Nach zwei 0:5-Niederlagen zum Auftakt der Rückrunde hatten viele Experten den FSV Frankfurt schon als Absteiger abgestempelt. Doch die Hessen rissen das Ruder herum und sind nun bereits seit vier Partien in Folge ungeschlagen.

Zuletzt ärgerte die Mannschaft von Hans-Jürgen Boysen den favorisierten Karlsruher SC. Über die Vorstellung seines Teams bei den Badenern zeigt sich der Trainer des FSV im Interview mit bundesliga.de sehr zufrieden.

Boysen spricht zudem über die Rückendeckung des Vereins in schwierigen Zeiten, die Gründe für den Aufschwung der Frankfurter und das kommende Heimspiel gegen Energie Cottbus. Gegen die Lausitzer will er die Serie unbedingt ausbauen.

bundesliga.de: Herr Boysen, was war ausschlaggebend für die drei Punkte gegen den KSC?

Hans-Jürgen Boysen: Insbesondere die weitestgehende Neutralisation der Leitfigur Alexander Iashvili, die kompakte Mannschaftsleistung in der Defensive und die spielerische Verbesserung in der zweiten Hälfte waren ausschlaggebend für den Sieg.

bundesliga.de: Sie haben als Aktiver 109 Spiele für den KSC in der Bundesliga und in der 2. Bundesliga absolviert. War das Duell gegen die Badener etwas Besonderes für Sie?

Boysen: Ich möchte nicht leugnen, dass ich die schönste Zeit als Aktiver beim Karlsruher SC verbracht habe. Daher freue ich mich über Erfolge des KSC und beobachte natürlich die Vereine, bei denen ich als Spieler oder Trainer war noch intensiver als andere.

bundesliga.de: Oft gibt es für eine Mannschaft, die unten drin steht, nach einem frühen Rückstand einen Knacks. Woher nimmt Ihr Team aktuell das Selbstbewusstsein und den Glauben in die eigene Stärke?

Boysen: Diese Kraft und das Denken zieht die Mannschaft aus der zurückliegenden Serie gegen starke Mannschaften, aus dem schnellen Konter nach dem Rückstand und der guten Defensivarbeit mit dem Resultat von nur zwei Gegentoren in den letzten vier Spielen.

bundesliga.de: In der Winterpause blieb der Verein trotz eines Sechs-Punkte-Rückstands auf Platz 15 ruhig. Auch nach zwei 0:5-Pleiten zum Rückrundendstart war das so. Wie wichtig war die Rückendeckung des Vereins für Sie und die Mannschaft in dieser erfolglosen Zeit?

Boysen: Schon in der letzten Saison hat die Vereinsführung Ruhe bewahrt. Das hat sich am Saisonende ausgezahlt. Ich glaube fest daran, dass sich die Ruhe und Gelassenheit auch in dieser Spielzeit wieder so niederschlägt, dass wir unser Ziel am Ende der Saison erreichen.

bundesliga.de: Nun ist Ihre Mannschaft seit vier Spielen ungeschlagen und steht jetzt bereits auf dem Relegationsplatz. Was läuft momentan anders als zuvor?

Boysen: Wir holen jetzt Punkte (lacht). Wir haben auch im alten Jahr gute Spiele gemacht. Wir hatten zwar nur eine kurze Winterpause, aber das war wieder ein Neuanfang, der gründlich danebenging. Die erreichte Wende zeigt die Qualität der Mannschaft, die dafür viel Engagement gezeigt und viel investiert hat, um diese Geschlossenheit zu finden.

bundesliga.de: Am 24. Spieltag spielt der FSV daheim gegen Cottbus. Energie liegt nur sechs Punkte vor Frankfurt. Wie wichtig wäre ein "Dreier" in dieser Begegnung?

Boysen: Zum einen ist es wichtig, die positive Serie beizubehalten. Wenn man außerdem die Gelegenheit hat, auf Cottbus aufzuschließen ist das ausreichend Motivation für die Spieler, alles zu geben. Wir haben nicht mehr viele Spiele, um den Abstand nach unten zu vergrößern und nach oben zu verringern. Dafür müssen wir jede Gelegenheit nutzen.

bundesliga.de: Worin sehen Sie die Stärken der Lausitzer und was muss Ihr Team tun, um im fünften Spiel in Folge ungeschlagen zu bleiben?

Boysen: Ich könnte die Einschätzung des Teams aus Cottbus fast unisono von der Karlsruher Mannschaft übertragen: Cottbus ist eine sehr erfahrene Mannschaft, die einen sehr guten Fußball pflegt, aber momentan hinter ihren Erwartungen zurückbleibt. Besonders aufpassen müssen wir auf Emil Jula, er war der erfolgreichste Spieler der letzten Wochen. Trotzdem wollen wir unbedingt die drei Punkte im Stadion behalten. Wir hatten eine kurze, aber gute Trainingswoche, die Stimmung ist hervorragend, aber schade sind natürlich die Ausfälle von Sead Mehic und Pekka Lagerblom. Dafür wird Nikolas Ledgerwood auf der "Sechs" spielen. Wahrscheinlich werden wir mit zwei Spitzen agieren.

bundesliga.de: Ihre Mannschaft bekommt es in den kommenden Wochen zudem mit den derzeitigen Spitzenteams der 2. Bundesliga zu tun: Kaiserslautern, Düsseldorf, Bielefeld und Augsburg. Ist der FSV in der Lage, den einen oder anderen Favoriten zu ärgern?

Boysen: Wir haben in der Vorrunde bereits Kaiserslautern und Bielefeld und vor zwei Wochen den FC St. Pauli mit einem Unentschieden geärgert. Es ist also durchaus möglich, aus diesen Partien etwas Zählbares mitzunehmen. Wir können unser Ziel auch nur mit Überraschungspunkten erreichen.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz