Cottbus - Wie schon beim Heimsieg gegen Erzgebirge Aue fehlte der SpVgg Greuther Fürth auch beim 2:0-Auswärtserfolg in Cottbus der ganz große Glanz. Umso beeindruckender war die Effektivität und Abgezocktheit der Mannen von Mike Büskens.

"Wir wussten, dass es eine schwere Aufgabe in Cottbus wird, aber wir haben diese Aufgabe von Beginn an angenommen", lobte der Fürth-Coach sein Team. "Wir haben Fehler im Aufbau von Cottbus produziert, nur müssten wir da im Abschluss konzentrierter zu Werke gehen", sah der 43-Jährige aber noch Verbesserungsbedarf.

Occean beschenkt sich selbst

Mit dem Dreier im Stadion der Freundschaft verteidigten die Franken die Tabellenführung, die sie am sechsten Spieltag mit dem 4:1-Sieg in Bochum übernommen hatten. Damals unter den Torschützen: Olivier Occean. Danach war der kanadische Torjäger in fünf Partien ohne eigenen Treffer geblieben. Umso erleichterter war Occean nach dem Sieg in Cottbus: Das 1:0 erzielte der Angreifer selbst, das 2:0 von Sercan Sararer legte er auf. Mit dieser herausragenden Leistung beschenkte sich der Kanadier einen Tag vor seinem 30. Geburtstag selbst.

"Das ist fantastisch", freute sich der im Sommer von Drittligist Kickers Offenbach zur Spielvereinigung gewechselte Occean. Trotzdem gelobte der bullige Stürmer, nur mit Mineralwasser anzustoßen. "Ich bin Profi und wir haben schon am Dienstag das nächste Spiel vor uns", beeindruckte der kanadische Nationalspieler mit seiner Einstellung.

Hält die Serie gegen Paderborn?

Denn nur drei Tage nach dem kräftezehrenden Ausflug nach Cottbus - allein die Anreise mit dem Bus dauerte zehn Stunden - empfängt der fränkische Traditionsklub den SC Paderborn. In der zweiten Runde des DFB-Pokals wollen die Fürther ihre beeindruckende Serie von zwölf Pflichtspielen ohne Niederlage fortsetzen. Allein in der Liga holte das "Kleeblatt" seit der Auftaktniederlage gegen Eintracht Frankfurt aus elf Spielen 29 von 33 möglichen Punkten. Damit fehlen nur noch zwei Partien, um den Vereinsrekord von 13 Ligaspielen ohne Niederlage aus dem Jahr 2003 einzustellen.

Auch in der Liga dürfen die Fürther als nächstes in der heimischen "Trolli-Arena" ran - Gegner ist am Montag nächster Woche Eintracht Braunschweig. Damit spielt die Büskens-Elf jetzt gegen die beiden Überraschungsteams der aktuellen Saison. Angesichts von zuletzt fünf Heimsiegen in Serie kann die Büskens-Elf diesen Aufgaben aber mit breiter Brust entgegensehen, zumal Braunschweig zuletzt vier Mal sieglos blieb.

Vorne stark - hinten noch besser

Mit Christopher Nöthe (sieben Tore), der in Cottbus mitunter zu eigensinnig agierte, und Olivier Occean (sechs Treffer) hat die Spielvereinigung zwei der acht besten Angreifer der Liga in ihren Reihen. Nur Eintracht Frankfurt und Düsseldorf trafen öfter ins gegnerische Tor als die "Kleeblattler". Doch wenn es stimmt, dass die Offensive Spiele gewinnt, die Defensive aber die Meisterschaften, sieht es für Fürth noch besser aus: Mit nur sieben Gegentoren stellen die Franken die beste Abwehr der 2. Bundesliga.

In Cottbus stand im zwölften Spiel schon zum achten Mal die Null. Das könnte den Unterschied zu früheren Spielzeiten bedeuten, als Fürth mit ansehnlichem Offensivfußball meist oben mitspielte, dann aber doch immer knapp den Aufsteig verpasste. Unter Mike Büskens, der offenbar bei seinem einstigen Chef, Huub "die Null muss stehen" Stevens, genau aufgepasst hat, beeindruckt das "Kleeblatt" inzwischen durch seine gnadenlose Effektivität und spielt abgezockt wie ein Spitzenteam.

Schmidtgal tritt auf die Euphoriebremse

Teil der starken Fürther Defensive ist seit dieser Saison Linksverteidiger Heinrich Schmidtgal. Der Deutsch-Kasache, zur neuen Saison von Rot-Weiß Oberhausen an den Ronhof gewechselt, bestach auch beim Gastspiel in Cottbus mit Kompromisslosigkeit in der Defensive und Dynamik im Spiel nach vorn. Der Linksfuß warnt vor allzu großer Euphorie: "Wenn ich mir das Restprogramm bis zur Winterpause angucke, haben wir noch viele schwere Spiele vor uns."

Tatsächlich müssen die "Kleeblattler" bis Mitte Dezember noch gegen St. Pauli, Düsseldorf und die Frankfurter Eintracht ran - und damit gegen alle drei Clubs aus der Vierer-Spitzengruppe. "Deswegen ist es noch viel zu früh, jetzt schon irgendwelche Schlüsse zu ziehen", so der kasachische Nationalspieler über die Aufstiegschancen seines Teams.

Aus Cottbus berichtet André Anchuelo