Fan-Freundschaft, ein Pfälzer auf der Bank der "Löwen" - das alles sollte für 90 Minuten keine Rolle spielen.

"Fan-Freundschaft hin oder her, unser Ziel ist, dass nur die Löwen-Fans Grund zum Feiern haben. Keiner wird dem anderen etwas schenken", hatte Benjamin Lauth in der Stadionzeitung "Löwen-News" die Richtung vorgegeben.

Und die Mannschaft begann schwungvoll die Worte ihres Kapitäns auf dem Platz umzusetzen. Bereits in der 6. Minute brachte Michael Schick mit einem direkt verwandelten Freistoß-Kunstschuss die Fans ins Schwärmen. In der Folge entwickelte sich ein turbulentes Spiel mit diversen brenzligen Tor-Szenen. Doch es gelang nur noch ein Treffer: Lauterns Erik Jendrisek glich mit seinem elften Saisontor aus (27.).

Beide Trainer schwärmen

Am Ende sorgte das 13. Unentschieden zwischen 1860 München und dem 1. FC Kaiserslautern in der Bundes- und Zweitliga-Historie aber dafür, dass die befreundeten Fan-Gruppen in Münchens Biergärten unbeschwert feiern konnten.

Milan Sasic und Uwe Wolf, Pfälzer und bekennender FCK-Fan, waren sich einig darin, ein großes Spiel gesehen zu haben - auch wenn beide Trainer den Sieg für sich als verdient reklamierten. "Es war ein gutes Spiel für die Zuschauer. Wir haben versäumt, das 2:0 nachzulegen. Daher bin ich mit dem Unentschieden nicht zufrieden", lautete Wolfs Fazit.

"Es war ein großes Spiel. Wir hätten den Sieg verdient gehabt", konterte Wolfs Kollege Sasic, um dann regelrecht ins Schwärmen zu geraten: "Es gibt Gründe ins Stadion zu kommen. Heute war so ein Abend. Was wurde nicht alles geboten? Freud und Leid lagen dicht beieinander. Wenn man mich fragen würde, ob ich lieber drei Punkte mitnehmen oder so ein Spiel sehen darf, ich wüsste nicht, was ich vorziehen würde." Da stimmte dann auch Wolf zu: "Fußball-Herz, was willst Du mehr?"

Hoffmann warnt seine "Löwen"

Allerdings: Das Unentschieden brachte keine Mannschaft so richtig weiter. Die Münchner schauen weiter nach unten.

"Es überwiegt die Enttäuschung, der eine Punkt bringt uns nicht ins Ziel. Wir müssen in Oberhausen gewinnen, um sicher zu sein", sagte Torhüter Michael Hofmann angesichts von nun sieben Zählern Vorsprung auf Rang 16. Hofmann hielt den einen Punkt für die "Löwen" fest, als er fünf Minuten vor Schluss einen Handelfmeter von Anel Dzaka parierte.

"Ich bin lange genug dabei. Wir haben zu Erstliga-Zeiten eine ähnliche Situation gehabt, wo wir gesagt haben, es sind noch genug Spiele und wir haben die Qualität", warnt Routinier Torben Hoffmann davor, die Saison schon abzuhaken.

Kuntz: "Sind weiter dabei"

Der 1. FC Kaiserslautern blieb zwar zum vierten Mal in der Fremde unbesiegt, verpasste aber die Chance, mit Mainz 05 und der SpVgg Greuther Fürth nach Punkten gleichzuziehen.

Der FCK ist weiter Fünfter, liegt aber jetzt zwei Punkte hinter Relegationsplatz drei zurück. "Wir sind weiter dabei", sagte Vorstandschef Stefan Kuntz, doch er wusste auch: "Einer von den Großen muss schwächeln, damit wir noch eine Chance bekommen." Sasic versprach schon mal: "Jetzt greifen wir noch einmal richtig an."

Jürgen Blöhs