München - Sie stehen alle mit null Punkten am Tabellenende - aber bundesliga.de hat für den Fehlstart bei Arminia Bielefeld, Fortuna Düsseldorf und dem FC Ingolstadt unterschiedliche Ursachen ausgemacht.

Schon die Saisonziele der Clubs hätten sich kaum stärker voneinander abheben können: Armina Bielefeld war vor wenigen Wochen froh, überhaupt die Lizenz bekommen zu haben, Fortuna Düsseldorf stand vor der Aufgabe, eine sensationelle Vorsaison zu bestätigen, und der FC Ingolstadt musste nach dem Aufstieg ohnehin erstmal in der 2. Bundesliga ankommen.

Nicht gern hören dürften die drei Fehlstarter folgende Statistik: 2009/10 hatte nur Ahlen nach drei Spieltagen keinen Sieg aufzuweisen - und stieg am Ende als Tabellenletzter ab. Mindestens eine der drei Mannschaften wird am kommenden Spieltag aber wenigstens den ersten Punkt oder gar den ersten Sieg feiern dürfen - denn die Arminia trifft zuhause auf den FC Ingolstadt.

bundesliga.de nennt die Ursachen für die bisherigen Anlaufschwierigkeiten der drei Clubs:

Eigentlich sollte der Audi-Sportpark eine Festung werden. Und nun? Stehen zwei Heimniederlagen zu Buche. Zum Auftakt kassierte der Aufsteiger gleich zwei deftige 1:4-Niederlagen gegen Augsburg und Duisburg. Weil in der Vorbereitung mehrere Stammspieler verletzt gefehlt hatten, war das teilweise zu erwarten. Überraschend war eher das 1:2 gegen Rot-Weiß Oberhausen am vergangenen Spieltag. Die Ursache für diese Niederlage sind aber wiederum in den beiden Auftaktpleiten zu suchen. Acht Gegentore schlugen auf die Psyche - die "Schanzer" wirkten gegen RWO verunsichert und kamen erst nach dem 0:2 besser ins Spiel.

"Es ist ein bitterer Abend für uns", resümierte Trainer Michael Wiesinger. In der Tat: Die Treffer fielen nach einem Freistoß und einem Konter. Das kann passieren, auch in einem Heimspiel gegen Oberhausen. Dass aber fünf von zehn Gegentore in den ersten 20 Minuten fielen, ist alarmierend - drei weitere fielen in der ersten Viertelstunde nach der Halbzeit, nämlich jeweils in Minute 59. Ein Hinweis darauf, dass der FCI offenbar schwer ins Spiel und aus der Kabine findet.

Die Oberbayern kassierten zudem fünf Treffer nach Standards - mehr als jedes andere Team in der 2. Bundesliga. Und Schlussmann Sascha Kirschstein hat mit 17 Prozent abgewehrter Torschüsse die schlechteste Quote der Liga. Dass der Fehlstart an der Doppelbelastung von Wiesinger liegen könnte, der derzeit in Köln seinen Trainerschein macht, schloss der Coach übrigens aus. Immerhin: Die schwache Zweikampfbilanz von 40,8 Prozent nach dem 2. Spieltag besserte sich gegen RWO merklich. Ingolstadt gewann 53 Prozent der Duelle.

Der Tabellensiebzehnte aus Düsseldorf hat sowohl ganz vorne als auch ganz hinten ein Problem. Zunächst zur Defensive: Vier von fünf Gegentoren fielen nach ruhenden Bällen, alle Gegentreffer wurden aus dem Strafraum heraus und von Stürmern erzielt. Die Innenverteidigung der Fortunen steht also alles andere als sicher - was nicht verwundert, musste Düsseldorf doch vor der Saison Bamba Anderson nach Mönchengladbach ziehen lassen, der bei vielen als bester Abwehrspieler der 2. Bundesliga galt.

Und im Sturm? Verließ Martin Harnik den Verein in Richtung Stuttgart. Er schoss vergangene Saison 13 Treffer. Diese Treffsicherheit fehlt. In allen drei Saisonspielen hatte die Mannschaft ihre Chancen, die zum Teil leichtfertig vergeben wurden - in Cottbus (0:2) scheiterte Jovanovic aus acht Metern, gegen Hertha (1:2) vergab Düsseldorf nach der Pause gleich vier gute Chancen, und beim FSV Frankfurt (0:1) machte das Team nichts aus seinem Ballbesitz.. Die Chancenverwertung der Fortuna liegt bei beinahe äußerst schwachen drei Prozent. Düsseldorf stellt dadurch den schlechtesten Sturm der Liga.

"Wieder einmal standen Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis", klagte Übungsleiter Norbert Meier anschließend. Selbst Hans Jürgen Boysen, Trainer der Frankfurter, sagte: "Es ist manchmal schon Wahnsinn, wie der Fußball so spielt. Ich habe die Fortuna in den letzten vier Partien gesehen - und jedes Mal hatten sie die Chancen zum Sieg." Das allerdings kann man auch positiv interpretieren. Zumal Meier schon vor der Saison den "herausragenden Leistungsträgern" Anderson und Harnik nachtrauerte und ankündigte, dass die Neuen Zeit brauchen würden. Für den Anfang würde es aber schon reichen, wenn etwa Wellington seinem ersten Saisontor weitere hinzufügen würde.

In Bielefeld wussten sie schon vor der Saison, dass der Start holprig werden könnte. Nachdem die Arminia nur knapp die Lizenz erhalten hatte, wurde der große Umbruch vollzogen. Stützen der Mannschaft gingen, wie etwa Andre Mijatovic, Giovanni Federico oder Chris Katongo. Umso ärgerlicher, dass die drei Pleiten zum Auftakt teilweise unnötig waren.

Denn das Team verschlief wichtige Phasen der ersten Halbzeit. Sechs von sieben Gegentoren fielen vor der 46. Spielminute, mehr als bei jedem anderen Team. Gegen Hertha setzte es in Minute 5 und 7 einen Gegentreffer und in Frankfurt in der 11. Minute, also in der Frühphase der Partie. Gegen Cottbus in Minute 42 und 45, also kurz vor der Pause.

In anderen Spielphasen kämpfte die Arminia mit viel Leidenschaft, zeigte Potenzial und erspielte sich Chancen, wenngleich die Belohnung ausblieb. Auch, weil Bielefeld im Spielaufbau Mängel zeigte: Nur Oberhausen und Padernborn (je 21) gaben weniger Torschüsse ab als die Arminia (23). Die Hoffnungen ruhen nach wie vor auf Stürmer Oliver Neuville - der 37 Jahre alte Ex-Nationalspieler soll das junge Team führen und schoss in Berlin seinen ersten Saisontreffer.

Peter Seiffert