München - Auf die Frage, wer in einer neuen Zweitligasaison zu den Favoriten zählt, erhält man zumeist eine Antwort: die Absteiger. So ist es auch in diesem Jahr, wobei Eintracht Frankfurt noch größere Chancen eingeräumt werden als dem FC St. Pauli. Doch spricht die Statistik wirklich dafür, dass der Weg der beiden Ex-Bundesligisten sofort wieder nach oben geht? bundesliga.de hat tief in die Datenbank geblickt und die beiden Clubs ob ihrer Chancen auf eine Erfolgssaison verglichen.

Das subjektive Gefühl, dass die Absteiger im Regelfall auch zu den Aufzeigern zählen, bestätigt sich, wenn man auf die Daten blickt. Von allen 102 Absteigern schnappten sich immerhin 21 Teams die Zweitliga-Meisterschaft - auf den direkten Wiederaufstieg allgemein gibt es zumindest eine Drittelchance (34 Prozent).

Im Schnitt sechseinhalb Jahre Zweitligafußball

Eine Garantie gibt es aber nicht: Im Schnitt mussten die Absteiger sechseinhalb Jahre warten, bis endlich wieder Bundesligafußball auf dem Programm stand. Die kommende Spielzeit wird zeigen, ob Frankfurt oder St. Pauli es doch in einem einzigen Anlauf packen. Die Teams im Vergleich:

2011: "Seuchenjahr" für beide

Das aktuelle Jahr steht bisher für beide Teams unter keinem guten Stern. Aufsteiger St. Pauli lag vor der Rückrunde auf Rang 15 und damit über dem Strich, während die Eintracht sogar bis auf Platz 7 geklettert war und die Europa-League-Ränge im Visier hatte. Nach der Winterpause brachen in Frankfurt aber alle Dämme. Mit desolaten acht Punkten und erschütternden sieben Toren aus 17 Spielen stellten die "Adler" sogar den als "unknackbar" geltenden Minusrekord von Tasmania Berlin ein - nur jeder 27. (!) Torschuss verwertet. Für die Hamburger ging es vor allem gegen Ende der Saison und seit dem Derbysieg gegen den HSV steil bergab - ein einziges Pünktchen aus den letzten zwölf Spielen stand zu Buche. Für beide Teams gilt es nun in der 2. Bundesliga, das "Seuchenjahr" zu einem einigermaßen versöhnlichen Ende zu führen.

Die Trainer: Väter des Aufstiegs?

Wenn es um Erfahrung geht, hat der erfahrene Armin Veh dem Trainer-"Novizen" Andre Schubert einiges voraus. Veh steht mittlerweile schon seit 15 Jahren im bezahlten Fußball an der Seitenlinie, wohingegen der Coach der Paulianer erst in seine vierte Trainer-Saison geht. Dennoch erreichte Schubert in den letzten beiden Saisons mit Platz 5 und 12 in der 2. Bundesliga ansehnliche Ergebnisse. Außerdem hat er bereits mit seinem Ex-Club Paderborn Aufstiegserfahrung gesammelt: 2008/2009 führte er den SCP von der dritten Liga in die 2. Bundesliga. Veh weiß noch nicht, wie sich Aufstiege anfühlen. Das Gefühl, am Saisonende an der Tabellenspitze zu stehen, kennt er aber - aus der Bundesliga, von der Stuttgarter Meisterschaft 2007.

Die Stürmer: Hoffen auf die "Speerspitzen"

Setzen die Trainer weiterhin auf das 4-2-3-1-System der Vorsaison, werden die Angreifer Theofanis Gekas und Marius Ebbers wohl als die Speerspitzen ihrer Teams fungieren. Obwohl Gekas in der Hinrunde mit seiner Effizienz die Frankfurter Fans verzückte (14 Tore in 17 Spielen), konnte er ebensowenig wie Ebbers, der sich während der ganzen Bundesliagsaison schwer tat und sogar seinen Stammplatz verlor, die an ihn gestellten Erwartungen erfüllen. Die kommende Zweitligasaison könnte jedoch "die" Saison der zwei Torjäger werden: Ebbers auf der einen Seite kennt das "Unterhaus" wie seine Westentasche, ließ dort schon satte 89 Mal das Netz zappeln. Und der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig Gekas hat zum ersten Mal in seiner Karriere die Gelegenheit, Zweitliga-Abwehrreihen das Fürchten zu lehren.

Die Geschichte: St. Paulis bittere Stunden

Beide Teams blicken auf eher magere Versuche zurück, wenn es darum ging, direkt wieder ins "Oberhaus" zurückzukehren. Besonders die Hamburger mussten in der jüngeren Geschichte nach dem Abstieg aus der Bundesliga weitere bittere Stunden durchleben: 2001/02 wurden die Norddeutschen in die dritte Liga "durchgereicht". Danach gelang erst nach acht Jahren die Bundesligarückkehr. Auch die Hessen taten sich in der 2. Bundesliga oft schwer: Frankfurt schaffte bei drei Abstiegen (1996, 2001, 2004) nur ein Mal den direkten Wiederaufstieg - aber bei ihrem letzten Zweitligaauftenthalt 2004/2005.

Die Transfers: Frankfurt holt Erfahrung

Beide Teams haben einen großen personellen Aderlass zu verzeichnen. Mit Maik Franz (Hertha BSC), Ralf Fährmann (FC Schalke 04) und Patrick Ochs (VfL Wolfsburg) verlassen absolute Leistungsträger die Eintracht. Auch St. Pauli muss auf drei Stammspieler der Vorsaison verzichten: Bastian Oczipka /(Leverkusen) und Thomas Kessler (1. FC Köln) müssen ebenso ersetzt werden wie Matthias Lehmann, der ausgerechnet die Frankfurter verstärkt. Nicht die einzige prominente Neuverpflichtung der "Adler": Neben Lehmann sind die bekanntesten Transfers die bundesligaerfahrenen Erwin Hoffer (Kaiserslautern), Ümit Korkmaz (Bochum), und Karim Matmour (Mönchengladbach). St. Paulis prominenteste Neuzugänge sind, bis auf Stürmer Mahir Saglik (Bochum) zumeist hoffnungsvolle Talente wie Patrick Funk (Stuttgart).

Die Fans: Treue "Piraten"

Beide Teams konnten sich in der vergangenen Saison auf die Unterstützung ihrer Fans verlassen. Über 24.000 Zuschauer kamen im Schnitt ans Millerntor, nach Frankfurt pilgerten sogar über 47.000 Fans pro Spiel. Beide Stadien werden in der 2. Bundesliga sicher zu den bestbesuchten Arenen zählen, doch besonders die Supporter der "Kiezkicker" sind für ihre Treue bekannt: In der Saison 2009/10 waren die Spiele der Hamburger mit durchschnittlich fast 21.000 Zuschauer kaum weniger gut besucht. Die Eintracht musste sich in ihrer letzten Zweitligasaison 2004/05 mit lediglich knapp 24.000 Fans pro Spiel begnügen - eine Atmosphäre, an die sich das bundesligaerfahrene Team von Trainer Armin Veh erst mal gewöhnen muss.

Sabine Glinker und Christoph Gschoßmann