Mit erfrischendem Offensivfußball fegte der FC St. Pauli in der abgelaufenen Saison durch die 2. Bundesliga und feierte am Ende der Spielzeit als Tabellen-Zweiter den unerwarteten Aufstieg in die Bundesliga.

Einen großen Anteil am aktuellen Erfolg der "Kiez-Kicker" hat Trainer Holger Stanislawski. Am 20. November 2006 übernahm er vorerst kommissarisch das Traineramt. Seither führte er St. Pauli immer zu neuen Höhen.

Im Interview mit bundesliga.de blickt Stanislawski auf eine bewegende Saison seiner Mannschaft zurück und spricht ihr ein großes Lob zu. Er sagt, woran St. Pauli bis zum Start der neuen Bundesliga-Saison noch arbeiten muss und freut sich schon jetzt auf die Duelle mit den Bayern und vor allem mit dem HSV.

bundesliga.de: Herr Stanislawski, herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg. Haben Sie den Erfolg ausgiebig feiern können?

Holger Stanislawski: Ja, doch. Schließlich haben wir etwas ganz besonders geleistet und sehr hart dafür gearbeitet. Da darf und kann man dann schon mal richtig feiern.

bundesliga.de Sind Sie seit dem Aufstieg eigentlich überhaupt zum Arbeiten gekommen? Und wenn ja, was waren die ersten Dinge, die Sie in Hinblick auf die Bundesliga erledigt haben oder erledigen werden?

Stanislawski: Natürlich bleibt die Arbeit trotz des Aufstiegs nicht liegen - im Gegenteil. Aber wir beschäftigen uns ja auch nicht erst seit dem Sieg bei der SpVgg Greuther Fürth mit der kommenden Saison. Priorität hat jetzt natürlich die Zusammenstellung des Kaders für die neue Saison.

bundesliga.de: Gegen Mitte der Rückrunde gab es drei Niederlagen in Folge für Ihre Mannschaft. Danach haben Sie sozusagen eine neue Saison ausgerufen. Ganz offensichtlich hat die Mannschaft diese Herausforderung angenommen?

Stanislawski: Das hat sie - und zwar in beeindruckender Art und Weise. Davor ziehe ich den Hut vor der Truppe. Wir haben einige Dinge umgestellt, wie beispielsweise die Rückkehr zu unserem Trainingsgelände. Zuvor hatten wir witterungsbedingt im und am Millerntor-Stadion trainiert. Die Mannschaft selbst hat sich sehr gut eingebracht und war gewillt, den Schalter umzulegen.

bundesliga.de: Ihre Elf schoss die meisten Saisontore in der 2. Bundesliga seit 2001/02. Wie schwer wird es sein, diese offensive Spielweise auch in der Bundesliga beizubehalten?

Stanislawski: Ohne pessimistisch klingen zu wollen, glaube ich aber nicht, dass wir in der nächsten Saison die meisten Tore in der Bundesliga schießen werden. Aber wir werden dennoch an unserer Spielweise festhalten. Wir wollen unseren Fans frischen, schnellen Offensivfußball bieten.

bundesliga.de Auch wenn Sie nicht der Mann für das grelle Rampenlicht sind. Sind Sie dennoch stolz auf Ihre Arbeit?

Stanislawski: Das kann man schon sagen. Ob stolz nun das richtige Wort dafür ist, sei mal dahingestellt. Es ist aber sicherlich eine große Portion Genugtuung dabei. Wenn man bedankt, wo wir - und da meine ich den gesamten Verein - vor wenigen Jahren standen, hat sich hier einiges höchst positiv entwickelt. Das spricht aber eben auch für den gesamten Verein und verantwortlich handelnden Personen.

bundesliga.de Jetzt darf man sich am Millerntor über große Namen freuen. So wie der FC Bayern momentan spielt, besteht eine gute Chance auf ein erneutes Duell gegen den Weltpokalsieger. Freuen Sie sich auf diese Partie?

Stanislawski: Wir freuen uns auf jede Partie in der nächsten Saison. Natürlich wird es Highlight-Spiele geben, wie eben gegen die Bayern oder die Derbys gegen den Hamburger SV.

bundesliga.de Apropos Stadtderby. Fiebern Sie diesen Begegnungen jetzt schon entgegen?

Stanislawski: Auf jeden Fall. Diese Spiele sind einfach etwas Besonderes. Das Derby-Fieber wird weit über die Stadtgrenzen hinaus spürbar sein.

bundesliga.de Spieler, Vizepräsident, sportlicher Leiter, Trainer. Und alles beim FC St. Pauli. Können Sie sich ein Leben ohne die "Kiezkicker" überhaupt noch vorstellen?

Stanislawski: Schwer, aber wir alle kennen das Geschäft. Auch ich werde eines Tages womöglich bei einem anderen Verein tätig sein. Das habe ich schon damals, als ich den Trainerjob hier übernommen habe, gesagt. Irgendwann wird vielleicht der Tag kommen, an dem der Verein mir sagen wird, dass es hier für mich nicht weitergeht. Aber daran denken wir im Moment nicht (lacht).

Die Fragen stellte Sebastian Stolz