München - Rauschhafte Fußball-Feste sehen anders aus, aber das ist dem FC Erzgebirge Aue ganz sicher egal. Warum sollten die "Veilchen" auch ihren Spielstil ändern? Sie sind schließlich erfolgreich - und höchst effizient.

Der VfB Empor Glauchau darf für sich in Anspruch nehmen, torgefährlicher als einige gestandene Vereine der 2. Bundesliga zu sein. Zwar kassierte der Bezirksligist in einem Testspiel Anfang September 13 Tore, erzielte aber auch einen Treffer gegen den FC Erzgebirge Aue - ein Erfolg, der fünf von bisher sechs Ligakonkurrenten im direkten Duell mit den Auern nicht vergönnt war.

Deswegen müssen die "Veilchen" aus Aue nicht sonderlich torgefährlich, sondern bloß effizient sein. Mit 6:3 Toren stehen sie derzeit auf Rang 5 der Tabelle - und sind damit die Minimalisten des deutschen Profi-Fußballs. Vier Gegnern ging es in dieser Saison wie Arminia Bielefeld, deren Online-Redaktion nach dem Spiel gegen Aue in Anspielung an den Spitznamen dichtete: "Die Blauen holen sich ein Veilchen".

Minimalisten des Fußballs: Vier Mal 1:0

Denn der FC Erzgebirge pflegt seine Spiele zu gewinnen, indem er sicher in der Abwehr steht und dann entschlossen zuschlägt, gerne auch per Standardsituation in der Nachspielzeit oder kurz vor Schluss. Das Ergebnis: gleich vier 1:0-Siege in sechs Spielen.

Am 1. Spieltag schoss Marc Hensel in der zweiten Minute der Nachspielzeit das Siegtor in Paderborn - nach einer Ecke. Am 2. Spieltag köpfte Kevin Schlitte das entscheidende 1:0 gegen Bochum schon in der 14. Minute - ebenfalls nach einer Ecke. Am 4. Spieltag reichte Jan Hochscheidts Treffer in der 72. Minute zum Sieg gegen Duisburg, jüngst in Bielefeld versenkte Thomas Paulus einen Elfmeter in der 87. Minute.

Aue siegt zuhause und auswärts - und keineswegs glücklich

"Wir wollen auf unsere Heimstärke bauen", hatte Aues Coach Rico Schmitt in der Saisonvorschau auf bundesliga.de angekündigt. Und nun? Stehen sogar zwei Auswärtssiege zu Buche. Lediglich beim Mitaufsteiger in Osnabrück ging die Taktik nicht auf. Dort verlor Aue am 3. Spieltag mit 2:3, obwohl die Mannschaft einen 0:2-Rückstand aufholte.

Glücklich sind diese Siege keineswegs, wie etwa Arminias Trainer Christian Ziege feststellen musste: "Aue hat hier völlig verdient gewonnen." Glück gehört allerdings auch dazu - in Bielefeld etwa verfehlte Arminias Stürmer Oliver Neuville das leere Tor aus fünf Metern, beim 0:0 in München am 5. Spieltag ließen die "Löwen" Benny Lauth und Stefan Aigner beste Chancen liegen. Dennoch hat sich Aufsteiger Aue die bisher 13 Punkte hart erarbeitet. Aggressiv und entschlossen präsentiert sich die Mannschaft in der Defensive, konterstark in der Offensive.

Gegner kommen kaum zum Torschuss - nun wartet Augsburg

Kaum einem Gegner gelingt es, gefährlich vors Auer Tor zu kommen. So verzeichnete die Armina nur drei Schüsse auf den Kasten, drei weitere wurden geblockt, acht Schüsse oder Kopfbälle gingen neben das Tor - meist, weil die Angreifer bedrängt von den "Veilchen" abschließen mussten. Dem MSV Duisburg gelang während der 90 Minuten sogar nur ein einziger Schuss auf das Tor (). Mit verantwortlich dafür ist der defensive Mittelfeldspieler Oliver Schröder, der vor der Saison aus Rostock gekommen war und in allen sechs Spielen in der Startformation stand.

Nun geht es am Sonntag gegen den FC Augsburg (ab 13.15 Uhr im Live-Ticker auf bundesliga.de). Das Team von Jos Luhukay hat die vergangenen beiden Spiele verloren, Aue dagegen geht mit breiter Brust in die Partie. 13:1 wie gegen Empor Glauchau werden die "Veilchen" ganz sicher nicht gewinnen. Aber sie wissen besser als jeder andere: Ein 1:0 gibt auch drei Punkte.

Peter Seiffert