Köln - Kinder sind die ehrlichsten Botschafter einer Bundesliga-Stadt. Entweder bevorzugen sie das Trikot ihres Heimatclubs oder sie tragen die Farben des FC Bayern, von Borussia Dortmund oder Schalke 04. In Düsseldorf tragen die Kinder Fortuna-Trikots.

Das Düsseldorfer Stadtbild spiegelt eine Entwicklung wider, die vor wenigen Jahren kaum denkbar gewesen wäre. War die Fortuna zu Oberliga- und Regionalligazeiten Mitte der 2000er Jahre nur Randthema in der Stadt, so beherrscht der Deutsche Meister von 1933 heute die Gespräche in den Cafés und Kneipen.

"Fortuna Thema Nr.1"

"Fortuna Düsseldorf ist Thema Nr. 1 in der Stadt. Ich sehe hier kaum noch Autos mit Aufklebern anderer Vereine. Die Zeitungen, die früher einen Artikel über die Fortuna gebracht haben, schreiben heute eine ganze Seite. Die ganze Stimmung ist unheimlich positiv", sagt Jörg Emgenbroich, Fanbetreuer der Düsseldorfer.

Die Euphorie und Aufbruchsstimmung lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. In Kürze wird der Fortuna Kids Club wohl sein 1000. Mitglied begrüßen. Die Zahl der Fanclubs und der Mitglieder unter den aktiven Fans hat sich seit 2009, dem Aufstieg in die 2. Bundesliga, ebenfalls kontinuierlich erhöht. Allein der Arbeitskreis Fanarbeit und der Supporters Club Düsseldorf zählen zusammen etwa 3500 Mitglieder.

Mannschaft hat Kredit bei Fans zurückgewonnen

Mannschaft und Verein haben sich auch wieder einen Kredit bei den Fans erarbeitet, der in düsteren Tagen der sportlichen Bedeutungslosigkeit fast komplett verbraucht wurde. So trotzten Verein und Fans gemeinsam dem Fehlstart in die vergangene Saison, die für die Fortunen mit sechs Niederlagen und dem Aus im DFB-Pokal begonnen hatte.

"Beim siebten Spiel in Osnabrück haben die Fans die Mannschaft vor dem Spiel bedingungslos gefeiert und unterstützt, hier haben wir dann mit dem 3:2-Auswärtssieg die Wende geschafft. Da hat man gesehen, dass zwischen Fans und Verein wieder etwas zusammengewachsen ist", meint Emgenbroich.

Viele Baustellen für Fanbeauftragten

Dass die Fortuna innerhalb kurzer Zeit in ganz andere Dimensionen vorgestoßen ist, kann Emgenbroich gerade auch an seinem Arbeitsaufwand ablesen. Seit April 2010 ist er hauptamtlich beschäftigt, nachdem er zuvor erst ehrenamtlich und dann per Nebenjob im Dienst der Fanarbeit stand.

Außer der regelmäßigen Teilnahme an allen Heim- und Auswärtsspielen kommt eine Vielzahl an organisatorischen Aufgaben auf den Düsseldorfer Fanbetreuer zu. Mitbestimmungs-AG von Fortuna Düsseldorf, Sprecherrat der DFL-Fanbeauftragten oder die regelmäßige Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis, Fanprojekt und Supporters Club sind nur einige "Baustellen" Emgenbroichs: "Das eine oder andere Projekt kommt außerdem noch dazu."

Aufstiegsträume in der Altstadt

Vielleicht hat ein neues Projekt bald mit der Bundesliga zu tun. Der Aufstieg ist zwar noch weit entfernt. Aber bei den launigen Gesprächen an langen Wochenenden in der berühmten Düsseldorfer Altstadt schon ein beliebtes Gesprächsthema.