Köln - RB Leipzig hat am letzten Spieltag mit dem vierten Sieg in Folge die Tabellenführung der 2. Bundesliga übernommen und sich bereits ein Polster von acht Punkten auf den Relegationsplatz verschafft. Die Sachsen gastieren nun am Samstag bei der SpVgg Greuther Fürth. Vor dem Duell mit den Franken spricht Leipzigs Kapitän Dominik Kaiser im Interview mit bundesliga.de über die Entwicklung der Mannschaft, Trainer Ralf Rangnick und die Aufstiegsambitionen.

bundesliga.de: Dominik Kaiser, RB Leipzig hat acht der letzten neun Punktspiele gewonnen und Platz 1 in der Tabelle der 2. Bundesliga übernommen. Kommt die Mannschaft so langsam richtig ins Rollen?

Dominik Kaiser: Ich denke schon. Wenn man so eine Serie hinlegt, gibt einem das ein richtig gutes Gefühl. Das ist auch in der Mannschaft fest verankert. Wir glauben immer an uns und haben auch in dem einen oder anderen kniffligen Spiel eine Lösung gefunden.

bundesliga.de: An welche Partien denken Sie dabei?

Kaiser: In den Auswärtsspielen in Bielefeld oder Karlsruhe waren wir keineswegs haushoch überlegen. Es waren sehr enge Spiele, in denen wir manchmal auch ein bisschen das Glück auf unserer Seite hatten. Wir haben dann aber auch vorne die Qualität, das Tor zu machen. Auch gegen Duisburg hätte das Spiel anders ausgehen können. Wir waren aber sicher, dass wir zumindest einen Punkt holen würden. Und dann hat es am Ende sogar noch dreifach geklappt (RB drehte das Spiel nach einem 1:2-Rückstand noch und gewann 4:2, die Red.). Die Punkteausbeute der letzten Wochen sieht sehr gut aus. Das wollen wir mit einem Sieg am Samstag in Fürth krönen.

"Auswärts punkten wir richtig gut"

bundesliga.de: RB Leipzig hat in dieser Saison elf Siege eingefahren, sieben davon mit einem Tor Vorsprung, vier mit zwei Treffern Differenz. Das spricht dafür, dass die Mannschaft immer ans Limit gehen muss, um die Dreier zu holen.

Kaiser: Das ist uns auch bewusst, und das ist auch gut so. Wir müssen in jeder Partie unsere Topleistung abrufen, ansonsten haben wir wie jede andere Mannschaft der 2. Bundesliga, Probleme zu punkten. Deshalb geht jeder Spieler von uns mit dem Wissen ins Spiel, dass wir individuell aber auch als Mannschaft alle funktionieren müssen. Im Moment bekommen wir das auf dem Platz gut umgesetzt. Auswärts klappt das manchmal schon richtig gut. Dort punkten wir im Vergleich zum letzten Jahr sehr konstant.

bundesliga.de: War es eine Frage der Zeit, bis sich die neuformierte Mannschaft gefunden und das System des neuen Trainers Ralf Rangnick verinnerlicht hat?

Kaiser: Das war sicherlich ein Lernprozess. Wir hatten im Sommer einen großen Umbruch im Kader, ein neuer Trainer kam. Die meisten Spieler wussten zwar, in welche Richtung es geht. Trotzdem hat ein neuer Coach immer auch eine andere Ansprache, er achtet auf andere Details. Es hat etwas gedauert, wenngleich wir auch am Anfang der Saison das eine oder andere gute Spiel gemacht haben. Aber die Konstanz über 90 Minuten haben wir in den letzten Wochen reinbekommen. Inzwischen funktioniert alles viel besser.

bundesliga.de: Wie ist Ihr Verhältnis als Mannschaftskapitän zu Ralf Rangnick?

Kaiser: Ich komme mit ihm sehr gut zurecht. Es spielt auch keine Rolle, ob ich Kapitän bin. Ich kenne ihn schon sehr lange und durfte auch schon in Hoffenheim unter ihm trainieren. In den letzten Jahren in Leipzig war er zwar nicht mein Cheftrainer, aber trotzdem immer präsent und bei den Spielen dabei. Wir Spieler haben ein sehr gutes Verhältnis zu ihm und wissen, dass er enorme Qualitäten hat. Seine Erfolge in der Vergangenheit unterstreichen das. Wir sind sehr glücklich, dass er unser Trainer ist.

"Können uns bis zum Schluss oben halten"

bundesliga.de: Sie haben 83 Spiele für Leipzig absolviert, 24 Tore geschossen und 22 Assists gegeben. Das sind starke Zahlen, zumal Sie sich in verschiedenen Spielklassen beweisen mussten. Wie zufrieden sind Sie mit sich in dieser Saison?

Kaiser: Ich habe in der 4. Liga in Leipzig begonnen und mich dann in jedem Jahr an das neue Level angepasst und meine Leistung und Qualitäten auf den Platz gebracht. Das ist das Wichtigste. Ansonsten kann man in keinem Proficlub bestehen. Mit diesem Jahr bin ich auch sehr zufrieden, auch wenn ich in dem einen oder anderen Spiel nicht meine Topleistung abgerufen habe und ich nicht so einverstanden mit mir war. Aber insgesamt war die Hinrunde in Ordnung. Mein Tor aus dem Spiel heraus im letzten Spiel gegen den FSV Frankfurt hat mir gut getan. Jetzt wollen wir auch noch im letzten Spiel des Jahres einen Dreier einfahren. Dann haben wir uns eine sehr gute Ausgangsposition geschaffen.

bundesliga.de: Haben Sie den Eindruck, dass die Mannschaft mit dem Druck, der Aufstiegsfavorit Nummer eins zu sein, gut umgegangen und ihren Weg gegangen ist? Nimmt der Aufstieg in die Bundesliga bei acht Punkten Vorsprung auf Platz 3 so ganz langsam Konturen an?

Kaiser: Es liegt an unserer Leistung, die mich optimistisch macht, nicht an acht Punkten Vorsprung. So wie wir seit Wochen auftreten, bin ich guter Dinge, dass wir uns bis zum Schluss oben halten können. Ich weiß aber auch, dass noch ein langer und schwieriger Weg vor uns liegt. Wir müssen hoch konzentriert bleiben und unseren Job machen. Dann haben wir die Möglichkeit, den Schritt im nächsten Jahr zu machen.

bundesliga.de: Leipzig gastiert nun im letzten Spiel des Jahres in Fürth, bei einer Mannschaft, die in dieser Saison ein bisschen unberechenbar ist. Wie stark schätzen Sie den Gegner ein?

Kaiser: Ich zähle Fürth, auch wenn sie in den letzten Spielen nicht so viele Punkte geholt haben, immer noch zu den Topteams der 2. Bundesliga. Sie haben individuelle Qualität und treten als Mannschaft sehr stabil auf. Sie haben uns in der Hinrunde vor große Probleme gestellt und uns ganz schön viel laufen lassen. Das müssen wir diesmal verhindern, sonst wird es ganz schwer, dort zu punkten. Wir wissen aus dem letzten Jahr, wie schwer es ist, in Fürth zu bestehen. Es wird ein schweres Spiel, aber wir werden mit einer breiten Brust auftreten und wollen dort den letzten Dreier einsammeln.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski