mit Trainer Christian Schreier kehrte jedoch der Erfolg zurück. Der Mannschaft glückte der sofortige Wiederaufstieg in die Regionalliga und in der Folgesaison der Klassenerhalt. Aus persönlichen Gründen trat Schreier jedoch von seinem Posten zurück.

Unter dem heutigen Trainer Uwe Neuhaus qualifizierte sich Union 2007/08 als Tabellenvierter für die neugeschaffene 3. Liga, die man mit einer glänzenden Defensivleistung dominierte. In 38 Partien mussten die Berliner nur 23 Gegentreffer hinnehmen. 21 Mal blieb Torhüter Jan Glinker dabei ohne Gegentreffer.

Toptorjäger langfristig an den Verein gebunden

Zweiter Erfolgsgarant war Karim Benyamina: Der Stürmer spielt bereits seit vier Jahren bei Union Berlin und erzielte in 153 Pflichtspielen 74 Tore. In der abgelaufenen Saison gelangen ihm 16 Treffer, womit er den 4. Platz der Torjägerliste belegte.

"Er hat sich in den letzten Jahren bei uns sehr gut entwickelt und kann auch in der 2. Bundesliga eine gute Rolle spielen", freute sich Sportdirektor Christian Beeck. Der neue Vertrag des 27-jährigen Angreifers läuft bis 2011 und gilt für die 2. Bundesliga.

Rechtzeitig zur Rückkehr in den Profifußball kehrt die Mannschaft ins Stadion "An der Alten Försterei" zurück. Dieses wird derzeit - in Eigenregie unter tatkräftiger Hilfe der treuen Anhänger - noch renoviert und soll künftig 23.000 Zuschauern Platz bieten. Zuletzt waren die "Eisernen" in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ausgewichen.

Andreas Gellrich