München - Kaum war knapp ein Drittel der neuen Zweitligasaison vorüber, schon zogen drei Clubs die Reißleine und trennten sich von ihren Trainern. Den Anfang machte der Karlsruher SC, wo Markus Schupp von Interimstrainer Markus Kauczinski aus der U 23 ersetzt wurde. Kurz darauf folgte der schnelle "Doppelwechsel" in Ingolstadt und Bielefeld: Michael Wiesinger musste Trainerroutinier Benno Möhlmann weichen und "Heimkehrer" Ewald Lienen ist der Nachfolger von Christian Ziege.

Drei Vereine am Ende der Tabelle, drei neue Trainer - jetzt heißt es Farbe bekennen. Wo müssen Kauczinski, Möhlmann und Lienen ansetzen? Wo hakt es am meisten in den schwer angeschlagenen Clubs, was müssen die neuen Übungsleiter besser machen als ihre Vorgänger? bundesliga.de hat genau hingeschaut.

Defensivprobleme in Karlsruhe, offensivschwache Arminia

In Baden muss sich Kauczinski vor allem um die desolate Defensive kümmern. Der KSC ließ die zweitmeisten Schüsse zu (59), gewann nur 48 Prozent seiner Zweikämpfe (ligaweit Platz 16) und blieb vor seiner Amtszeit erst ein Mal ohne Gegentreffer. Das 0:0 in Osnabrück war also schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Auch in Oberbayern ist die Defensive ein Schwachpunkt: Nur in einem der elf Saisonspiele konnte der FCI seinen Kasten sauber halten.

In Bielefeld dagegen ist die Offensive das große Manko. Die Ostwestfalen sind der einzige Verein, die in dieser Saison noch nie mehr als ein Tor erzielen konnten. Die Arminen gaben auch die wenigsten Schüsse in der Liga ab (119) und hatten die zweitschlechteste Chancenverwertung der Liga (neun Prozent). Auch Ingolstadt ist vorne verbesserungswürdig: Die "Schanzer" konnten auch erst ein Mal mehr als einen Treffer erzielen, drei Mal blieb die Wiesinger-Elf ohne eigenen Treffer.

Auf der Alm läuft es nicht rund

Tabellenschlusslicht Bielefeld steht vielleicht auch deswegen ganz hinten, weil es vor eigenem Publikum schwächelt. Mit nur drei Punkten aus vier Spielen ist der DSC die schlechteste Heimmannschaft aller Zweitligateams. Der FCI und der KSC holten ihre Punkte vor allem zuhause, dagegen hakt es auswärts: Ingolstadt ist in der Fremde noch ohne jeden Punkt und auch Karlsruhe wartet noch auf seinen ersten Auswärtserfolg (zwei Remis, drei Niederlagen).

Eines hatten alle drei Mannschaften in dieser Saison gemeinsam: Der Kampfgeist der Teams war alarmierend schwach. Arminia und der FCI lagen jeweils neun Mal zurück - in keiner dieser Partien stand für die beiden Teams am Ende auch nur ein Punkt zu Buche. Karlsruhe lag acht Mal zurück, konnte sich aber immerhin noch zwei Remis erkämpfen. Wollen die Mannschaften aus dem Tabellenkeller, müssen die Trainer an der Teammoral arbeiten - damit die Spieler zusammenrücken, wenn es nicht läuft.

Neues Personal, verschiedene Ansätze

Alle neuen Übungsleiter begannen ihre Ägiden gleich mit frischem Personal. Möhlmann brachte mit Sven Kmetsch einen neuen Co-Trainer in die Audi-Stadt, Kauczinski veränderte die KSC-Startelf bei seinem Debüt auf acht Positionen und brachte fünf neue Spieler von Anfang an - darunter "seine" U-23-Leistungsträger Ole Schröder, Simon Zoller und Patrick Dulleck. Auch Lienen kam mit Verstärkung: Mit Ali Gharzoul und Christian Müller befinden sich zwei neue Probespieler in Ostwesfalen. Außerdem berief Lienen Gianluca Marzullo und Carsten Rump aus der U 23 in den Profikader und brachte seinen Co (Abder Ramdane) gleich mit.

Wie werden die Trainer ihren Einstand angehen? Lienen strahlte bei seiner emotionalen Vorstellung vor Wiedersehensfreude und sprach von "Enthusiasmus" und "einer großen Herausforderung". Kauczinski gab sich kritisch und mahnte an, "aus den Fehlern zu lernen" und "aktionsschneller" zu werden. Für Möhlmann steht "die Mannschaft im Vordergrund." Er versprach, sich ausgiebig um den gesamten Kader zu kümmern. "Egal, ob jemand spielt oder nicht, es ist meine Aufgabe jeden Spieler zu fördern", sagte Möhlmann.

Drei Trainer, verschiedene Schwerpunkte, ein Ziel: den Klassenerhalt zu schaffen. Wessen Methoden am schnellsten greifen, wird sich schon bald zeigen.

Christoph Gschoßmann