Kapitän Benjamin Kessel bejubelt den Aufstieg von Eintracht Braunschweig - © imago images / Hübner
Kapitän Benjamin Kessel bejubelt den Aufstieg von Eintracht Braunschweig - © imago images / Hübner
2. Bundesliga

Durch die "Hölle" und zurück: Eintracht Braunschweig will sich in der 2. Bundesliga etablieren

Nach zwei Jahren ist ein Traditionsverein wieder zurück in der 2. Bundesliga: Eintracht Braunschweig feierte nach der Coronapause einen sensationellen Schlussspurt in der 3. Liga und letztlich den Aufstieg. Dabei liegen hinter den Niedersachsen turbulente Tage: Nach dem Abstieg 2018 wurde der Deutsche Meister von 1967 beinahe durchgereicht, nur ein Jahr später ist das Comeback geschafft.

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Am vorletzten Spieltag in der 3. Liga machten die Braunschweiger die Rückkehr perfekt, ein 3:2 gegen Waldhof Mannheim ließ keine Zweifel mehr am Aufstieg der Eintracht, die vor der Unterbrechung des Spielbetriebs noch im Tabellenmittelfeld gestanden hatte. Auch deshalb wurde Kapitän Bernd Nehrig bei der Feier nach Spielende deutlich: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Es ist einfach eine geile Scheiße heute. Wir haben so viel auf die Fresse bekommen zusammen. Aber ich finde es einfach überragend, wie wir alle zusammengehalten haben", lobte der 33 Jahre alte Mittelfeldroutinier den Teamgeist seiner Mannschaft.

Deutlich druckreifer, aber nicht minder pathetisch formulierte es der Verein selbst auf dem eigenen Instagramkanal: "Nach dem Abstieg 2018 sind wir durch die Hölle gegangen. Im vergangenen Jahr auf den allerletzten Drücker die Klasse gehalten, gut ein Jahr mit einigen Aufs und Abs später sind wir zurück in der 2. Bundesliga", heißt es dort. Und in Anspielung auf die Ausgangslage nach der Coronapause, als die Eintracht drei Punkte hinter einem Aufstiegsrang auf Platz neun lag: "Auch wenn einige nicht mehr daran geglaubt haben. Jetzt wissen wir: Am Ende kackt die Ente! Dieser sportliche Erfolg ist eine Team-Leistung. Auf und abseits des Platzes."

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Und tatsächlich sah es lange nicht nach einem Happy End für die Niedersachsen in der zurückliegenden Saison aus. Nach dem Last-Minute-Klassenerhalt 2019, als lediglich die bessere Tordifferenz den Drittliga-Verbleib der Braunschweiger sicherte, wechselte Retter André Schubert zu Holstein Kiel. Christian Flüthmann musste trotz ordentlicher Bilanz seinen Stuhl nach dem 14. Spieltag räumen, auf ihn folgte Marco Antwerpen, der den einstigen Deutschen Meister zurück in die 2. Bundesliga führte. Dort wird der frühere Stürmer die Eintracht allerdings nicht coachen – sein zum Saisonende auslaufender Vertrag wurde überraschend nicht verlängert.

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Auf Antwerpen folgt nun als neuer Coach der Niedersachsen Daniel Meyer, der bis August 2019 bei Erzgebirge Aue an der Seitenlinie stand. Mit dem 40 Jahre alte Fußballlehrer soll der Eintracht die Etablierung in der 2. Bundesliga gelingen – mit Erlebnis- statt Ergebnisfußball. "Braunschweig gehört mindestens in die 2. Bundesliga, da sehen wir uns auch. Auf der Ebene wollen wir uns stabilisieren und uns von Glücksthemen oder Zufällen unabhängig machen und versuchen eine rote Linie einzuziehen", formuliert Meyer die Ziele der Braunschweiger: "Wir wollen eine Philosophie haben und entwickeln, die uns über einen längeren Zeitraum wieder trägt, wie es in der Ära Lieberknecht schon mal der Fall war."

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Braunschweigs neuer Coach Daniel Meyer bei seiner Vorstellung - imago images / Hübner

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Kontinuität – das ist ein Schlagwort, das der neue Trainer des Aufsteigers angesichts der Turbulenzen in der jüngeren Vergangenheit des Vereins öfters erwähnt. Die Erleichterung, dass man wieder in der 2. Bundesliga ist, ist mit Sicherheit groß nach dem vermiedenen Abstieg in die Regionalliga vor einem Jahr. Wir müssen sehen, dass wir uns nachhaltig etablieren und an welchen Stellschrauben wir jetzt drehen können und kurzfristig auch drehen müssen", erklärt der gebürtige Hallenser, der vor allem die Begeisterung in Braunschweig nutzen will: "Für mich ist interessant, welche Möglichkeiten an dem Standort vorhanden sind. Die emotionale Seite ist für mich eine große Antriebsfeder, in den nächsten Monaten und hoffentlich über einen längeren Zeitraum. Wir wollen wieder mehr Kontinuität an den Tag legen und eine gute Zeit anstoßen."

Eine gute Zeit – das würde für die Eintracht bedeuten, von den turbulenten Tagen der vergangenen Jahre Abschied zu nehmen. Für Meyer heißt das, die Vorzüge des Deutschen Meisters von 1967 in den Vordergrund zu rücken: "Die Eintracht ist ein Traditionsstandort und vor allem ein fanbasierter Verein, was jedem, der Fußball liebt, dann auch Freude macht, wenn man sieht, welche Emotionen hier möglich sind. Die Stadt lebt diesen Verein, in positiven als auch negativen Ausschlägen", unterstreicht der neue Coach, der zwei Jahre lang als Jugendleiter beim 1. FC Köln fungierte: "Das ist für jeden, der für diesen Club arbeiten kann, eine große Motivation, die Dinge eher in die positive Richtung zu lenken und dann Teil einer solchen Geschichte zu sein", so Meyer. Und dass die Eintracht das Potenzial hat, Geschichte zu schreiben, das zeigt allein die jüngere Vergangenheit ganz deutlich.

Thomas Reinscheid